26.03.2020 - 13:50 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Apotheker hinter Plexiglas

Abstand halten ist in der Coronakrise die Regel Nummer eins. Wie die Apotheken im Landkreis Tirschenreuth den Spagat meistern, sich und ihre Kunden zu schützen, darüber berichtet Apothekensprecher Christian Züllich.

Christian Züllich hinter Glas: Der Sprecher der Landkreisapotheken hat als Sofortmaßnahme zur Sicherheit seiner Kunden und Mitarbeiter eine Schutzscheibe an der Theke installieren lassen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Besonders die Apotheken sind wegen der Coronakrise in der Pflicht und erfüllen wie beispielsweise Ärzte, Krankenpfleger und Krankenschwestern wichtige Aufgaben. Menschen mit normalen Alltagskrankheiten oder Akutfälle müssen weiterhin ihre Medizin holen können. Die Landkreisbürger brauchen ihre gewohnten, oftmals lebensnotwendigen Medikamente und wollen sich weiterhin von der Apotheke ihres Vertrauens gut versorgt wissen.

Damit das auch so bleibt, schauen die Apotheker in diesen Tagen nicht nur besonders auf ihre Kunden auf, sondern auch verstärkt auf ihr Personal. Christian Züllich hat in der Stadtapotheke in Tirschenreuth an seiner Theke einen Schutz anbringen lassen. "Spuckschutz" nenne man das jetzt, sagt er. Der sei relativ problemlos und schnell installiert gewesen.

"Der Apothekerverband hat uns das organisiert. Aber es machen auch heimische Firmen", erklärt Züllich. Er ist noch nicht ganz zufrieden. Denn er wünscht sich vom Gesetzgeber eine baldige Versorgung der Apotheken ebenfalls mit Schutzanzügen und Masken, wie fürs medizinische Personal allerorts. "Wir haben noch Reserven. Aber die halten nicht ewig." Vier Mal täglich werde die Apotheke desinfiziert. Noch verzichtet sein Team auf Mundschutz oder gar Schutzmasken und versucht, mit dem Niesschutz auszukommen.

Viele Landkreisapotheken sind bei Letzterem Züllichs Beispiel gefolgt. In einer Waldsassener Apotheke benutzen die Mitarbeiter außer Niesschutzvorrichtungen professionellen Mundschutz. Im Eingangsbereich steht ein Desinfektionsgerät, das jeder Kunde vor Betreten der Apotheke verwenden soll. Und man darf nichts durch den Spuckschutz reichen, was nicht dahin gehört. Ein Hinweisschild "Nur drei Kunden zeitgleich in die Apotheke" im Außenbereich bittet um entsprechenden Abstand.

Züllich hat ein solches bisher nicht aufgestellt. "Die Kunden sind sehr diszipliniert. Sie bleiben unaufgefordert draußen oder auf Abstand stehen, wenn viele gleichzeitig rein wollen", berichtet er. Züllich ist Apothekensprecher im Landkreis und im Pharmazierat. Er berät den Landkreis in rechtlichen Fragen zum Apothekenwesen. Seinen Wissensstand zur Gesetzeslage in der Branche nutzen die Kollegen nun rege, geht es um gesetzliche Änderungen oder Anordnungen für Apotheken aufgrund der Krise.

Züllich konnte bereits beratend tätig werden. Er erzählt von einer Erweiterung der Apotheker-Kompetenz zur Vereinfachung des Kundenverkehrs. Der Gesetzgeber habe die Rabattverträge mit den Krankenkassen gelockert. Sollte in den Apotheken ein rabattiertes Medikament nicht beschafft werden können, dürfe der Apotheker dem Kunden das gleichwertige Präparat eines anderen Herstellers zu gleichen Konditionen geben. "Das hilft bei einer raschen Versorgung und vermeidet doppelten Kundenkontakt. Denn ansonsten müssten wir das Präparat bestellen und der Patient muss noch einmal extra herkommen." Die Lockerung dieser Regel heißt aber nicht, dass es Lieferschwierigkeiten gebe. "Die Versorgung ist gewährleistet", betont Züllich ausdrücklich.

Was ihn freut, ist die Disziplin seiner Kunden. "Die Allermeisten benehmen sich sehr vorbildlich." Hamsterkäufe gebe es bei ihm nicht. In der Stadtapotheke arbeiten Züllichs Mitarbeiter nun in zwei Schichten, morgens und nachmittags. So könne ein Team weiterarbeiten, sollte es zu einem Quarantänefall in der Apotheke kommen. Mit Blick auf den Lieferservice von Apotheken sagt er: "Wir bringen die Medikamente weiterhin gern persönlich ins Haus. Gut wäre es aber, wenn jemand aus der Familie oder Nachbarschaft, die Rezepte vorher bei uns abgeben kann." Denn damit könne man viel Zeit sparen.

Damit sich die Leute im Laden nicht mehr auf die Pelle rücken können, auch nicht zufällig, wird in der Waldsassener Stadt-Apotheke gleich draußen vor der Tür um weniger Kundenverkehr gebeten.
Ein Thema, das allen auf den Nägeln brennt: Was ist, wenn ich erkältet bin und ein Medikament aus der Apotheke brauche? Christian Züllich hat auch dafür eine Lösung: Über eine große Informationstafel hinter der Ladentheke klärt die Stadtapotheke ihre Kunden darüber auf, wie man sich richtig verhält, um gut versorgt zu werden.
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