01.02.2021 - 13:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Corona zum Trotz: Schaufenster-Shopping auch in Tirschenreuth

Einige Tirschenreuther Läden machen es schon: Schaufenster-Shopping soll den Kunden zeigen, dass der Einzelhandel mit Nonfood wieder geöffnet hat. Lisa Schröpf ist begeistert, wünscht sich aber noch mehr Mitstreiter unter den Kollegen.

von Ulla Britta BaumerProfil

Dass sich Nicole Punzmann von der Gärtnerei Schröpf mit einem Kunden per Handy über Blumen unterhält, während dieser draußen auf Augenhöhe mit ihr vor dem Schaufenster der Gärtnerei steht, hätte sich die junge Floristin noch vor einem Jahr nicht im Traum vorstellen können. Corona verändert alles. "Die Kundin hat sich für eine Pflanze interessiert und wollte Pflegetipps", berichtet Nicole Punzmann. Täglich, bestätigen sie und ihre Mutter, Lisa Schröpf, kämen Leute vorbei, um sich von draußen übers Fenster etwas auszusuchen.

Es gibt mehr zum Schauen

Das Interesse an der Fensterfront der Gärtnerei Schröpf kommt nicht von ungefähr. Die Floristinnen haben die Glasfront im Innenraum attraktiv hergerichtet und mehr Ware als üblich reingestellt. "Wir haben eine zweite, erhöhte Tischfront eingebaut, damit es mehr zum Schauen gibt", erklärt Lisa Schröpf.

Der Idee zum "Schaufenster-Shopping" wie Lisa Schröpf und Nicole Punzmann die neue Art des Einkaufs nennen, ist ein wenig erfreulicher Umstand vorausgegangen: Gähnende Leere auf den Marktplätzen, in den Schaufenstern dümpeln ein paar Ladenhüter traurig vor sich hin. So schaut es momentan in nahezu allen Innenstädten aus. Durchaus gewollt, der Lockdown verbietet das fröhliche Bummeln durch die Ladenmeilen. Nur blutet dem Einzelhandel deshalb längst nicht mehr nur das Herz.

Langsam geht den Ladeninhabern die (finanzielle) Luft aus. Ministerpräsident Markus Söder hatte trotz der Schwere der Pandemie ein Einsehen und erlaubt wieder den Verkauf von Nonfood, allerdings nur auf Bestellung. "Click and Collect" heißt das heute. "Das ist schon ok. Aber unsere älteren Kunden wissen nicht mal, was das heißt", sagt die Gärtnereichefin Lisa Schröpf. Beklagen will sie sich gewiss nicht darüber, denn seit es "Click and Collect" gibt, kann auch sie wieder Blumen verkaufen. Sie denkt aber auch an die Senioren, die das technisch nicht können. Einkaufen, sagt sie, sei nun einmal verbunden mit anschauen, anfassen, auswählen.

Täglich neue Kollektionen

Für Lisa Schröpf und ihre Tochter Nicole war's geradezu eine Pflicht, Abhilfe zu schaffen, damit jeder wieder die Chance hat zum Einkauf. Außer "Click and Collect" haben ihre Kunden die Möglichkeit, sich live vor Ort etwas auszusuchen und dann per Telefon oder E-Mail zu bestellen. Obwohl das Geschäft geschlossen sein muss, sind Lisa und Nicole täglich im Laden. Neben Aufträgen für Hochzeit, Taufe oder Beerdigung stecken sie Blumensträuße, arrangieren neue Kollektionen, gestalten Grünpflanzen zu schönen Geschenkideen. Alles fürs Schaufenster. Mit ihrer Idee des "kontaktlosen Ladens" von außen haben sie viel Erfolg. Lisa Schröpf erzählt als Beispiele von einer breiten Palette Interessierter, darunter wie angesprochen ältere Kunden. Aber auch Leute, die eine kleine Gabe für einen Kollegen zum Geburtstag holen, Kunden, die sich selbst eine Freude machen wollen und Friedhofsgänger schauen ins Schaufenster. Die Fachfrau für Blumengrüße erinnert zudem an die "Herren der Schöpfung", die sich ohne "Sichtkontakt" zur Ware schwer tun werden mit den bald anstehenden Valentinstagsgeschenk.

Kontaktlose Übergabe

Lisa Schröpf und Nicole Punzmann haben derart viel Freude mit "Schaufenster-Shopping", dass sie ihre Kollegen in der Stadt herzlich dazu einladen wollen, es ihnen gleich zu tun. "Das macht Laune und bringt Erfolg. Einige machen es ja schon", sagt Lisa Schröpf. Wichtig sei es, die Ware ständig zu aktualisieren und attraktiv zu präsentieren. "Was fürs Auge schaffen", rät sie, mache Laune zum Einkaufen. Einige Mitstreiter aus dem Einzelhandel habe sie bereits begeistern können. "Aber es können gern mehr werden." Fürs kontaktlose Abholen der Ware hat Lisa Schröpf hinter der Gärtnerei in einem kleinen Verkaufsraum eine Glasschiebetür neu installiert, die tagsüber offen steht. So können alle ihre Blumen, schön verpackt und mit einer Rechnung zum Überweisen versehen, abholen. Der Rest läuft auf Vertrauensbasis. Seit es bei den Schröpfs "Schaufenster-Shopping" gibt, steht das Telefon der Gärtnerei nicht mehr still. Die Floristinnen freut's, denn auf eine derart große Resonanz haben sie nicht einmal gehofft.

In Weiden wird Click&Collect schon länger angeboten

Weiden in der Oberpfalz
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