14.01.2021 - 18:03 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona-Lage: Falscher Fingerzeig nach Tschechien

Die Corona-Neuinfektionen im Landkreis Tirschenreuth bleiben weiterhin hoch. Besonders betroffen ist seit einigen Wochen Waldsassen. Was sind die Gründe?

Das Landratsamt Tirschenreuth veröffentlichte wöchentlich aufsummierte Zahlen der Corona-Infektionen pro Gemeinde.
von Martin Maier Kontakt Profil

„Die Corona-Lage ist weiterhin ernst, eine merkliche Entspannung ist bisher nicht eingetreten“, schätzt das Gesundheitsamt die momentanen Situation im Landkreis Tirschenreuth ein. Klare Corona-Hotspots könne die Behörde momentan nicht erkennen, auch wenn in Waldsassen seit einigen Wochen die Zahlen am deutlichsten steigen. Dort gab es in den vergangenen sieben Tagen 39 Neuinfektionen, das ist über ein Fünftel der neuen Fälle (176). In sozialen Medien wird immer wieder gemutmaßt, dass dies mit der Nähe zu Tschechien zu tun hat. Schließlich sind im Kreis Cheb/Eger die Coronazahlen seit einiger Zeit sehr hoch. Dort lag die 7-Tage-Inzidenz laut tschechischem Gesundheitsministerium am Donnerstag bei 907.

Mehrere Familien betroffen

Das Gesundheitsamt Tirschenreuth hat daher die Zahlen der Stadt Waldsassen noch einmal genauer unter die Lupe genommen. Es hat die Fälle und die Infektionsketten der vergangenen Wochen genauer untersucht. Ein Zusammenhang mit den hohen Zahlen aus Tschechien konnte die Behörde aber nicht finden. Aufgrund der Angaben der positiv getesteten Personen – auf die die Behörde vertrauen müsse – und der eigenen Ermittlungen bestehe bis auf Einzelfälle keine nachweisbare Infektionen, die auf Kontakte zu tschechischen Bürgern bzw. Grenzgängern zurückzuführen seien. „Die vorhandenen Infektionsketten beziehen sich aktuell überwiegend auf mehrere Familien in Waldsassen, in denen sich gleich mehrere Personen angesteckt haben“, so das Gesundheitsamt.

Landrat Roland Grillmeier verwehrt sich gegen Vorwürfe Richtungen Tschechien: „Was ich nicht ganz nachvollziehen kann, sind Kritik am Grenzverkehr und unsachliche Diskussionen gerade in einigen Netzwerken.“ Zwar gebe es im Nachbarstaat momentan sehr viele Corona-Fälle, „aber wir leben zusammen in einer Region, und komplett geschlossene Grenzen sind nicht mehr vorstellbar“. Die tschechischen Pendler und Betriebe in der Region würden sich äußerst kooperativ zeigen, viele hätten sich auch in den vergangenen Wochen freiwillig testen lassen. Zudem sei der normale Grenzverkehr mehr oder weniger weggefallen.

Viele Tests im Landkreis

„Wir sollten keine Ausreden für hohe Fallzahlen in manchen Orten suchen, sondern einfach Regeln mit wenig Kontakten beachten. Nur dann gelingt es, die Situation beherrschbar zu halten, bis die Impfungen zu mehr Normalität beitragen“, appelliert Grillmeier. Daher werde im Landkreis auch künftig weiter mehr getestet, als dies in vielen anderen Regionen momentan passiere. In den beiden Testzentren würden momentan durchschnittlich 800 Personen täglich getestet. Die Bevölkerung nehme dieses Angebot sehr gut an.

Die geplante Wiedereinführung der Testpflicht für tschechische Pendler halte er aber ausdrücklich für hilfreich. Wann sie in Kraft tritt, steht nach Auskunft des Landratsamts noch nicht fest. Dafür fehle in Bayern noch die nötige Rechtsgrundlage.

Mit Blick auf die Tests im Landkreis hat Pressesprecher Wolfgang Fenzl auch einige Zahlen parat: Das Zentrum Tirschenreuth wurde Anfang September wieder eröffnet und das Zentrum Waldsassen stand ab 28. September für Tests zur Verfügung. Seitdem wurden rund 50.000 Tests an beiden Orten durchgeführt. Etwa die Hälfte entfiel dabei auf tschechische Grenzgänger. „Von den rund 2.500 tschechischen Arbeitnehmern in unserem Landkreis wurden ca. 400 positiv getestet“, schreibt Pressesprecher Wolfgang Fenzl.

Altenheim Waldershof: Neue Fälle

Dadurch habe man – bis auf Einzelfälle – nachweisbare Folgeinfektionen in den Firmen vermeiden können. Ob es außerhalb der Testpflicht wegen einer möglichen „Dunkelziffer“ und der hohen Inzidenzrate in Tschechien zu Ansteckungen in unserem Landkreis gekommen ist, sei anhand der vorliegenden Angaben und Unterlagen nicht nachvollziehbar.

Die Lage in den Altenheimen schätzt das Gesundheitsamt als „stabil“ ein. Nur im Senioren-Service-Haus Waldershof gebe es aktuelle neue Corona-Fälle. Hier seien die notwendigen Maßnahmen von der Einrichtung in Absprache mit der Behörde ergriffen worden.

Das Landratsamt hat am Donnerstag (12.30 Uhr) insgesamt 34 Corona-Neuinfizierte für den Landkreis gemeldet. Davon waren 13 Personen bereits unter Quarantäne. Die Gesamtzahl der positiv Getesteten lag damit bei 2922. Außerdem gab es zwei Todesfälle zu beklagen. Beide Personen, deren Alter die Behörde mit über 80 angab, hatten Vorerkrankungen. Damit steigt die Zahl der Corona-Toten auf 187. Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner gab das Robert-Koch-Institut mit 229 an.

Bei den wöchentlich aufsummierten Zahlen der Covid-19-Infektionen in den 26 Gemeinden stechen neben Waldsassen noch Waldershof (22), Plößberg (13), Bärnau (12) und die relativ kleine Gemeinde Kulmain (9) negativ heraus. In drei Kommunen wurde in der vergangenen Woche kein positiver Coronatest verzeichnet: Brand, Falkenberg und Krummennaab.

Die Polizei hat den Grenzverkehr bei Waldsassen genau im Blick

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