28.08.2019 - 11:37 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Atlas der Demokratie für Landkreis Tirschenreuth

Wo und wie haben Menschen in unserer Region in den letzten 70 Jahren ihre demokratischen Rechte wahrgenommen? Wann haben Personen Zivilcourage gezeigt? Diesen Fragen will die Initiative „Erinnerungskultur Demokratie“ nachgehen.

Starkes zivilgesellschaftliches Engagement im Landkreis: Großdemonstration im Dezember 1980 in Mitterteich. Innerhalb weniger Wochen konnte eine Bürgerinitiative – ohne digitale Netzwerke – rund 6.000 Menschen aktivieren. Der Widerstand gegen „Atommüll im Grenzland“ blieb zwar erfolglos, intensiv genutzt wurden Meinungs- und Pressefreiheit, das Demonstrationsrecht und Versammlungsfreiheit. Man sollte diese Bürgerrechte stärker schätzen, sie seien beileibe keine Selbstverständlichkeit, meint Friedrich Wölfl.
von Externer BeitragProfil

Für einen noch eher "blinden Fleck" hält der Studiendirektor a.D. Friedrich Wölfl die Erinnerung an demokratische Initiativen im Landkreis Tirschenreuth. Das sei unbefriedigend, denn die positive Entwicklung der Demokratie beruhe nicht nur auf der Stabilität der Verfassungsorgane. Sie seien zwar die "Hardware", entscheidend sei jedoch die "Software": demokratische Tugenden, staatsbürgerliches Handeln, werteorientiertes Verhalten seitens der Bürger - im politischen wie im vorpolitischen Raum.

Schulen ins Boot holen

Diese Software stärker ins Bewusstsein zu rücken, ist das Ziel einer Initiative "Erinnerungskultur Demokratie", die im Frühherbst unter dem Dach der Volkshochschule (VHS) starten will. Das sei jetzt noch gut möglich, so Initiator Wölfl, weil sich mit Hilfe der "Oral history" das Wissen von Zeitzeugen sichern ließe, aber auch weil eine neue Sensibilität für den Wert der Demokratie entstanden sei. Die vielen Appelle zur Stärkung der Demokratie seitens der Politiker dürften jedoch nicht wohlgelittene Rituale an Jahrestagen bleiben. Friedrich Wölfl würde für seine Aktion beispielsweise gerne Schulen gewinnen, die im Rahmen des "Gesamtkonzepts für Politische Bildung an bayerischen Schulen" ihr Schulprofil stärken wollen und am Heimatort dafür recherchieren könnten. Er denke auch an manche Aktionen zur Extremismus-Prävention, zu Integration und Inklusion. Ferner hätten neben den Parteien unter anderem stets gewerkschaftliche, soziale oder kirchliche Organisationen wichtige Beiträge zur "demokratischen Software" geliefert.

Fernziel Demokratie-Atlas

Das Projekt wolle er mit Mitstreitern umsetzen, es brauche einen längeren Atem. Ersten Zuspruch und Ideen gebe es bereits, zusammen mit Interessenten könnte ein erstes Konzept entwickelt werden. Fernziel könnte ein digitaler "Atlas der Demokratie" für den Landkreis werden, der dann ständig aktualisiert werden kann.

"Demokraten fallen nicht vom Himmel", zitiert Wölfl den Staatsrechtler Theodor Eschenburg, "das stimmt nach wie vor, man könne den Stolz auf Erreichtes und eine demokratische Identität auch über eine angemessene Erinnerungskultur fördern. Fest- und Gedenktagsreden alleine helfen nicht, man muss und kann schon mehr dafür tun."Ein erstes Treffen ist am Freitag, 4. Oktober, um 19 Uhr in der Volkshochschule in Tirschenreuth (St.-Peter-Straße 33). Interessierte können sich auf der VHS-Homepage informieren und dort auch online anmelden.

Homepage der VHS

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