29.04.2019 - 18:17 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Von Brand nach Brüssel

Christian Doleschal will als erster Politiker aus dem Landkreis Tirschenreuth in das Europaparlament einziehen. Der 31-Jährige sprach mit Oberpfalz-Medien über seine Chancen, seine Unterstützer und Opa Hans.

Christian Doleschal will in das Europaparlament einziehen. Seit Ostern ist er laut eigener Aussage in der "heißen Wahlkampfphase".
von Martin Maier Kontakt Profil

Vor fünf Jahren kandidierte Christian Doleschal erstmals für das Europaparlament. Aber Listenplatz 9 auf der CSU-Liste reichte, wie erwartet, nicht zum Einzug aus. Diesmal schaut es für den Brander besser aus. Schließlich haben die Christsozialen den JU-Spitzenkandidaten auf Platz 5 gesetzt. Doleschal würde auf den Neumarkter Albert Deß folgen, der nach 15 Jahren nicht mehr antritt.

"Wir als CSU müssen bundesweit auf etwa 5 Prozent kommen, um 5 Sitze zu erhalten. Bei der letzten EU-Wahl hatten wir 5,3 Prozent", rechnet der 31-Jährige vor. Auch die Wahlbeteiligung in Bayern spiele eine Rolle. "Wir müssen schauen, die Leute zur Wahl zu bringen. Meine Chancen sind gut, aber wir müssen schon noch etwas tun dafür. Ich bin noch nicht sicher im Parlament", mahnt Doleschal, der seit 2017 als Rechtsanwalt bei der Bauunternehmung Markgraf arbeitet.

Mit Listenplatz 5 ist er sehr zufrieden. "Der war hart umkämpft. Aber die JU und die Oberpfalz haben zusammengehalten." Schließlich hätten andere Bezirke und die Münchener auch ihre Ansprüche angemeldet. Hinter ihm sei sein "Freund und Förderer" Albert Füracker gestanden. Zudem sei Landtagsabgeordneter Tobias Reiß, der ebenfalls aus Brand stammt, fleißig für ihn unterwegs gewesen. Und Albert Deß habe Christian Doleschal alles in "hoher Freundschaft übergeben. Da ist nichts gespielt", versichert er.

Der Wahlkampf 2014 habe ihm schon sehr viel Spaß gemacht. "Da habe ich noch mehr Lust auf Politik bekommen." Anfang 2018 hat Doleschal sich dazu entschlossen, es noch einmal zu probieren. Mittlerweile fahre die CSU einen klaren europäischen Kurs. Dies sei vor fünf Jahren noch anderes gewesen. "Wir haben jetzt die Chance, den EU-Boss zu stellen", verweist der Brander auf CSU-Spitzenkandidat Manfred Weber, der sich zugleich für die Europäische Volkspartei als EU-Kommissionspräsident bewirbt.

"Tirschenreuther Brille"

Mit dem Wahlslogan "Einer von uns" wirbt Doleschal für sich. Die Nordoberpfalz, dazu zählt er die Landkreise Tirschenreuth und Neustadt/WN sowie die Stadt Weiden, habe noch nie einen Europaabgeordneten gestellt. "Ich finde es extrem wichtig, dass unsere Region auf allen Ebenen ihre Vertreter hat. Wenn wir nicht unsere Heimat gestalten, tut es keiner." Dabei sei es sicher nicht das Schlechteste, wenn einer am Tisch sitze, "der die Tirschenreuther Brille aufhat".

Schon in ganz jungen Jahren hat sich Doleschal politisch in seiner Gemeinde engagiert. "Eigentlich ist das alles aus der örtlichen Vereinsstruktur geboren. Ich wollte mit anpacken." Er selber spricht von einer "klassischen Dorfkarriere". Dazu zählt Doleschal die Aktivitäten im Sportverein und als Ministrant. Mit 14 Jahren wurde er Jugendbürgermeister von Brand. "Irgendwann kam die JU und fragte, ob ich eintreten will." Schon mit 16 war er Oberpfälzer Bezirksgeschäftsführer der JU und mit 19 Jahren zog er in den Gemeinderat ein. Es folgte vier Jahre später die Wahl zum JU-Bezirksvorsitzenden und mit 26 die erstmalige Kandidatur bei der Europawahl.

Als sein europäisches Schlüsselerlebnis bezeichnet er den 30. April 2004. Einen Tag vor der EU-Osterweiterung gab es in Waldsassen eine Welcome-Europe-Party der JU Bayern mit vielen Freuden aus Osteuropa. "Das hat mich gefesselt." Seine Kandidatur begründet der 31-Jährige auch mit Blick auf die eigene Familiengeschichte. Der Name Doleschal stammt aus dem Sudetenland. Sein Opa Hans, mit dem er und Ehefrau Carina gemeinsam in einem Haus leben, wurde am 4. Juni 1946 vertrieben. "Er hat sich eine neue Existenz in Deutschland aufbauen müssen. Mein Opa ist zum Glück noch immer quietschfidel und fiebert bei meinem Wahlkampf mit."

Im Herzen Europas

Vergangenes Jahr im September hatte der Enkel mit seinem Großvater dessen alte Heimat in Tschechien besucht. "Wenn man sich das alles vor Augen führt, weiß man, wie wichtig die europäische Idee ist", lenkt der Jurist den Blick auf das friedliche Zusammenleben der Völker. Dieses Argument für die EU werde zwar ständig wiederholt, sei aber ein Hauptkriterium, um sich für Europa stark zu machen.

Zudem profitiere unsere Region aus wirtschaftlicher Sicht sehr stark von der EU mit dem gemeinsamen Binnenmarkt. "Das ist alleine schon aus geostrategischer Sicht so. Durch die EU-Osterweiterung sind wir in das Herz Europas gerückt." Tschechien sei mittlerweile der fünftwichtigste Handelspartner von Bayern. Zudem kämen 9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Landkreis Tirschenreuth aus Tschechien. "Diese Leute stabilisieren unseren Raum", ist sich der Rechtsanwalt sicher.

Die europäische Idee sei nicht mehr selbstverständlich. Als Beispiel reiche ein Blick nach Großbritannien. "Es wollen leider viele die Europäische Union zerstören." Egal ob es die AfD sei oder andere nationalistische Tendenzen in vielen Ländern. "Wir haben jetzt schon rund 30 Prozent Spinner im EU-Parlament, die nicht konstruktiv unterwegs sind." Er sei aber zuversichtlich, dass durch die ganzen Vorgänge um den Brexit ein neues europäisches Bewusstsein entstanden sei. Die Zustimmungswerte zur EU seien laut Umfragen höher denn je: "Die Bürger schätzen wieder die europäischen Werte."

Falls er ins Parlament einziehe, wolle er seine Schwerpunkt auf die Wirtschaft- und "ein bisschen" Umweltpolitik legen. Die Frage laute, wie kann man Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen und gestalten. Zudem gehe es darum, darauf zu pochen, dass die EU-Fördergelder in die Region weiterhin so stark wie bisher fließen. In diesem Zusammenhang sei auch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit Tschechien wichtig. "Allerdings ist mir auch klar, dass ich mich als neuer Abgeordneter am Anfang etwas hinten einordnen muss."

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Kommentare

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Joachim Datko

Die AfD ist eine respektable Partei!

Zitat: "Egal ob es die AfD sei oder andere nationalistische Tendenzen in vielen Ländern. "Wir haben jetzt schon rund 30 Prozent Spinner im EU-Parlament, die nicht konstruktiv unterwegs sind.""

Mit Prof. Meuthen hat die AfD einen ausgesprochen kompetenten und sachlich orientierten Spitzenkandidaten. Mir ist ein Europa der "Vaterländer" lieber, als ein europäischer Zentralstaat. Auch ist mir eine restriktive Politik gegen die massive Einwanderung aus Afrika und dem Nahen Osten wichtig. Meine Stimme bekommt die AfD, wie schon bei der letzten Europa-Wahl.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

Ich bin gerne bereit, eine Lanze für die AfD zu brechen.

29.04.2019