21.02.2019 - 11:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Auto gestohlen und angezündet: Angeklagte schweigen

Wegen Autodiebstahls und der "thermischen Verwertung" der Beute nach ihrem Gebrauch müssen sich zwei Männer vor dem Schöffengericht Tirschenreuth verantworten. Während die Angeklagten schweigen, regen die Anwälte weitere Ermittlungen an.

Symbolbild
von Manfred Hartung Kontakt Profil

Sitzen die Richtigen vor Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß? Ein 43-jähriger Amberger und ein 39-Jähriger aus Regensburg werden beschuldigt, Anfang Juli 2017 in Regenstauf einen nicht mehr ganz taufrischen BMW gestohlen zu haben. Der Tat stand nichts weiter im Wege, weil der Zündschlüssel steckte und das Auto nicht verschlossen war.

Staatsanwältin Natalie Wolf warf bei der Verhandlung am Mittwochvormittag den gebürtigen Osteuropäern darüber hinaus vor, mit dem Wagen im Wert von 2000 bis 3000 Euro ins Stiftland gefahren zu sein und ihn am Rande der Staatsstraße 2174 in Großkonreuth angezündet zu haben, um Spuren zu vernichten. Die lodernden Flammen verursachten schließlich auch noch einen Schaden von rund 1000 Euro an der Asphaltdecke.

Zeuge muss löschen

Bevor es brannte, rauchte und stank, sahen vier Verkehrsteilnehmer unweit der Abzweigung "einen Stärkeren", der mit dem Kopf und einem Teil des Oberkörpers unter dem Wagen lag, und "einen Schmächtigen", der daneben stand. Bei der Beschreibung der Kleidung stimmten die Aussagen im Detail nicht ganz überein. Einer der Zeugen, der sich gerade auf dem Nachhauseweg befunden hatte, wurde 20 Minuten nach seinen Beobachtungen als Feuerwehrmann ausgerechnet zu dem brennenden Auto gerufen.

Die Polizei griff zeitnah "zwei komische Personen" auf, die mit nacktem Oberkörper zu Fuß unterwegs waren. Ihre Oberbekleidung trugen sie in der Hand. Dabei hatten sie eine weiße Plastiktüte, unter anderem mit einem Messer, das dem früheren Besitzer des BMW zuzuordnen war.

Rechtsanwalt Tobias Konze aus Weiden, der den 43-Jährigen verteidigte, rügte vor der Vernehmung einer Zeugin die Zulässigkeit der Gegenüberstellung bei der Polizei mit Hilfe eines venezianischen, sprich nur einseitig durchsichtigen Spiegels, weil nur die beiden Beschuldigten als Anschauungsobjekte zur Verfügung standen. Im Übrigen bestehe die Möglichkeit einer vollständigen Verwechslung. Sein Mandant sei am Tattag für eine Leiharbeitsfirma tätig gewesen, könne es also nicht gewesen sein. Die Chefin des Betriebs müsse als Zeugin geladen werden.

Noch Klärungsbedarf

Rechtsanwalt Andreas Schätzler aus Kemnath, der im Gerichtssaal für den 39-Jährigen zuständig war, sah ebenfalls noch Klärungsbedarf in Sachen seines Mandanten, der "wegen eines anderen Delikts" gerade nicht auf freiem Fuß ist.

Der nächste Sitzungstermin ist für Montag, 11. März, um 13 Uhr anberaumt. Dann versuchen die Dame von der Leiharbeitsfirma, eine Sachverständige vom Landeskriminalamt und der zuständige Landgerichtsarzt zur Wahrheitsfindung beizutragen.

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