Tirschenreuth
26.09.2019 - 11:08 Uhr

Borkenkäfer: Gefahr wird immer größer

Das Thema ist brisant: Die Forstbetriebsgemeinschaft Tirschenreuth hat zur Informationsveranstaltung über die Bekämpfung des Borkenkäfers eingeladen. Das Interesse war enorm.

Kaum zu glauben, was ein winziges Insekt anrichten kann: Wird eine Fichte vom Borkenkäfer befallen, dauert es etwa sechs Wochen von der Eiablage bis zum Ausflug des Nachwuchses. Ein Weibchen kann bis zu drei Generationen anlegen und für bis zu 100 000 Nachkommen im Jahr sorgen. Entlässt eine befallene Fichte - realistisch gesehen - mindestens 20 000 Käfer, davon die Hälfte Männchen, besiedeln diese im schlimmsten Fall 20 benachbarte Bäume. Wird das nicht gestoppt, können beim nächsten Ausflug bereits mehr als 400 000 Käfer 400 Fichten befallen. Ein Horror für Waldbesitzer.

Dem Problem zuschauen

Ein Bild von einer solchen Verwüstung machten sich 40 interessierte Waldbesitzer bei einer Infoveranstaltung der Forstbetriebsgemeinschaft Tirschenreuth. Die FGB klärte auf, wie man Buchdrucker und Kupferstecher erfolgreich bekämpfen kann. Vom Anwesen Karl Platzer in der Mooslohe ging es nach der Begrüßung durch Försterin Christina Scholz, Revierförster Karlheinz Melzer und Borkenkäferfachkraft Martin Kraus vom Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten hinaus in den Fichtenwald. Dort fehlten etwa 100 Festmeter Holz wegen Borkenkäferbefall.

Die Gruppe konnte geradezu zuschauen, wie die winzigen Ungeheuer riesige Schäden anrichten. Unter den Rinden etlicher Baumstämme, die wegen Borkenkäferbefall gefällt worden waren, fraßen sich Käfer und Larven munter weiter durchs Holz. "Das zeigt deutlich, dass der Borkenkäfer ein großes Problem ist", sagte Försterin Christina Scholz. "Auch im Landkreis Tirschenreuth wird der Käfer zu einer immer größer werdenden Gefahr für die Fichtenwälder", klärten die Fachleute auf.

Zunächst erklärten die Experten die Biologie des Schädlings. Die Teilnehmer konnten sich mit Rindenstücken, frisch abgeschält von den gefällten Bäumen, ein Bild vom Fressverhalten des Käfers machen. Weiter ging es zu einem aufgearbeiteten "Käfernest", wo den Waldbesitzern gezeigt wurde, wie man Befall erkennt. "Braunes Bohrmehl in den Rindenschuppen und am Stammfuß, herabgefallene grüne Nadel und abgeplatzte Rinde sind eindeutige Merkmale", demonstrierten die Fachleute am noch "lebenden" Beispiel. "Befallene Bäume müssen möglichst schnell gefällt und aus dem Wald geschafft werden, um die Ausbreitung des Käfers zu verhindern", bedauerte Revierförster Melzer, dass auch diese Bäume nicht mehr zu retten sind.

Waldbesitzer überfordert

"Das ist ja alles in Ordnung", meinte ein Teilnehmer. "Wir sind alle darauf bedacht, den Käfer rasch zu beseitigen." Nur, wenn man jemand zum Holzfällen benötige, bekomme man keine Leute, stöhnte der Waldbesitzer. Diese seien wegen der Katastrophe total überlastet. Ein Teufelskreis - denn wer befallene Bäume nicht fällt, muss mit Geldstrafen rechnen: "Das kann bis zu 50 000 Euro kosten", so Melzer.

In der etwa 100 Festmeter großen Abholzung wollten die Teilnehmer wissen, wie es weitergehe. Försterin Christina Scholz erklärte auf der leeren Waldfläche, dass diese Bäume, gut 25 Jahre weiterwachsen hätten können. Melzer stellte Fördermöglichkeiten vor, die der Freistaat Bayern für die Wiederaufforstung bietet. Auf die Frage, was man aufforsten solle, meinte der Revierförster: "Alles von Eiche über Tanne bis hin zur Buche und Lärche. Nur bitte nicht mehr Fichte allein."

Hintergrund:

Hilfe für betroffene Waldbesitzer

Aufgrund der vergangenen heißen Sommer und der Schwächung der Fichten durch Wassermangel, hat der Borkenkäfer deale Bedingungen und sich die Lage zugespitzt. Deshalb haben die Regierungen Oberpfalz und Niederbayern im Dezember 2018 eine Verordnung zur Überwachung und Bekämpfung der Nadelholzborkenkäfer, Buchdrucker und Kupferstecher erlassen. Waldbesitzer sind darin zur Kontrolle ihrer Bestände verpflichtet und müssen bei Befall waldschutzwirksame Maßnahmen einleiten. Forstbehörden nehmen Kontrollen vor. Betroffene haben die Möglichkeit einer Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für den entstandenen Mehraufwand aufgrund einer insektizidfreien Borkenkäferbekämpfung. Anträge gibt es beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Für eine Förderung müssen Bäume aktuell befallen oder fängisch sein. Ist der Borkenkäfer wieder ausgeflogen, verfällt die Förderfähigkeit. Bei Beantragung der Fördergelder dürfen die Maßnahmen noch nicht begonnen haben. Der Transport zum nächsten Verarbeitungsbetrieb muss unterbrochen sein und das Holz mindestens 14 Tage auf einem Lagerplatz außerhalb des Waldes liegen bleiben. Hierbei ist aus Waldschutzgründen ein Mindestabstand zum nächsten Fichtenbestand von 500 Meter einzuhalten. Die FBG Tirschenreuth bietet Beratung und Unterstützung an.

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