30.10.2018 - 13:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Arbeitskreis belebt Handwerkerscheune

War das eine Freude: Eine Woche nach der Einweihung der „Tirschenreuther Handwerkerscheune“ konnten die Mitglieder des Arbeitskreises „Historisches Handwerk“ schon wieder jede Menge Gäste in ihrem neuen Domizil begrüßen.

Interessiert schaut sich Anita Zwicknagl (links) die neu gesammelten Werkzeuge an, die ihr Vorsitzender Herbert Konrad stolz zeigt.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Ehre des zahlreichen Besuchs beim Tag der offenen Tür galt diesmal nicht alleine den historischen Gerätschaften: Ausgesprochen herzlich wurde die Volkskundlerin Anita Zwicknagl beim Arbeitskreis Historisches Handwerk begrüßt. Sie war extra wegen der Scheune vom oberbayerischen Geretsried nach Tirschenreuth gereist.

Schöner Platz für Exponate

Die Volkskundlerin ist keine Unbekannte beim Arbeitskreis und in der Region. Vor über 20 Jahren hat sie unter anderem in Leonberg und Neualbenreuth gearbeitet. Der ehemalige Bürgermeister von Leonberg, Gottfried Staufer, freute sich, Zwicknagl persönlich zu treffen. Auch Bürgermeister Franz Stahl und seine Frau Cornelia waren wieder nach Matzersreuth gekommen, um die Expertin zu begrüßen.

Zwicknagl sah sich neugierig in der Handwerkerscheune um. Sie freute sich sichtlich, dass die Exponate einen schönen Platz bekommen haben. Schließlich war sie es vor 20 Jahren, die jedem einzelnen Stück Werkzeug oder Gerät beim Archivieren ein Zettelchen aufgeklebt und es in fünf dicke Ordner katalogisiert hat. "Es war im Winter und eiskalt im alten Schuppen. Vom Dach zog es herein und ich hatte, glaube ich, immer drei Jacken gleichzeitig an", erinnerte sich die Volkskundlerin. Trotz der Umstände machte ihr die Arbeit viel Spaß.

Für die Gäste beim Tag der offenen Tür ließ sie noch einmal Revue passieren, was mit dem Arbeitskreis und der ehemaligen Fassbinderei Mickisch in Tirschenreuth zusammenhing. "Mickisch hat mit der Gründung der Fassbinderei im Jahr 1874 einen der Grundsteine für die Wirtschaftskraft der Kreisstadt gelegt." Eine Binderei in Verbindung mit dem Bierbrauen zeuge von Qualität und Zuverlässigkeit.

Herbert Konrad habe bei der Auflösung des Unternehmens darauf bestanden, den Nachlass zu erhalten. "Das ist ein Stück Stadtgeschichte ebenso wie Wirtschafts- und Sozialgeschichte", sagte Zwicknagl erfreut. Zumal Mickisch damals bereits als Fass-Fabrik gegolten habe, weil erste mechanische Maschinen vorhanden gewesen seien. Leider habe unter anderem die Erfindung des Kunststoffes viele dieser Handwerkskünste verdrängt, bedauerte Zwicklnagl. "Plastik ist nicht immer nur ein Segen für die Menschheit."

Holz-Badewanne in Planung

Dem Arbeitskreis wünschte sie ein gutes Händchen bei der Belebung der Handwerkerscheune, das ein begehbares Schau-Depot für Gäste jeden Alters sei. "Die Kinder wissen nicht mehr, was ein altes Handwerk ist. Aber sie brauchen Identifikationsmöglichkeiten zur Erfahrung von Heimat." Herbert Konrad dankte der Expertin für ihren Vortrag. Den ganzen Tag über konnten sich Gäste dann noch in der Scheune umsehen. Es gab Kaffee und Kuchen, Bratwürste und viel Wissenswertes übers historische Handwerk, auch mit Live-Demonstrationen.

Weiter geht es beim Arbeitskreis mit der Einladung zum Mitarbeiten - zweimal im Monat an jedem ersten Dienstag und Samstag. "Vielleicht fertigen wir eine hölzerne Badewanne, die wir dann am Marktplatz demonstrieren", meinte Herbert Konrad mit Blick zum Bürgermeister.

Mit einem Herzanstecker, einem Teelichthalter und einer Flasche Sekt bedankte sich Herbert Konrad bei Anita Zwicknagl (links) für ihren informativen Vortrag über die alte Fassbinderei Mickisch..
Die Arbeitskreismitglieder nutzten die Gelegenheit, die Volkskundlerin um den Nutzungszweck mancher unbekannter Werkzeuge wie diesem "Rechen" zu fragen. Zwicknagl konnte nicht alles beantworten, versprach aber, sich kundig zu machen.
Zahlreiche Gäste, darunter Bürgermeister Franz Stahl (links vorne) hörten dem Vortrag aufmerksam zu.
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