18.02.2020 - 16:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Amtsgericht Tirschenreuth: "Die hatten mich auf dem Kieker"

Ein Staplerfahrer behauptet, in einem Mitarbeitergespräch von seinem Vorgesetzten geschlagen worden zu sein. Das stimmt nicht, sagt dieser. Die Wahrheit will Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß herausfinden.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Dem 34-jährigen Angeklagten wird Verleumdung in drei Fällen vorgeworfen. Er habe wider besseren Wissens unwahre Tatsachen behauptet und verbreitet, um seinen Vorgesetzten verächtlich zu machen. Der Landkreisbewohner behauptet felsenfest, er sei in einem Mitarbeitergespräch Ende März 2019 von seinem 28-jährigen Vorgesetzten mehrmals mit der Faust am Hals und ins Gesicht geschlagen worden.

Der slowakisch-deutsche Staplerfahrer erklärte, dass es schon vorher immer wieder Vorfälle mit dem Geschädigten gab. Sein Vorgesetzter habe ihn übelst beleidigt und wegen Kleinigkeiten runtergemacht. Als es wieder zu einer Auseinandersetzung Ende März 2019 kam - der Angeklagte habe beim Staplerfahren Ware beschädigt - zitierte ihn sein 28-jähriger Vorgesetzter zu einem Gespräch mit zwei weiteren Führungskräften.

Erst Beleidigung dann Faustschlag

Der Geschädigte habe den 34-Jährigen wieder beleidigt, "dann hatte ich auch schon einen Schlag im Gesicht", sagt der Angeklagte. Mehrmals hätte sein Vorgesetzter ihn mit der Faust an den Hals geschlagen. Der 34-Jährige wirft den Führungskräften vor: "Die sortieren Leute aus, wie es ihnen passt. Die hatten mich auf dem Kieker!"

Der 28-jährige Vorgesetzte schilderte alles ganz anders. Schon Monate vorher gab es immer wieder Probleme mit dem Staplerfahrer, erklärt der Kaufmann für Lagerlogistik. Die Führungskraft verwarnte den Landkreisbewohner bereits mehrmals wegen Unzuverlässigkeit und grobem Umgang mit Ware und Kollegen.

Ende März ging es wieder um beschädigte Ware. "Er sollte seine Arbeit besser erledigen", deshalb das Mitarbeitergespräch mit dem Angeklagten, dem Geschädigten, dessen Kollegen und dem Logistikchef. Das Gespräch sei sachlich und ruhig verlaufen. "Ich habe ihn nicht geschlagen. Dass er das behauptet, habe ich erst später erfahren."

Die Angelegenheit ging bis zum Werksleiter und dem Betriebsratsvorsitzenden. Nach einem Gespräch mit dem 34-Jährigen, dem 28-Jährigen und dem Werksleiter stand Aussage gegen Aussage. "Ich konnte nicht sehen, warum der Mitarbeiter lügen sollte. Auf der anderen Seite stehen drei Führungskräfte, die behaupten, dass es nicht so war", erklärt der Werkleiter. Erste Zweifel an den Aussagen des Angeklagten kamen ihm, als er mit der Fahrgemeinschaft des 34-Jährigen sprach. Ihm gegenüber erwähnte der Staplerfahrer, er sei im Mitarbeitergespräch geschlagen worden. "Als der Angeklagte aus dem Besprechungsraum gekommen ist, soll er gelächelt haben und gesagt haben: ,Den krieg ich auch noch raus'", so der Werksleiter.

Kein eindeutiges Ergebnis

Die firmeninternen Nachforschungen des Werksleiters ergaben kein klares Bild. "Ich kann nicht sagen, ob es so passiert ist oder nicht." Der Betriebsratsvorsitzende findet die Schilderungen des Angeklagten über die Schläge glaubwürdig. "Im Endeffekt ist er der Leidtragende. Er wurde gekündigt", sagt der 48-Jährige. So jedenfalls konnten der Vorgesetzte und der Mitarbeiter nicht mehr zusammenarbeiten. Der Angeklagte unterschrieb auf Anraten des Werksleiters einen Auflösungsvertrag und erhielt eine Abfindung von 12 000 Euro. Seitdem ist er arbeitssuchend. Weil noch ein weiterer Zeuge gehört werden muss, wurde die Hauptverhandlung unterbrochen. Das Urteil soll Mitte März fallen.

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