22.10.2019 - 14:25 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Aufschub bei Jugendsozialarbeit

Eigentlich sollten Jugendsozialarbeiter ab Anfang 2020 an den beiden Grundschulen Tirschenreuth und Immenreuth ihren Job aufnehmen. Daraus wird aber vorerst nichts.

Die Marien-Grundschule in Tirschenreuth muss sich bei der Jugendsozialarbeit noch gedulden.
von Martin Maier Kontakt Profil

Der Bedarf für Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) an den beiden Einrichtungen ist gegeben. Das hatte der Jugendhilfeausschuss schon in seiner Juli-Sitzung festgestellt. In Tirschenreuth sollte eine Fachkraft mit 35 Wochenstunden eingesetzt werden. Angesichts der wesentlich kleineren Einrichtung in Immenreuth wurde dort ein Bedarf im Umfang einer Halbtagesstelle anerkannt.

Die beiden JaS-Projekte müssen nun aber erst einmal zurückgestellt werden, da es vonseiten des bayerischen Sozialministeriums momentan keine Fördergelder mehr gibt. "Uns wurde mitgeteilt, dass die Mittel verbraucht sind", erklärte Jugendamtsleiter Emil Slany am Montag im Kreisausschuss. Im Doppelhaushalt des Freistaats 2019/2020 sei Geld für 1000 JaS-Stellen zur Verfügung gestanden und dieses sei mittlerweile ausgeschöpft. Slany schlug daher vor, die weitere Entwicklung abzuwarten und den Maßnahmenbeginn an beiden Einrichtungen erst für das Schuljahr 2020/2021 einzuplanen.

Dutz: Druck machen

Denn sollte der Landkreis die zwei Projekte schon zum Jahresbeginn 2020 starten, müsste er freiwillig die alleinige Finanzierung übernehmen. Die angesetzten jährlichen Kosten von 22 870 Euro würden sich auf 45 740 Euro verdoppeln. Sollte es aber später doch wieder eine staatliche Förderung geben, könnten die beiden JaS-Stellen wegen des vorzeitigen Einstiegs nicht mehr in dieses Programm aufgenommen werden. Momentan laufe die Überarbeitung der JaS-Richtlinie. Dabei würden die Verbände dringend einfordern, dass es weitere staatliche Finanzmittel für neue JaS-Stellen gibt.

Landrat Wolfgang Lippert ging mit dem Vorschlag von Slany konform. "Das können wir wirklich nicht machen", kommentierte der Landkreischef die Option, die Kosten komplett zu übernehmen. CSU-Fraktionssprecher Toni Dutz forderte, in den entsprechenden Gremien Druck zu machen, damit wieder Fördergelder fließen.

Sein Parteikollege Bernd Sommer schlug vor, einen Antrag auf Unbedenklichkeit zu stellen und sich an die kommunalen Verbände, Ministerien, Abgeordneten und die Regierung zu wenden. "Ohne Jugendsozialarbeit würde es bei uns nicht gehen", berichtete er von den Erfahrungen in Waldsassen. Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl verwies auf den hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund an der Grundschule in der Kreisstadt. "Wir haben da schon eine große Belastung", stellte der Rathauschef fest.

Entwicklung abwarten

SPD-Sprecher Rainer Fischer sprach von einer Pflichtaufgabe des Landkreises. "Auf Dauer kann es sich der Freistaat nicht leisten, hier einen Deckel drauf zu machen. Ich glaube, irgendwann wird es an allen Schulen Jugendsozialarbeit geben", brachte sich Hans Donko (CSU) ein.

Slany plädierte nochmals dafür, die Entwicklung bei der Förderung einfach abzuwarten. "Der Bedarf ist festgestellt, aber man muss nicht unmittelbar handeln. Man bekommt auch nicht sofort Personal", so der Jugendamtsleiter. Letztendlich würden die beiden Projekte nur verschoben. Schließlich stimmte der Kreisausschuss zu, diesen Weg mitzugehen und bei den entsprechenden Stellen Druck zu machen.

Sitzung des Jugendhilfeausschuss zum Bedarf von Jugendsozialarbeit an Schulen

Tirschenreuth
Hintergrund:

Neuer Allwetterplatz

Vier nicht-öffentliche Beschlüsse gab Landrat Wolfgang Lippert in der Kreisausschusssitzung am Montag bekannt. Der Innenhof des Landratsamts wird nach den Entwürfen des Landschaftsarchitekturbüros "Stadt-Land-Fanck" aus Tirschenreuth umgestaltet. Die Honorarsumme liegt bei fast 61 000 Euro.

Da auf dem jetzigen Allwetterplatz des Stiftland-Gymnasiums die neue Dreifachturnhalle errichtet wird, muss ein neuer Allwetterplatz gebaut werden. Die Landschaftsbauarbeiten dafür übernimmt die Firma "Drexler Sportanlagen + Service" aus Arrach für den Bruttopreis von 385 550 Euro.

Mit einer Gegenstimme gingen die Architekten- und Ingenieurleistungen für die Freianlagen beim Neubau des Verwaltungsgebäudes Abfallwirtschaft an das Planungsbüro Fischer aus Marktredwitz. Die Kosten liegen bei fast 65 500 Euro. Zudem hat der Kreisausschuss die Neuerstellung eines "Schlüssigen Konzepts zur Ermittelung der Angemessenheit von Unterkunftskosten im Landkreis Tirschenreuth" an die Hamburger Firma "Analyse & Konzepte" zusammen mit der Stadt Weiden in Höhe von 15 850 Euro vergeben.

Die Marien-Grundschule in Tirschenreuth muss sich bei der Jugendsozialarbeit noch gedulden.

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