17.01.2019 - 15:24 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Brandstiftung nicht nachweisbar

Eine Hotelfachfrau entsorgt kurz vor Feierabend in einer Gaststätte Zigaretten- und Kerzenreste in einem Plastikeimer. In der Nacht bricht ein Schwelbrand aus. Nun steht die Bedienung wegen fahrlässiger Brandstiftung vor Gericht.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) "Ich weiß nicht, was das Feuer verursacht hat, oder wo genau es ausgebrochen ist," sagt der Gaststuben-Besitzer aus dem östlichen Landkreis. Als er am Morgen des 7. Februar 2018 zur Gaststube kam und das Licht anschalten wollte, bemerkte er den Schaden. "Gebrannt hat nix mehr, aber alles war voller Rauch und Ruß." Um 10 Uhr alarmierte er einen Bekannten von der Feuerwehr, nachmittags rief er die Polizei.

Bei der Verhandlung am vergangenen Donnerstag am Amtsgericht Tirschenreuth sitzt die ehemalige Bedienung auf der Anklagebank. Die gebürtige Tschechin wird der fahrlässigen Brandstiftung beschuldigt. Anscheinend übersah sie, dass entweder eine Zigarette oder ein Kerzenrest, den sie in einen Plastikeimer entsorgte, noch nicht ganz erloschen war. In der Nacht geriet der Abfalleimer in Brand.

Die Flammen griffen auf Getränkekisten neben dem Abfalleimer über, sowie auf die Küchen- und Wintergartentür. Das Feuer erlosch schließlich von selbst. Neben den verbrannten Türrahmen waren der Nebenraum und die Küche stark verrußt. Insgesamt entstand ein Schaden von 11 295 Euro.

Inhalt überprüft

Eine Dolmetscherin übersetzt die Aussagen der Angeklagten. Sie berichtet von einem normalen Arbeitstag. Gäste in der Stube, vier Stammgäste - Freunde des Chefs - im privaten Nebenraum hinter der Küche. Gegen 21.30 Uhr ging der Besitzer, eine Stunde später die vier Stammgäste. Die Bedienung fing gleich an, im Privatraum aufzuräumen.

Nachdem sie die Tische abwischte, Gläser spülte und die Geschirrspülmaschine einschaltete, entleerte sie die Aschenbecher in den Plastikeimer im Nebenraum links hinter der Türe. "Ich hab den Inhalt jedes einzelnen Aschenbechers angeschaut und dann die Reste entleert", erklärt die junge Frau. Ausgebrannte Teelichter warf sie hinterher. Im Eimer, in dem auch Bierdeckel und Zigarettenschachteln entsorgt wurden, habe es nicht gequalmt, als sie gegen 23.30 Uhr ging.

Vom Geschädigten will Richter Weiß wissen, ob es üblich sei, Aschenreste in einen Plastikeimer zu entsorgen. "Nein, beim Wintergarten steht dafür ein Blecheimer." Die Bedienung habe er nicht angewiesen, den Blecheimer zu benutzen. Verteidiger Markus Blay erkundigt sich nach Steckdosen im Raum. "Die sind komplett zerschmort", erklärt der Wirt. Die Elektronik sei mittlerweile über 20 Jahre alt. Seinen Gästen erlaube er, dort etwa ihre Handys aufzuladen. Die Steckdosen seien mit einem Schutzschalter abgesichert. Der Schaden an der Elektronik, den Türen und den Wänden ist mittlerweile behoben und von der Brandversicherung übernommen.

Beobachtung im Nachhinein

Als Zeugen geladen sind die vier Stammgäste. Wer normalerweise die Aschenbecher ausleert, will der Richter wissen. "Die Bedienung." Ob auch mal Gäste Aschenbecher in den Plastikeimer geleert hätten und was sonst so drin gewesen war? "Wie was wo entsorgt wurde, darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht."

Ein Zeuge ist sich sicher, dass Abfall und Aschenreste in den Plastikeimer entsorgt wurden. "Ob auch Bierfilze drin waren, kann ich nicht sagen." Nach dem Vorfall hätte er beobachtet, dass auch andere Gäste den Aschenbecher in den Eimer entleert hätten. Dies bestätigt ein weiterer Stammgast. Allerdings kann er nicht sagen, ob das auch am Vorabend des Brandes so war.

Auch zwei Polizisten sagen aus. Auf die Frage, wo die Hauptbrandstelle war, antwortete einer der Beamten: "Ich bin kein Brandgutachter, aber am stärksten verrußt war es neben der Türe." Dort vermutete er den Brandherd. Vom Kunststoffeimer habe man nichts mehr erkannt. Das bestätigt der zweite Polizist. Er sei später dazu gerufen worden und vernahm die Bedienung. "Es blieb nur die Angeklagte übrig", kommt er zum Schluss.

Hoher Schaden

Staatsanwältin Verena Heining sieht den Tatbestand vollumfänglich bestätigt und fordert eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen á 63 Euro. Zugunsten hält sie der Angeklagten, dass sie bisher nicht strafrechtlich in Erscheinung trat. Allerdings war der Schaden des Feuers erheblich.

Verteidiger Blay plädiert hingegen auf Freispruch. Weil kein Brandgutachten eingeholt wurde und die Beamten nur Mutmaßungen anstellen konnten, wo der Brandherd oder was die Brandursache war. "Der Abfalleimer war frei zugänglich, auch andere Gäste haben dort den Aschenbecher entleert." Blay spricht nochmals die Steckdose im Raum an: "Man kann nicht sicher sagen, warum der Brand ausgebrochen ist."

"Es besteht keinerlei Zweifel: Ursache war, dass etwas im Eimer zu brennen angefangen hat. Vieles spricht dafür, dass es die Reste im Aschenbecher waren", sagt Richter Thomas Weiß. "Allerdings können andere Möglichkeiten einer Brandentstehung nicht ausgeschlossen werden. Es bleiben Zweifel, ob es die Angeklagte war, die den Brand verursacht hat", erklärt Weiß und spricht die junge Frau frei.

Hintergrund:

Einstellung des Verfahrens abgelehnt

Bereits im Oktober 2018 beantragte Verteidiger Markus Blay die Einstellung des Verfahrens. Staatsanwaltschaft und Gerichtsvorsitzende signalisierten ihre Zustimmung. Die Angeklagte jedoch war mit der Einstellung nicht einverstanden.

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