Tirschenreuth
21.08.2019 - 13:56 Uhr

Die Chancen nutzen

Baukräne gehören seit Jahren zum Stadtbild. Und das wird weiter so bleiben. „Die Projekte werden uns nicht ausgehen“, zieht Franz Stahl eine Zwischenbilanz. Dabei bleiben Bildung und der soziale Bereich im Fokus der Planer.

Die Lebensqualität der Kreisstadt hat Franz Stahl seit Jahrzehnten im Auge. Das Projekt "Zukunft Stadtgrün" ist ein weiterer Beitrag. Mitte Oktober erfolgt der Spatenstich. Beginnen sollen die Maßnahmen im nördlichen Bereich. Bild: ws
Die Lebensqualität der Kreisstadt hat Franz Stahl seit Jahrzehnten im Auge. Das Projekt "Zukunft Stadtgrün" ist ein weiterer Beitrag. Mitte Oktober erfolgt der Spatenstich. Beginnen sollen die Maßnahmen im nördlichen Bereich.

Auf den Weg zu Einweihungsfeiern kann sich das Stadtoberhaupt auch in Zukunft freuen. Die Dynamik der Veränderungen wird dabei nicht nur von den städtischen Projekten bestimmt. Auch private Investoren lassen sich vom Schwung mitnehmen - und helfen dem Bürgermeister, die Attraktivität des Ortes zu steigern.

Vor "schwarzer Null"

"Mehr Lebensqualität in Tirschenreuth" bleibt die Devise von Franz Stahl. Und wer glaubt, dass die Maxime tiefe Löcher in die Stadtkasse reißt, der irrt. Zum Jahresende sollen es 6,6 Millionen Euro Schulden und 1,9 Millionen Euro Rücklagen sein. Doch dabei muss es nicht bleiben, rechnet der Bürgermeister mit einem unerwarteten Finanzposten. Näher eingehen kann er darauf noch nicht. "Klappt alles, dann könnte sogar eine 'schwarze Null' herauskommen."

Stahl: Spielraum nutzen

Auch ohne den "Geldsegen" ist die Stadt finanziell ordentlich aufgestellt. Immerhin wurden in den Jahren unter der Ägide von Franz Stahl (Wahl im März 2002, Anm. d. Red.) rund 130 Millionen Euro investiert und aktuell sogar die Schulden um vier Millionen Euro gesenkt. Gut rechnen will Stahl auch in den nächsten Jahren, angesichts der vielen laufenden Projekte und Pläne. "Wir müssen die Chancen nutzen und machen was geht", beschreibt er die Gangart. Dabei würden eben nur die finanziellen Spielräume genutzt, verspricht Stahl den Bogen nicht zu überspannen.

Bei der Gestaltung der "positiven Zukunft" hat Franz Stahl mit der Einweihung des neuen Feuerwehrhauses schon einen wichtigen Termin wahrnehmen dürfen. Ein weiterer steht Anfang 2020 im Kalender. Zwar wird der Umbau der "Fronfeste" (ehemalige Polizei) noch heuer fertig, doch folgt die Einweihung erst am 30. Januar 2020. Dann nämlich hat auch Bayerns Minister für Wissenschaft und Kunst, Bernd Sibler, Zeit. Mit der Studienstätte der OTH Regensburg (Soziale Arbeit) und der Hochschule Landshut (Wirtschaftsingenieur der Logistik) hat Tirschenreuth als "Wissenschaftsstandort" zwei Hochkaräter im Boot.

Mit dem Projekt "Zukunft Stadtgrün" wird die Fläche am "Stadtteich Nord/West" eine Aufwertung erfahren. So etwa wird der Mühlbach wieder deutlich abgetrennt. Der Wasserstand im Teich soll dann durch zwei Wehranlagen geregelt werden. Spatenstich für das Projekt ist am 17.Oktober. Bild: ws
Mit dem Projekt "Zukunft Stadtgrün" wird die Fläche am "Stadtteich Nord/West" eine Aufwertung erfahren. So etwa wird der Mühlbach wieder deutlich abgetrennt. Der Wasserstand im Teich soll dann durch zwei Wehranlagen geregelt werden. Spatenstich für das Projekt ist am 17.Oktober.

Historie im rechten Licht

Stolz ist Stahl aber auch, dass mit der Maßnahme ein bedeutendes historisches Gebäude ins rechte Licht gerückt wird. Augenfällig ist dabei das Untergeschoss der Fronfeste mit seinen Gewölben sowie dem Fundament des sechseckigen Turms. Bis heute haben die Historiker noch keine Erklärung zum Turm. Zum Abschluss der Sanierungsmaßnahme rechnet Stahl mit 5,8 Millionen Euro an Kosten, bei einer Förderung von 3,4 Millionen Euro. "Das ist ein markanter Punkt der Stadtentwicklung", begründet Stahl die Ausgaben. Besonders freut ihn, dass hier die Verbindung von historischem Gebäude und moderner Nutzung möglich ist.

Nach einer kurzen Pause geht der Anbau am Rathaus seinem Ende entgegen. Die Fertigstellung soll im Herbst erfolgen. Bild: ws
Nach einer kurzen Pause geht der Anbau am Rathaus seinem Ende entgegen. Die Fertigstellung soll im Herbst erfolgen.

Falken bremsen Aufzug

Eher als "Neu an Alt" stellt sich der Anbau am Rathaus dar. Ein brütendes Turmfalkenpärchen am Rathaus hat den Bau im Sommer etwas gebremst, doch soll die Fertigstellung noch heuer erfolgen, Gesamtkosten 1,5 Millionen Euro. "Wir haben Rücksicht genommen", erläutert Stahl, doch die Maßnahme mit Aufzug, Toiletten und Fluchttreppe liege im Zeitplan. Als nächster Schritt des Rathausumbaus werde die Sanierung des großen Saals im zweiten Stock folgen. Später soll der Saal den passenden Rahmen für die Trauungen bieten. Zudem könne der Stadtrat den Raum für seine Treffen nutzen, denn der bestehende Sitzungssaal wird nach dem zweiten Stock als nächstes umgestaltet. Dort entstehen dann ein Besprechungszimmer und eine Teeküche. Ein wichtiger Termin ist für Franz Stahl der 17. Oktober. Im Gelände am "Stadtteich Nord/West" erfolgt dann der Spatenstich für das Projekt "Zukunft Stadtgrün". Die Aufwertung des Geländes am Teich bis vor zum Platz La Ville du Bois soll heuer im nördlichen Teil beginnen. Dazu gehört die Vergrößerung der Teichfläche, aber auch eine Abtrennung des Mühlbaches durch einen Damm. Durch zwei Wehranlagen (Zu- und Ablauf) sind Bach und Teich getrennt. Die Technik lässt laut Stahl auch eine Regulierung des Wasserstands im Teich zu. Im Winter könnte so eine Möglichkeit zum Eislauf geschaffen werden.

Rund um den Teich sollen Spielplätze neu angelegt werden sowie im unteren Bereich ein Platz mit Kaimauer und Pergola entstehen. Später folge dann der Platz La Ville du Bois mit Treppenanlage zum Bach und einem kleinen Atrium. "Wir wollen die Qualität der Grünbereiche im Ortskern weiter verbessern", verdeutlicht Stahl die Bemühungen. Insgesamt wird das Projekt vier Millionen Euro kosten, 2,4 Millionen gibt es als Förderung.

Antrag für Kindergarten

Zu den "Startern" in diesem Jahr gehört das "Rathaus II" mit dem Abbruch der Bauten hinter dem Ruffing-Haus. Der Bauantrag liegt aktuell im Landratsamt. Die Fertigstellung erwartet Stahl Anfang 2023. Aktuell wird mit Kosten von 13,5 Millionen Euro kalkuliert. Am heutigen Donnerstag wird dem Stadtrat der Bauantrag für den neuen Kindergarten in der Altstadt vorgelegt. Eine Bodenuntersuchung hätte keine Probleme ergeben. Mit Beginn des Kindergartenjahrs im September 2020 muss der Bau fertig sein. Ins nächste Jahr wird der Sanierungsstart der Mittelschule verschoben. "Die Vergabevorschriften sind so kompliziert", erklärt Stahl die Verschiebung. Zunächst soll dann das "Rote Schulhaus" abgebrochen und dort eine neue Turnhalle gebaut werden. "Das Vorhaben wird uns noch Jahre beschäftigen", weiß Stahl, sieht aber dieses Engagement im Bereich Bildung als unerlässlich.

Konzeptentwurf für Kino

In der langen Liste der nächsten Vorhaben steht unter anderem der "Schels-Turm". Hier würden jetzt die Planungsleistungen ausgeschrieben. Bis zum Jahresende will die Stadt die Suche nach einem Büro beendet haben. Einen Konzeptentwurf für das alte "Musl-Kino" will Stahl dem Stadtrat in der Oktober-Sitzung vorlegen. Neben Theater gehört hier die Bierkultur zu den Ideen.

Keine zweite Rampe

Abstand genommen hätte die Stadt von der Rampenanlage am Ende der Lehnerstraße, nachdem hier an der Fronfeste eine entsprechende Verbindung entsteht. Die Förderung, so freut sich der Bürgermeister, sei aber nicht gestrichen worden. Die Mittel würden nun in einer Verbesserung des Gehsteigs investiert.

"Es bleibt unwahrscheinlich spannend", blickt Stahl auf die Zukunft Tirschenreuths, die vor allem mit Verbesserungen im sozialen Bereich verbunden sein soll. "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen", überschreibt Stahl die gemeinsamen Bemühungen - und die Ideen dazu gehen ihm nicht aus.

Kommentar:

Es bleibt spannend

Es gibt "Präsidenten", bei denen man das Ende der Amtszeit nicht erwarten kann, andere sind an der Spitze ihres kleineren Volkes nicht wegzudenken. Franz Stahl hat in seinen zurückliegenden Jahren vieles bewegt, auch die Gemüter. Dazu hat ihm das Glück eine respektable Wirtschaftskraft der Region zur Seite gestellt. Der 58-Jährige sitzt gut im Bürgermeistersessel der Kreisstadt. Und ob er selbigen im nächsten Jahr für die CSU verteidigen darf, lässt Stahl im Gespräch offen.
Bei der Nominierung Anfang Oktober soll seine Partei entscheiden. Wie das ausgeht wird wohl keine Überraschung sein. Für Spannung sorgt gut ein halbes Jahr vor der Wahl eher die Frage, ob es Gegenkandidaten gibt.

Von Werner Schirmer

 
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:
Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.