17.06.2021 - 10:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Berater empfehlen Stadt und Landkreis Tirschenreuth ein ganzjähriges Kombi-Bad

Sanieren, neu bauen – oder über kurz oder lang zusperren? Sowohl das Hallenbad als auch das Freibad in der Kreisstadt sind in die Jahre gekommen. Jetzt liegen erste Zahlen zu möglichen Kosten auf dem Tisch.

So könnte sich ein Freibad-Neubau an das sanierte Hallenbad (mit Eiskristall-Symbol) anschließen. Die Planer haben dafür in einer ersten groben Übersicht Investitionen von insgesamt 19 Millionen Euro angesetzt - plus die Kosten für die dann notwendige Verlegung des Sportplatzes.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Auf die Kommunalpolitiker warten weitreichende Entscheidungen. Das wurde im Kreisausschuss deutlich, wo es um Summen von 7 bis 22 Millionen Euro ging. Zu dem Treffen waren auch Tirschenreuther Stadträte und Vereinsvertreter eingeladen, denn erstmals ging es in größerer Runde um die Machbarkeitsstudie. Sie ist von der Kreisstadt in Auftrag gegeben worden, der als Betreiberin des Freibades eine baldige Entscheidung besonders auf den Nägeln brennt. Der Landkreis beteiligte sich an der Studie, um ergebnisoffen Synergieeffekte für ein gemeinsames Projekt zu prüfen.

Weniger Wasserfläche

Stefan Studer von der Kannewischer Management AG war aus Zug in der Schweiz angereist, um die Ergebnisse der Bestandsanalyse vorzustellen. Quintessenz der gut einstündigen Präsentation: Der Betrieb der beiden Bäder wie bisher ist wirtschaftlich wenig sinnvoll. Als vielversprechendste Option erschien den Beratern die Zusammenlegung der beiden Sport- und Freizeiteinrichtungen zu einem Kombibad mit Ganzjahresöffnung – allerdings bei deutlich verkleinerter Sommer-Wasserfläche.

Der Referent analysierte zunächst das Marktpotenzial der Bäder. Für manche überraschend war die Aussage, dass es bei relativ geringer Bevölkerungszahl im Umkreis von Tirschenreuth sehr viele Bademöglichkeiten gibt: "Innerhalb von 30 Autominuten sind 16 Bäder zu erreichen", zählte Studer zusammen. Die meisten hätten die gleichen Probleme: geringe Auslastung und altersbedingter Investitionsbedarf. Dazu kämen noch etliche Badeseen.

Der Berater, Mitglied der Kannewischer-Geschäftsleitung, stellte als ein Problem die relativ geringen Nutzerzahlen dar. Ein Kostendeckungsgrad von 25 Prozent sei sehr niedrig. Der Freibadbetrieb unterliege großen wetterbedingten Schwankungen. Studer ging von einer durchschnittlichen Besucherzahl von 45.000 pro Saison aus.

Im Tirschenreuther Hallenbad sei die Resonanz abnehmend auf unter 40.000. Weniger als 15.000 Eintritte seien nicht auf Vereine und Schulen zurückzuführen. Dafür machte Stefan Studer auch die kurze öffentliche Nutzungszeit verantwortlich: 25,5 von 77,5 Stunden pro Woche.

Hoher Sanierungsbedarf

"Das alles wäre nicht so schlimm. Doch es besteht ein hoher Sanierungsbedarf", machte der Redner auf den technischen Zustand der Bäder aufmerksam. "Der richtige Investitionszeitpunkt beim Hallenbad liegt schon Jahre zurück. Das Freibad ist ein Totalschaden, salopp formuliert."

Beim Hallenbad müsse man mittelfristig die komplette Haustechnik ersetzen. Starke bauliche Eingriffe seien in der Badehalle nötig, die bisherigen Technikräume nicht mehr ausreichend. Vom Kinderbecken bis zu den Duschen und Fliesen, von der Dachbedeckung bis zur Gastronomie herrsche Erneuerungsbedarf. Insgesamt kam Studer auf eine geschätzte Summe von 11 bis 12 Millionen Euro für die Hallenbad-Sanierung.

Auf die Zahlen dürfe man sich nicht festlegen, erläuterte der Fachmann im Kreisausschuss. Sie sollten in erster Linie eine Hausnummer sein, um die verschiedenen Kostenszenarien vergleichen zu können. Etwa 12 Millionen Euro wären vom Landkreis auch bei der Lösung mit einem Kombi-Bad zu stemmen, wobei es wohl immer nur einen relativ geringen Förderbetrag gibt, wie in der Sitzung anklang.

Ganzjährig mehr Besucher

Der Vorteil einer Zusammenführung beider Bäder an einem Ort läge in der ganzjährigen Öffnung. "Das witterungsunabhängige Angebot sollte wieder zu höheren Besucherzahlen führen", sagte der Vertreter des Consultingbüros. Denkbar wäre der Neubau des verkleinerten Sommerschwimmbeckens neben dem sanierten Hallenbad. Allerdings würde dafür ein Teil des jetzigen Sportplatzgeländes gebraucht.

Eine andere Variante, die dem Landkreis einen Kostenanteil von 15 Millionen Euro bescheren würde, ist der Neubau beider Bäder auf dem landwirtschaftlich genutzten Areal hinter dem Gymnasium. In dieser Version könne man aus Platzgründen "freier denken", merkte Studer an. Außerdem vermeide man eine zweijährige Schließzeit des Hallenbades, die bei einer Sanierung unumgänglich sei. "Das sind sehr große Summen, egal, was man tut", räumte der Autor der Machbarkeitsstudie ein. Und das Betriebsdefizit sei auch mit einem Kombi-Bad nicht stark zu verringern: "Alles andere wäre schöngerechnet."

Landrat Roland Grillmeier wollte die vielen Informationen, die den meisten Anwesenden neu waren, erst mal setzen lassen: "Wir können das heute nicht ausdiskutieren." Kreisbaumeister Klaus Weig betonte, dass das Hallenbad noch über Jahre betrieben werden könne: "Beim Freibad ist der Zeitdruck größer."

Das bestätigte Tirschenreuths Bürgermeister Franz Stahl, der einem Kombi-Bad „einen gewissen Charme“ abgewann: „Die Stadt braucht eine Aussage, wie sich der Landkreis dazu stellt. Der Druck beim Freibad ist akut.“ Eine Entscheidung dürfe aber nicht übers Knie gebrochen werden, da sie für die nächsten Jahrzehnte gelte.

Die Zukunft des Freibads Tirschenreuth beschäftigt den Stadtrat schon längere Stadt auf Kooperation

Tirschenreuth

"Der richtige Investitionszeitpunkt beim Hallenbad liegt schon Jahre zurück. Das Freibad ist ein Totalschaden, salopp formuliert."

Berater Stefan Studer

Berater Stefan Studer

Hintergrund:

Varianten von Sanierung bis Neubau

  • 1973 eröffnete die Stadt Tirschenreuth das Freibad an der Mähringer Straße. Hier ist der Sanierungsbedarf sehr akut.
  • 1986 kam das kreiseigene Hallenbad am Stiftlandring dazu.
  • 2015 wurde das Hallenbad wegen verrosteter Stahlteile aus Sicherheitsgründen geschlossen. Ein Ersatz der Deckenkonstruktion für 245.000 Euro verschaffte zunächst Aufschub in der Sanierungsfrage.
  • 7 Millionen Euro würde die "kleine Lösung" bei der Freibadsanierung kosten. Dabei wäre der Rückbau des 50-Meter-Beckens vorgesehen.
  • 9,5 Millionen Euro wären bei der "großen" Freibadsanierung des Bestands 1:1 zu schultern.
  • 12 Millionen Euro setzen die Planer in einer ersten Schätzung für die Komplettsanierung des Hallenbads an.
  • Idee Kombibad: Auf 19 Millionen Euro wird die Sanierung des Hallenbads (12 Millionen) und der Neubau des Freibads (7 Millionen) gleich daneben geschätzt.
  • 22 Millionen Euro würde grob gerechnet der komplette Neubau beider Bäder hinter dem Gymnasium kosten (davon 15 Millionen Euro das Hallenbad).
In dieser Ansicht wird ein Neubau beider Bäder auf der landwirtschaftlich genutzten Fläche hinter dem Gymnasium (links unten im Anschnitt) dargestellt. Als Investitionssumme werden bei dieser Lösung 22 Millionen Euro genannt.

 

 

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