Tautreten in der Morgendämmerung. Wer macht denn so etwas? Mindestens eine tut das seit einiger Zeit regelmäßig: Johanna Zettl. Damit dürfte sie aber ziemlich eine Ausnahme in der Region sein. Die 60-jährige Mutter von fünf Kindern und Oma von sechs Enkeln hat eine Ausbildung zur Kneipp-Gesundheitstrainerin hinter sich. "Taufrisch" ist ihr Wissen über den katholischen Priester, der als Hydro-Therapeut und Naturheilkundler in Wörishofen berühmt wurde.
Morgenmuffel frisch machen
Kneipps Naturheilkunde hat Johanna Zettl derart fasziniert, dass sie sich intensiver damit beschäftigen wollte. Dieses Interesse, sagt sie, sei vor fünf Jahren während der Schulung zur zertifizierten Kräuterführerin im Kultur- und Begegnungszentrum Waldsassen geweckt worden. "Kneipp gehörte zum Ausbildungsinhalt", erklärt Zettl. Zum Tautreten, das zur Kneipp'schen Lehre gehört, sagt sie, jeder solle das gern ausprobieren und lacht. "Das macht nicht nur Morgenmuffel frisch!" Und dafür müsse man nicht einmal viel Zeit investieren. "Einige Sekunden reichen aus, besonders jetzt bei Kälte und Schnee."
"Obst-Pommes" bei Prüfung
Tautreten ist nur eines der Beispiele, die zu Kneipps Anwendungen gehören. Johanna Zettl kennt sie nun alle. Sie absolvierte ihre Ausbildung, die selbst finanziert werden muss, in der Sebastian-Kneipp-Akademie (SKA) in Bad Wörishofen. Dreimal eine Woche lang lernte sie an der Akademie. Im August büffelte die Tirschenreutherin stundenlang für die Prüfungen. "Nach dem Tautreten am Morgen ist mir das ein wenig leichter gefallen", sagt sie und schmunzelt. Ihre Ausbildung schloss die 60-Jährige mit der Zulassungsarbeit "Kinder - Erkältungsfrei durch den Winter mit Kneipp", einer sechsseitigen Facharbeit, und einem Referat ab. Beim Referat, erzählt sie, habe sie an ihre Zuhörer "Obst-Pommes" verteilt. Gesunde Ernährung sei eine der fünf Säulen der Kneipp-Lehre. "Ich habe mich während der Ausbildung immer mehr von der Einfachheit des wissenschaftlich anerkannten Naturheilverfahrens überzeugen lassen." Als zertifizierte Kneipp-Gesundheitstrainerin will Zettl nun ihr Wissen an Kindergärten, Schulen und Erwachsenengruppen weitergeben.
Sebastian Kneipp hat sich aufgrund seiner eigenen Krankheit für die Anwendungen mit Wasser interessiert. Seine Wasserkur wurde noch zu seinen Lebzeiten in ganz Europa berühmt. 1893 wurde der Priester vom damaligen Papst Leo XIII. zum Päpstlichen Geheimkämmerer ernannt. Das Kneipp’sche Naturheilverfahren basiert nach Aussage von Johanna Zettl auf den fünf Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter und Lebensordnung. Angewandt werden könne es bei Befindlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, Alltagsbelastung, Stress, Kopfschmerz, Bluthochdruck und mehr. Das Wasser werde als Güsse, Bäder, Waschung, Wickel oder anderes angewandt. Die Kneipp’sche Naturheilkunde gehört zur klassischen Traditionelle Europäische Medizin (TEM).














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