Tirschenreuth
12.07.2019 - 15:50 Uhr

Bruterfolg im Stadtplatz-Café in Tirschenreuth: Ente gut, alles gut

Die Geschichte einer coolen (kalten) Ente klingt wie Fake News ist aber keine Erfindung der Redaktion. Sie brütete gut drei Wochen in einem Blumenkasten mitten auf dem Marktplatz. Gestern wurde die Familie in den Stadtteich umgesiedelt.

Günter und Halka Hühn mit ihrem tierischen Pensionsgast. Bild: tr
Günter und Halka Hühn mit ihrem tierischen Pensionsgast.

Es komme immer wieder einmal vor, erklärt der Tirschenreuther Naturschützer Karl Berr, dass sich Stockenten Blumenkästen als Brutplatz aussuchten. Vor vier Wochen ist eine Stockente in den Blumenkasten vor dem Café Rieß eingezogen, erinnert sich die Besitzerin Halka Hühn. Sie hat ein Nest gebaut, acht Eier gelegt und sechs Küken ausgebrütet. Stockenten sind Wasservögel und ihre Jungen Nestflüchter, die kurz nach dem Schlüpfen ihr nasses Element aufsuchen und zu schwimmen beginnen. Auf einem vielbefahrenen Marktplatz ohne Wasserfläche ist das aber eher schwierig. Für Donnerstagnachmittag war die Umsiedlung ins nasse Element mit menschlicher Hilfe angesetzt. Karl Berr hatte zwei Kartons mit Luftlöchern hergerichtet. In den einen sollte die Mutter verbracht werden, in den anderen die sechs Küken. Die Entenfamilie sollte anschließend im Stadtteich freigelassen werden, damit die Küken in natürlicher Umgebung aufwachsen können. Auch die Oberpfalz-Medien waren eingeladen, die Aktion zu fotografieren und darüber zu berichten. Aber dann kam alles ganz anders. Zehn Minuten vor der vereinbarten Zeit konnten es drei der Küken nicht mehr erwarten, folgten ihrem Instinkt und verließen mit einem beherzten Sprung das Nest in etwa einem Meter Höhe.

Aber sie landeten nicht im Wasser, sondern auf dem Kopfsteinpflaster. Also marschierten sie einfach mal los. Halka Hühn überlegte nicht lange, sammelte die Ausreißer ein und verstaute sie in einer Schachtel. Dazu gesellte sie gleich die drei anderen Küken, die noch im Nest waren. Wo sie schon mal dabei war, nahm sie einen zweiten Karton, in den sie die Mama einsperrte. Zufällig war Oswald Friedrich in der Nähe und sah die Aktion. Per Auto transportierte er die gefiederte Fracht zum Stadtteich am Mühlbühl, öffnete beide Kartons und entließ nach einer kurzen Beruhigungsphase Mutter und Kinder in die Freiheit.

Schnurstracks marschierten sie im Gänsemarsch der lockenden Mutter folgend ins Wasser, schwammen davon und versteckten sich erst einmal unter einer Weide deren Äste bis zur Wasseroberfläche reichen. Jetzt können die jungen Vögel ihre Kindheit und Jugend in artgerechter Umgebung verbringen.

Günter und Halka Hühn erzählen, dass die Ente während der Brutzeit überhaupt keine Scheu gezeigt habe. Manchmal ging sie über die Straße und erfrischte sich im gegenüberliegenden Karpfenbrunnen. Obwohl das Nest direkt zwischen Straße und Tischen für die Cafe-Besucher lag, hätten die meisten Leute nichts von der Existenz der Untermieterin mitbekommen. Halka Hühn hat immer darauf geachtet, dass die Glasschale, die sie ins Nest gestellt hatte, mit frischem Wasser gefüllt war. Zudem hat sie die werdende Mutter regelmäßig mit Brot aus der eigenen Bäckerei versorgt. Der Kindsvater habe sich während der gesamten Zeit nicht sehen lassen und sich nicht um seine Familie gekümmert.

Die stolze Mama mit einem ihrer frisch geschlüpften Jungen. Bild: Halka Hühn/exb
Die stolze Mama mit einem ihrer frisch geschlüpften Jungen.
 
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