06.11.2020 - 12:29 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Aussortiert: Mehr Kleinstwaren in Sozialkaufhäusern im Landkreis Tirschenreuth

Kleider, Möbel, Haushaltswaren. Die vergangenen Monate nutzten viele, um ihr Zuhause auszumisten. Dadurch ändert sich auch der Arbeitsalltag in Sozialkaufhäusern und Secondhand-Shops im Landkreis Tirschenreuth.

Peter Kett und Erich Steiner (von links) bestücken im Werkhof Tirschenreuth einen Verkaufstisch mit Weihnachtsartikeln.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Nur selten getragene T-Shirts und Pullover, dazu Spielsachen der Kinder oder Geschirr vom Dachboden. Urlaub daheim und die Zeit ohne Termine und Veranstaltungen nutzten viele, um in ihrer Wohnung Ordnung zu schaffen. Aber wohin mit den Dingen, die man nicht mehr braucht? "Zum Wegwerfen ist vieles noch zu schade", erzählt Thomas Bauer vom Werkhof in Tirschenreuth. Wer nicht verkaufen will, spendet an die Secondhand-Geschäfte und Sozialkaufhäuser in der Region. Seit acht Jahren, arbeitet er für ein paar Stunden in der Woche im Sozialkaufhaus. Nach den Ausgangsbeschränkungen im März, konnten die Geschäfte am 28. April wieder geöffnet werden.

"Das war für unsere Mitarbeiter sehr wichtig", blickt Markus Friedrich zurück. Als Geschäftsführer der Diakonie in Weiden war er sehr froh, die drei festangestellten Mitarbeiter in Tirschenreuth wieder aus der Kurzarbeit zu holen. Ziel des Werkhofs ist es, "Menschen ohne Arbeit eine Beschäftigung zu ermöglichen, um so den Weg zurück in die Arbeitswelt zu schaffen." Deshalb gibt es im Sozialkaufhaus in Tirschenreuth auch sechs Mitarbeiter, die über eine Maßnahme des Jobcenters beschäftigt sind. "Zudem helfen uns vier ehrenamtliche Mitarbeiter", erzählt Bauer und Friedrich ergänzt, dass viele, die durch das Jobcenter vermittelt wurden, auch danach ehrenamtlich engagieren. "Wir sind ein tolles Team, der Zusammenhalt ist klasse", lobt Thomas Bauer seine Kollegen.

Deutlich mehr Kleinstwaren

Nach der Eröffnung im April gab es einiges zu tun. "Zu Beginn war es noch sehr ruhig, dann hat die Bombe aber eingeschlagen", blickt Bauer zurück. Das kann auch Friedrich bestätigen. Im Werkhof in Weiden gab es sogar einen Annahmestopp, weil es keinen Platz mehr für die Sachspenden gab. So extrem war der Andrang in Tirschenreuth nicht, aber dennoch merkbar. "Wir haben deutlich mehr Kleinstwaren erhalten", erzählt Bauer. Dazu zählen neben Kleidungsstücken, Dekoartikel, Geschirr, Krüge oder Spielsachen. "Der Andrang hat bisher auch nicht nachgelassen", erzählt er. Die Spenden gilt es nun zu sortieren und dekorativ im Laden auszustellen. Für Geschirr und Porzellan aus Tirschenreuth, gibt es sogar eine eigenen "Abteilung".

20 bis 30 Lieferungen pro Tag

Dass viele den Lockdown zum Aussortieren nutzten, bemerkte man im Bunten AWO-Laden in Kemnath relativ schnell. "Die Leute sind deutlich mehr zu Hause, das macht sich bemerkbar", sagt Traudl Panzer. Sie leitet die Filiale der Tirschenreuther Arbeiterwohlfahrt, die es inzwischen seit sieben Jahren gibt. Fünf festangestellte Mitarbeiter und zwei aus Maßnahmen des Arbeitsamts sind in Kemnath beschäftigt. "Ein paar Wochen nach der Eröffnung konnten wir keine Waren mehr annehmen", blickt sie zurück. Der Berg aus Kleidern und Gegenständen wurde immer größer. "Daraufhin haben wir unsere Arbeitsweise umgestellt." Zwei Mitarbeiter kümmern sich seitdem nur um die Warenannahme und das grobe Vorsortieren – kaputte Ware wird aussortiert.

20 bis 30 Lieferungen erhält der bunte AWO-Laden pro Tag. "Meistens ist es ein Karton pro Kunde, aber es gibt auch Tage, da wird kistenweise Kleidung abgeben", erzählt Mitarbeiterin Grazyna Niewelt. Das besondere: "Die Qualität der Kleidung hat zugenommen", berichtet sie. Da seien auch bekannte Mode-Marken dabei. Da es in diesem Jahr kaum Kinder-Basare gab, "haben wir deutlich mehr Kinder- und Babyklamotten bekommen", stellt Panzer fest.

"Langer Samstag" soll neuen Platz schaffen

Damit die Waren schnell ein neues Zuhause finden lockt der Werkhof in Tirschenreuth nun jeden ersten Samstag im Monat mit einem "langen Samstag". Zudem wird es ab dem 7. November, weitere Rabatt-Aktionen geben. "Wir werden 10 bis 50 Prozent Rabatt auf unterschiedliche Produkte vergeben", erklärt Thomas Bauer. Rabattierte Artikel sind dann mit bunten Schildern ausgezeichnet. Von der Aktion erhofft sich der Werkhof, dass vor allem Möbel und Ladenhüter einen neuen Besitzer finden. "Unsere Halle ist voll." Erst wenn etwas verkauft wird, können neue Möbel aufgebaut werden. Schlafzimmer- oder Küchenmöbel holt der Werkhof kostenfrei bei den Spendern ab. Besonders gesucht sind im Gebrauchtwarenhaus der Diakonie Einzelbetten und voll funktionsfähige Elektrogroßgeräte.

Schaufenster macht neugierig

Um mehr Kunden in den Bunten AWO-Laden zu locken, dekorieren die Mitarbeiter mindestens einmal in der Woche das große Schaufenster um – manchmal auch zweimal. Dabei ist es gut möglich, dass zu Beginn der Woche alle Gegenstände und Kleider einer Farbe ausgestellt werden. "Vergangene Woche war alles grün, heute haben wir auf rot umgestellt", erklärt Grazyna Niewelt. Passend zur Jahreszeit, zieren Dirndl, Faschingskostüme oder Abendkleider das Schaufenster – und das macht neugierig. "Die unterschiedlichen Gegenstände ziehen auch ein buntes Klientel in den Laden", erzählt Traudl Panzer.

Auch Markus Friedrich betont, dass "im Werkhof jeder Willkommen ist". Schnäppchenjäger, Raritätensammler, aber auch Studenten, die sich sich günstig eine Wohnung einrichten wollen.

Kleiderkammern in der Region: Gut gefüllt, aber geschlossen

Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Öffnungszeiten

  • Werkhof Stiftland: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 12 Uhr, „langer Samstag“ am ersten Samstag im Monat von 9 bis 16 Uhr. Franz-Heldmann-Str. 38, Tirschenreuth
  • Der Bunte AWO-Laden: Montag bis Freitag 10 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 14 Uhr, Stadtplatz 43, Kemnath. Warenannahme Montag bis Freitag 10.30 bis 17:30 Uhr, Samstag 9.30 bis 13 Uhr. Elektrogeräte, Federbetten, Helme, Kindersitze und Skier können nicht angenommen werden.

 

 

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