23.05.2019 - 11:27 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Comeback mit "Multikulti"-Truppe

Noch vor einem Jahr stand der FSV Tirschenreuth vor dem Abgrund, jetzt hat das neu zusammengesetzte Team die A-Klassen-Meisterschaft gefeiert. Schlüssel zum Erfolg sind Spieler aus sechs Nationen.

"Totgesagte leben länger": Bereits einige Wochen vor Saisonschluss brachte der FSV Tirschenreuth souverän und ungeschlagen die Meisterschaft in der A-Klasse unter Dach und Fach. Der Erfolg wurde natürlich gebührend gefeiert.
von Konrad RosnerProfil

Zappenduster war's für den FSV am Ende der Spielzeit 2017/2018. Die Spielgemeinschaft mit der SG Großkonreuth wurde aufgelöst und der Verein hatte kaum noch Aktive. Die Verantwortlichen waren vor rund einem Jahr drauf und dran, die Mannschaft vom Spielbetrieb abzumelden.

Dann aber kam die Wende zum Guten: Der gebürtige Regensburger Jürgen Rieger, der seit kurzem in Tirschenreuth lebt, hörte von dem sportlichen Desaster und hatte eine glorreiche Idee. Zwar hatte er vorher nie etwas mit dem FSV zu tun, dennoch wollte er den Verein, der im kommenden Jahr 70 Jahre alt wird, nicht sterben sehen. Rieger entdeckte Asylbewerber, die auf einem „Acker“ in Tirschenreuth mit großer Begeisterung Fußball spielten. Er sprach sie einfach an, ob sie nicht Interesse hätten, in einem Verein zu kicken. Zudem wurde zu dieser Zeit der neue Multifunktionsplatz der Stadt Tirschenreuth beim Freibad fertiggestellt. Rieger lud die jungen Männer einfach ein, zu diesen Platz kommen und zu trainieren.

Gemeinsam mit FSV-Spielertrainer Tobias Stilp, den er mittlerweile kennengelernt hatte, veranstaltete er eine Art „Casting“, um gute Fußballer für den FSV zu gewinnen. Anfangs kamen zu den Trainingseinheiten neun Kicker, aber es wurden immer mehr - am Ende waren es 25, zwischen 17 und 30 Jahre alt. Sie alle kicken nun seit einem Jahr beim FSV Tirschenreuth. Die Jungs kommen aus Syrien, aus dem Irak, aus Eritrea und Äthiopien, aber auch aus Tschechien und Deutschland. Rieger, der beim FSV spontan als Spielleiter anheuerte, ist für die Spieler wie ein Vater, dem alle mit sehr großem Respekt begegnen. Wenn er etwas sagt, lauschen alle, auch wenn vorher wild geschnattert wird. Um eine Einheit zu werden, legt Rieger großen Wert darauf, dass beim FSV deutsch gesprochen wird.

Spielertrainer Tobias Stilp, ein Urgestein des FSV, formte die bunt zusammengewürfelte Truppe zu einer Mannschaft. Was auf Anhieb klappte, denn die Saison verlief sensationell gut. Was die Verantwortlichen beim FSV nie für möglich gehalten hatten, wurde wahr, die Mannschaft wuchs zu einem Team zusammen und beherrschte die A-Klasse fast nach Belieben. Bis auf ein Unentschieden fuhr der FSV ausnahmslos Siege ein und gewann mehr als souverän die Meisterschaft.

In der Multikulti-Truppe herrscht Teamgeist - obwohl die Spieler aus sechs Nationen kommen. Dafür sind vor allem Rieger und Stilp verantwortlich. Sollte doch einmal einer etwas über die Stränge schlagen - Jürgen Rieger kennt seinen „Pappenheimer“ - gibt's einen Pfiff oder auch mal ein lautes Wort, und schon funktionieren Mannschaft und Kameradschaft wieder.

Der Zulauf beim FSV Tirschenreuth ist enorm. Sogar so groß, dass für die neue Saison sogar eine zweite Mannschaft für den Spielbetrieb gemeldet werden kann. Und alle Kicker, die schon da sind, wollen beim FSV bleiben. Torwart Tomas Buric übernimmt ab der neuen Saison das Traineramt. Aber er weiß Jürgen Rieger weiterhin im Hintergrund. Der "Vater" des Teams ist stets für seine Jungs da und unterstützt Buric mit Rat und Tat.

Am letzten Spieltag gelang der „Multikulti-Truppe“ des FSV Tirschenreuth ein klarer 5:2-Erfolg beim ASV Waldsassen II. Die „Perlen“ des FSV treiben das Spiel an.
Informationen:

Arbeit gesucht

Fußball ist für die Jungs aus verschiedenen Nationen eine wichtige Hilfe zur Integration. Für FSV-Spielleiter Jürgen Rieger wäre es aber noch wichtiger, wenn möglichst viele einen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle bekommen würden. Jeder der jungen Männer darf laut Rieger arbeiten, er und auch die Spieler würden sich über Angebote von Firmen sehr freuen. (kro)

Die Macher beim FSV Tirschenreuth, von links Spielleiter Jürgen Rieger, Spielertrainer Tobias Stilp und der Trainer für die neue Saison, Tomas Buric.
Spieler aus sechs Nationen kicken für den FSV Tirschenreuth.
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