22.04.2020 - 19:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bürger kämpfen im Landkreis Tirschenreuth mit Nähmaschinen gegen Pandemie

Ab Montag, 27. April, gilt in Geschäften und im öffentlichen Personennahverkehr in Bayern eine Maskenpflicht. Es gibt im Landkreis viele, die mithelfen, dass bis dahin jeder einen Mund-Nasen-Schutz hat.

Vor dem Tirschenreuther Rathaus bildete sich am Mittwoch eine lange Menschenschlange. Die Bürger standen lange an, um kostenlos zwei Masken pro Haushalt zu erhalten.
von Josef RosnerProfil
Bis Mittwoch, 22. April, 10 Uhr haben 16 ehrenamtliche Näherinnen in Mitterteich 4578 Gesichtsmasken genäht, die hier von Initiatorin Doris Scharnagl-Lindinger (links) und ihrer Tochter Jaqueline Jettke präsentiert werden. Beliefert wurden damit Rettungsdienste, aber auch Privatpersonen. „Und es geht weiter“, kündigte Doris Scharnagl-Lindinger schon mal an.

Auch viele Städte und Gemeinden werden nun aktiv und statten die Bürger mit Masken aus. Die Stadt Bärnau hat bereits in der Karwoche alle Haushalte von den Feuerwehren mit Spuck- und Hustenschutz versorgen lassen. 3000 Stück hat Bürgermeister Alfred Stier dazu von Firmen aus dem Landkreis geordert.

Diesem Beispiel folgen nun auch viele andere Kommunen, so die Stadt Tirschenreuth. Dort lief am Mittwoch die Ausgabe von kostenlosen Masken an. Es bildeten sich am Marktplatz lange Schlangen an der Ausgabenstelle im Rathaus.

Pro Haushalt zwei Masken

In Tirschenreuth sind die Masken ab sofort wochentags von 8 bis 12 und 14 bis 16 Uhr erhältlich. Damit der Mund-Nasen-Schutz nur an Berechtigte geht, müssen die Bürger bei der Abholung Name und Adresse angeben. Die Aktion endet am 30. April.

Auch in Mitterteich gibt es kostenlos "Community Masken". Dort werden sie ab sofort wochentags von 8 bis 12 Uhr im BRK-Haus in der Martin-Zehendner-Straße 8 c ausgegeben. Viele haben selbst zu Stoff und Faden gegriffen, um die Bürger auszustatten. Doris Scharnagl-Lindinger hat die Aktion koordiniert. Sie erzählt, dass sie mit 16 Näherinnen schon 4578 Masken angefertigt habe, Stand Mittwoch um 10 Uhr. Damit bedient wurden zuerst einmal Rotes Kreuz, Feuerwehr, AWO, Diakonie, Lebenshilfe, Seniorenheim, Hospiz und auch etliche private Personen, die schon bislang mehr als vorgeschrieben für den Schutz vor dem Virus tun wollten. Alle Näherinnen arbeiten kostenlos, das Material wird zur Verfügung gestellt. Die Näherinnen haben über WhatsApp-unter dem Namen "Nadel, Faden-Stoff" eine eigene Gruppe gegründet, wo sie sich abstimmen. "Seit 27. März wird genäht, was das Zeug hält", verrät Initiatorin Doris Scharnagl-Lindinger.

BU: Michael Hüßmann, Prokurist der Hamm AG, bei der Übergabe der ersten FFP2-Masken an Bürgermeister Franz Stahl.

Vertrieb über Handel

Waldsassens Bürgermeister Bernd Sommer sieht das Thema differenziert. "Ich halte nichts von Aktionismus und der Verteilung von Einmalmasken", erklärt Sommer. Viele hätten sich bereits selbst Masken genäht oder nähen lassen. "Was nützt es, wenn ich allen Waldsassenern eine gebe und die nur 24 Stunden genutzt werden darf, fragt der Bürgermeister. Sommer befürwortet zudem, dass die Gesichtsmasken auch über den Handel vertrieben werden. Denn der müsse wieder in Schwung kommen. Eine große Verteilaktion werde es in Waldsassen nicht geben, kündigte Sommer an. "Ich kann von heute auf morgen nicht 7000 genähte Masken herbringen." Zudem könne auch ein Tuch oder ein Schal zum Schutz genutzt werden, betont Sommer. Trotzdem rattern derzeit im Städtischen Kinderhaus "Tausendfüßler" die Nähmaschinen, um Masken für die Waldsassener zu fertigen. Diese werden ab Montag, 27. April, in mehreren Geschäften gegen eine geringe Gebühr abgegeben.

Mährings Bürgermeister Josef Schmidkonz berichtet: "Wir haben bereits in der vergangenen Woche an alle Bürger unserer Marktgemeinde durch unsere Gemeindeboten kostenlos Schutzmasken verteilen lassen." Als sich die Maskenpflicht abgezeichnet hat, handelte Schmidkonz. "Wir haben 2000 Masken bestellt und bekommen, rund 1800 sind verteilt, der Rest lagert im Rathaus."

Nicht alle Gemeinden sehen hier Handlungsbedarf. In der Marktgemeinde Konnersreuth ist für die Bevölkerung derzeit nichts vorgesehen. "Wir haben diesen Punkt aber am Mittwoch auf der Tagesordnung unserer Sitzung", sagt Bürgermeister Max Bindl.

Hintergrund:

Bei Masken viele Dinge zu beachten

Es gibt sehr unterschiedliche Formen von Masken. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) unterscheidet im Zusammenhang mit dem Coronavirus zwischen selbst hergestellten „Community-Masken“, medizinischem Mund-Nasen-Schutz (MNS) sowie filtrierenden Halbmasken (FFP2 und FFP 3).

Die als Behelfs-Mund-Nasen-Bedeckung aus handelsüblichen Stoffen hergestellten „Community-Masken“ garantieren zwar keinen Schutz, können aber dazu beitragen, die Geschwindigkeit des Atemstroms oder Tröpfchenauswurfs, zum Beispiel beim Husten, zu reduzieren und so einen Beitrag gegen die weitere Ausbreitung von SARS-CoV-2 leisten. Fest gewebte Stoffe sind besser geeignet als leicht gewebte. Personen, die eine entsprechende Maske tragen, sollten unbedingt eine Reihe von Regeln berücksichtigen:

+ Die Masken sollten nur für den privaten Gebrauch genutzt werden.

+ Auch mit Maske sollte der von der WHO empfohlene Sicherheitsabstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen eingehalten werden.

+ Beim Anziehen ist darauf zu achten, dass die Innenseite nicht kontaminiert wird. Die Hände vorher gründlich mit Seife waschen.

+ Die Maske muss richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Eindringen von Luft an den Seiten zu minimieren.

+ Bei der ersten Verwendung sollte getestet werden, ob die Maske genügend Luft durchlässt, um das Atmen möglichst wenig zu behindern.

+ Eine durchfeuchtete Maske sollte umgehend abgenommen und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Die Außenseite der gebrauchten Maske ist potenziell erregerhaltig. Um eine Kontaminierung der Hände zu verhindern, sollte diese möglichst nicht berührt werden.

+ Nach Absetzen der Maske sollten die Hände unter Einhaltung der allgemeinen Hygieneregeln gründlich gewaschen werden (mindestens 20 bis 30 Sekunden mit Seife).

+ Die Maske sollte nach dem Abnehmen in einem Beutel luftdicht verschlossen aufbewahrt oder sofort gewaschen werden. Die Maske darf im Beutel grundsätzlich nur kurz aufbewahrt werden, um eine Schimmelbildung zu vermeiden.

+ Masken sollten nach einmaliger Nutzung idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad gewaschen und anschließend vollständig getrocknet werden.

Bunte Gesichtsmasken in allen Variationen wurden erstellt, die durch regelmäßiges Waschen öfters verwendet werden können.
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