11.01.2019 - 10:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Blaues Auge für Nebenbuhler wird teuer

Ein Seitensprung der Freundin ist der Auslöser. Als der 35-Jährige delikate Bilder aufs Handy bekommt, gerät er in Rage und schlägt seinen Nebenbuhler nieder. Besonders erbost ihn ein Detail, das ihm die Lebensgefährtin schildert.

Prozess
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Den Vorfall mitten in Wiesau Ende Juli 2018 rollte jetzt das Amtsgericht auf. Um die Mittagszeit hatte sich der Geschädigte in einen Biergarten gesetzt - in Sichtweite der Wohnung des Angeklagten und dessen Freundin. Erst kurz zuvor hatte es eine Gefährderansprache durch die Polizei gegeben, nachdem ein Chat zwischen den Männern aus dem Ruder lief. Der Angeklagte sollte sich von dem Nebenbuhler fernhalten, der wiederum sollte die Frau nicht mehr kontaktieren.

Doch wenige Stunden später eskalierte es. In der Anklage hieß es, der 35-Jährige habe seinen Kontrahenten mit der Faust gegen den Kopf geschlagen, mit Fußtritten traktiert und sei mit einem Stuhl auf ihn losgegangen: Gefährliche Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung lauteten die Vorwürfe. Der Nebenbuhler erlitt Prellungen und Hautabschürfungen.

"Ich wollte ihm ein blaues Auge schlagen", gab der Angeklagte unumwunden zu. Von Nachtreten und einer versuchten Stuhlattacke wollte er jedoch nichts wissen. Er habe am Vortag sehr viel Wodka getrunken, gab er an. Als ihn seine Freundin gegen Mittag darauf aufmerksam machte, dass der andere Mann im Biergarten sitzt, sei er sofort ohne Schuhe aus dem Haus. Richtig getroffen habe er den Nebenbuhler nicht, gefährlich verletzen wollen habe er ihn ohnehin nicht.

Ausführlicher Chat-Verlauf

"Ich war richtig in Rage", gab der 35-Jährige jedoch zu. Provoziert fühlte er sich nicht nur von den nackten Tatsachen auf den Bildern, die ihm übrigens die Freundin selber geschickt hatte. "Selbst das hätte mich kalt gelassen", schilderte er vor Einzelrichter Thomas Weiß. Doch dann habe die Lebensgefährtin ihm gesagt, dass ihr kurzzeitiger Geschlechtspartner auch auf sie urinierte, was sie wie eine Vergewaltigung empfunden habe. Dieses Detail habe den Ausschlag zur Attacke gegeben.

Der Richter verlas einen ausführlichen Chat-Verlauf, dem es nicht an Eindeutigkeit mangelte. Der Nebenbuhler provozierte mit Anzüglichkeiten, der Angeklagte revanchierte sich mit Ausdrücken wie "perverser Natursektler" und "stell dich, du Sau".

Den Drohungen, es werde etwas passieren, ließ der 35-Jährige Taten folgen. Er habe schon einige Tage keinen Kontakt mehr mit der Frau gehabt, erklärte der Geschädigte als Zeuge vor Gericht. "Ich werde doch in der Öffentlichkeit was trinken dürfen", rechtfertigte er sein Auftauchen in Sichtweite. Der Angeklagte sei auf ihn losgestürmt, ein Faustschlag traf ihn hinter dem Ohr, das geblutet habe. Mit einem Stuhl habe der andere auf ihn eindreschen wollen, was Zeugen verhinderten. "Ich bring dich um", lautete eine Drohung. "Jetzt kannst mich anzeigen." Das erledigte der Geschädigte umgehend beim Polizeibeamten vor Ort. Drei Tage blieb er im Krankenhaus. Noch heute habe er Schmerzen, außerdem sei sein Handy kaputtgegangen.

Vier Zeugen bestätigten weitgehend übereinstimmend die Darstellung des Opfers. Er habe dem Angreifer von hinten den aufgezogenen Stuhl weggenommen, sagte ein Bekannter des Geschädigten. Ein anderer, der unbeteiligt in einem anderen Lokal gesessen hatte und einschritt, bestätigte die Drohungen: "Er hat immer wieder geschrien: Ich bring dich um." Auch die Bedienung hatte die Attacken direkt beobachtet.

Die Lebensgefährtin war keine Augenzeugin. Sie gab zu, dass sie ihren Partner mit den delikaten Bildern ärgern wollte. Weil sie ihm am Tag zuvor alle Details offengelegt habe, sei die Sache so entgleist. Der 35-Jährige fiel vor Gericht immer wieder durch Dazwischenreden und direkte Ansprache der Zeugen auf, bis sogar sein Verteidiger einschritt. Rechtsanwalt Tobias Konze beantragte eine Geldstrafe unter 90 Tagessätzen. Er sah nur eine einfache Körperverletzung als erwiesen. Die Bedrohungen und Beleidigungen bestreite sein Mandant nicht. "Ich wollte ihm ein blaues Auge schlagen, nicht mehr", lautete dessen Schlusswort.

90 Tagessätze

"So etwas habe ich schon lange nicht mehr erlebt. Der Angeklagte hat sich offenbar nicht im Griff", kommentierte Richter Thomas Weiß das Verhalten des Wiesauers vor Gericht. In seinem Urteil blieb er dennoch unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die fünf Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung wegen vorsätzlicher gefährlicher Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung gefordert hatte.

Auf 90 Tagessätze zu 80 Euro Geldstrafe lautete das Urteil für den nicht vorbestraften Mann. "Ein Faustschlag ins Gesicht kann immer zu schweren Verletzungen führen", betonte der Richter. Normalerweise sei in so einem Fall eine Freiheitsstrafe unerlässlich. Bei der relativ milden Geldstrafe von 7200 Euro habe auch das Verhalten des Geschädigten eine Rolle gespielt.

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