28.07.2021 - 13:51 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona bleibt für Sibyllenbad eine dominante Größe

Die Pandemie beeinflusst weiterhin die Abläufe im Sibyllenbad. Dies verdeutlichten die Zahlen, die Werkleiter Gerhard Geiger im Halbjahresbericht nannte. Die weitere Entwicklung lässt aber einen Hoffnungsschimmer aufblitzen.

Die Gäste seien dankbar dafür, dass das Kurmittelhaus Sibyllenbad wieder geöffnet ist, hieß es am Mittwoch bei der Versammlung des Zweckverbands.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Im Landratsamt tagten am Mittwochvormittag gemeinsam der vorberatende Werkausschuss und die Verbandsversammlung des Zweckverbandes Sibyllenbad. Bei dem Treffen unter Leitung des Verbandsvorsitzenden, Bezirkstagspräsident Franz Löffler, wurde einstimmig der Haushalt 2021 für den Zweckverband und für das Kurmittelhaus verabschiedet. Der operative Verlust ist vergleichsweise geringer als bei früheren Planungen. Die Verbandsumlage beträgt 3,9 Millionen Euro.

In seinem Bericht über die erste Hälfte des laufenden Haushaltsjahres berichtete Werkleiter Gerhard Geiger über die wesentlichen Daten des Kurmittelhauses. Die Besucherzahlen seien mit 11.707 um 83 Prozent im Vorjahresvergleich zurückgegangen: Bis zum Ausbruch der Pandemie und der Schließung des Kurmittelhauses am 15. März 2020 waren noch rund 43.000 Besucher gezählt worden. Bei den Anwendungen in Medizin und Wellness wurde ein Rückgang um 50 Prozent auf 8164 Gäste verzeichnet.

Geiger verwies sehr deutlich darauf, dass die Vergleiche aber aufgrund unterschiedlicher staatlicher Vorgaben und Öffnungsperioden nur begrenzt aussagekräftig seien. Betriebswirtschaftlich sei das Kurmittelhaus mit einem operativen Betriebsverlust in Höhe von insgesamt 559.000 Euro im ersten Halbjahr (62 Prozent besser als 2020) gut weggekommen. Aber auch hier seien Einmaleffekte zu berücksichtigen. Diese ließen sich im zweiten Halbjahr nicht mehr abbilden.

Kurzarbeitergeld mildert Kosten

Das seit 2020 auch für und in kommunalen Unternehmen gewährte Kurzarbeitergeld habe dazu beigetragen, alle 83 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Bad Neualbenreuth erhalten zu können. Bei den Personalkosten, der größte Posten bei den Ausgaben, sei somit eine Abmilderung der Belastung verzeichnet worden. Weitere Unterstützungszahlungen von Bund oder Freistaat seien 2021 aber nicht erkennbar, so der 58-jährige Chef des Kurbades.

Erfreut zeigte sich der Werkleiter, dass gesetzliche Kuren nunmehr wieder als Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenkassen den Versicherten zugesichert seien. "Das wird sich mittelfristig auch bei uns positiv auswirken", war Geiger überzeugt. Man werde aber zunächst weiter mit einer überschaubaren Anzahl an Kuren leben müssen. Für August und September sei das Sibyllenbad mit Kurleistungen bereits sehr gut gebucht, so der Werkleiter, der von einem "Schritt in die richtige Richtung" sprach.

Löffler lobt Teamleistung

Trotz diverser Einschränkungen habe Sibyllenbad aber auch im laufenden Jahr neue Schwerpunkte zur Attraktivitätssteigerung setzen können. Das Thema „Waldgesundheit“ sei gemeinsam mit der Gästeinformation der Marktgemeinde neu in die Präventionsangebote aufgenommen worden. Und auch der seit Ostern betriebsbereite Motorikpark im Kurpark würde von Gästen und Landkreisbürgern aller Altersklassen sehr gerne angenommen. Mit dem Thema „Long-Covid“ könnten vermutlich auch Angebote des Sibyllenbades neue Patientenkreise erschließen, die ortsgebundenen Heilmittel Radon und Kohlensäure und diverse Entspannungsprogramme sah Geiger hier als gute Voraussetzung.

Verbandsvorsitzender Löffler sprach seine Anerkennung ob der Teamleistung in schwierigen Zeiten aus. "Wir wollen den Besuchern ein hohes Maß an Sicherheit geben", so Löffler, der auf die Hygienekonzepte verwies. Dies geschehe im Hinblick auf das Bestreben der Politik, den Besuchern wieder möglichst viel „frühere Normalität“ zurückzugeben. "Ich habe den Eindruck, die Leute sind froh, wenn sie wieder kommen können." Der Zweckverband habe die Aufgabe, dieses Vertrauen auch zu rechtfertigen.

Personal bleibt "bei der Stange"

Zur betriebswirtschaftlichen Seite verwies Löffler darauf, dass der Zweckverband gerade noch rechtzeitig vor der Schließung vergangenes Jahr eine Betriebsausfallversicherung abgeschlossen hat. Diese beschere dem Zweckverband nun einen "nicht unerheblichen Betrag", so Löffler – "über 200.000 Euro". Der Zweckverband sei nach besten Kräften bemüht, der Situation Herr zu werden, erklärte Löffler und freute sich, dass das Personal sprichwörtlich "bei der Stange" geblieben ist. Denn dies sei nicht in allen Einrichtungen so."

"Wir sind wieder angelaufen", ergänzte Landrat Roland Grillmeier im Hinblick auf den Betrieb im Kurmittelhaus und teilte seinen Eindruck, wonach die Leute froh seien über die Wiedereröffnung. Der Landkreischef gratulierte zum neuen Motorikpark: "Ich habe das mal durchprobiert, das ist gar nicht so einfach", verriet Grillmeier. "Die Pandemie hat uns gefordert und uns neu aufstellen lassen für die Jahre danach." Wirte und Vermieter von Gästebetten vertrauten auf Sibyllenbad, so der Landrat und meinte, es würden wohl auch weitere Investitionen nötig sein. "Hoffen wir, dass wir weiterhin ohne Schließungen auskommen", sagte Grillmeier und appellierte zur Zuversicht.

Dynamik durch Unesco-Titel

"Wir vertrauen auf Sibyllenbad", erklärte Bürgermeister Klaus Meyer und fügte hinzu: "Denn ohne sind wir nichts oder nur ganz wenig." Die Gäste seien dankbar für die Öffnung des Kurmittelhauses und erwarteten andererseits Sicherheit. Hier sei Bad Neualbenreuth als kleine Gemeinde bestrebt, alles dafür Nötige zu leisten. Landrat Roland Grillmeier ging auf die Auszeichnung von Franzensbad, Marienbad und Karlsbad mit dem Unesco-Welterbetitel ein. "Ein bisserl davon fällt auch auf uns ab", sagte der Landrat und erzählte, dass er seinem Amtskollegen in Karlsbad bereits gratuliert hat. Die Vergabe des Titels werde auch auch auf bayerischer Seite eine gewisse Dynamik auslösen. Dabei sprach Grillmeier den Zwölf-Punkte an, der eine engere Zusammenarbeit Bayerns und Tschechiens innerhalb Europas anstrebt. Klaus Meyer berichtete von seinen Kontakten zu den Verantwortlichen in Franzensbad und dass er ebenfalls dem Bürgermeister seine Glückwünsche ausgesprochen habe. Die Bereitschaft zu einer verstärkten Zusammenarbeit etwa im Marketing sei in Franzensbad durchaus vorhanden.

Krankenkassen zahlen wieder Badekur: Sibyllenbad in den Startlöchern

Bad Neualbenreuth
Hintergrund:

Haushalt 2021: Operativer Verlust geringer als vorgesehen

Einstimmig fiel der Beschluss über den Haushalts- und Stellenplan für 2021. Werkleiter Gerhard Geiger erläuterte zuvor die Einzelheiten der Zahlenwerke für das Kurmittelhaus und den Zweckverband Sibyllenbad.

  • Der operative Verlust aus der Betriebstätigkeit wird für 2021 mit 2.431.300 Euro geplant. Im Vorjahr waren noch 2.991.900 Euro vorgesehen. Die Verbandsumlage aus dem Erfolgs- und Vermögensplan beträgt 3.972.600 Euro. Mit 70 Prozent trägt der Bezirk Oberpfalz satzungsgemäß die Hauptlast der Kosten.
  • Geiger sprach von drei Größen, die bei den Planungen zu berücksichtigen waren – Realismus, Optimismus und Unsicherheit ob der weiteren Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die betrieblichen Abläufe 2021. Die Pläne seien somit noch immer risikobehaftet.
  • Angesichts der auch für die Verbandsmitglieder unsicheren eigenen Haushalte sei der Entwurf auch an der langfristigen Finanzplanung orientiert, so Geiger: „Positive Planabweichungen in den vergangenen Jahren ermöglichen es nun, auch Rücklagen einzubringen und die Umlagebelastung für den Bezirk, den Landkreis und die beteiligten Städte und Gemeinden in bekannten Grenzen zu belassen."

"Ich habe das mal durchprobiert, das ist gar nicht so einfach."

Landrat Roland Grillmeier über die Stationen des Motorikparks

 

 

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