Dieses Ereignis zu Beginn des 13. Jahrhunderts war ein Meilenstein in der rasanten Entwicklung des 1133 gegründeten Klosters Waldsassen und seiner Stadt Tirschenreuth. 1217 begann Abt Hermann mit dem Bau des Damms in Westen der Stadt. Nach drei Sommern, im Jahr 1219, vor genau 800 Jahren, konnte der Teich geflutet werden. Vor allem die Abzugsanlage ist ein technisches Meisterwerk, das heute noch seines Gleichen sucht. Es gilt als das älteste, erhaltene Baudenkmal des Klosters. Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 8. September, ist es geöffnet.
Bereits 2017 erinnerten der Historische Arbeitskreis und die Stadt Tirschenreuth mit einem Symposium und 2018 mit einer Ausstellung im Museumsquartier an diese Gründerzeit vor 800 Jahren. Historiker Christian Malzer hielt einen vielbeachteten Vortrag über das Bauwerk und seine Bedeutung für das Kloster.
Wirtschaftlicher Aspekt
Abt Hermann (1212 bis 1220), der vierte Abt des noch jungen, aufstrebenden Klosters Waldsassen wird sich im Spätsommer 1219 gefreut haben. Der neue, untere Stadtteich konnte geflutet werden. Zwei Jahre vorher hatte er das "Prädium tursenrut", ein Siedlungsgebiet zwischen Liebenstein und Kondrau von den Orthenburgern erworben. Wahrlich kein günstiges Geschäft, aber dringendst notwendig. Das Kloster wollte neben der kirchlichen Macht auch die Landesherrschaft, und die bekam nur der größte Grundbesitzer. Neben diesen weltlichen Machtansprüchen gab es auch einen wirtschaftlichen Aspekt. Das gerade mal 80 Jahre alte Kloster brauchte dringend zuverlässig Einnahmen, ein großer Fischteich kam da gerade recht.
Die Teiche taten über Jahrhunderte ihren Dienst, auch als für ein paar Jahrzehnte die Landesherrschaft wechselte. Die Kurfürsten von der Pfalz hatten sich des Klosters bemächtigt und deren weltliche Herrschaft Mitte des 16. Jahrhunderts für immer beendet. Im Dreißigjährigen Krieg dann der nächste Wechsel, ab 1628 hat Herzog Maximilian I. das Gebiet des Klosters endgültig in sein Bayern integriert. Den pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. hat er 1620 am Weißen Berg bei Prag vernichtend geschlagen, dessen Gebiete waren die Kriegsbeute. Und den Kurfürsten-Titel hat er der pfälzischen Verwandtschaft bei der Gelegenheit auch noch abgenommen.
Die Teiche taten ihren Dienst, auch als sie 1803 im Rahmen der Säkularisation in staatlichen Besitz übergingen. Der konnte damit wenig anfangen, die Teiche wurden schließlich verkauft. 1805 wurde der untere Stadtteich nicht mehr angedämmt, der über 90 Hektar große Teich verwandelte sich in landwirtschaftliche Nutzfläche. 600 Jahre war Tirschenreuth eine Insel-Stadt, das was damit endgültig vorbei.
Der Damm des alten, unteren Stadtteiches wurde noch gebraucht: als Straße nach Falkenberg. Aber die Abzugsanlage? Die war überflüssig, sie geriet langsam in Vergessenheit. Das wäre ihr fast zum Schicksal geworden. 2000 war es nur der Hartnäckigkeit des Historischen Arbeitskreistes zu verdanken, dass das Straßenbauamt den historisch bedeutsamen Durchlass nicht zuschüttete.
100 000 Mark für Erhalt
"In einem Jahr fragt keiner mehr nach dem Loch", zitierte "Der Neue Tag" einen Tirschenreuther Stadtrat in der entscheidenden Sitzung am 1. Juli 2000. Klaus Arbter erteilte dann der Versammlung eine Lehrstunde zum Thema "Wert eines Denkmals". Mit drei Gegenstimmen wurde schließlich für den Erhalt des Historischen Wasserdurchlasses gestimmt. Bürgermeister Franz Fink und auch sein Nachfolger Franz Stahl stimmten damals für den Erhalt. Ihnen war es die Summe von mehr als 100 000 DM wert.
Inzwischen ist der Historische Wasserdurchlass auch unter Denkmalschutz gestellt. So eine schnelle und intensive Rettungsaktion wie im Jahr 2000 wird wohl nicht mehr notwendig sein.















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