24.09.2020 - 18:52 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Coronafall in Zoiglstube: Wirt fällt aus allen Wolken

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Bei Bernd Gleißner läuft am Donnerstag das Telefon heiß. In seiner Zoiglstube soll ein Gast mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein. Er weiß von nichts. Eine Spurensuche beginnt.

Bei Bernd Gleißner vom "Hammerer Zoigl" in Tirschenreuth klingelt am Donnerstag ständig das Telefon. Seine Gäste haben Angst, sich in seiner Zoiglstube mit dem Coronavirus anzustecken. Dabei gibt es für ihn und das Gesundheitsamt keinen Grund zur Sorge.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Zwölf Schüler des Stiftland-Gymnasiums in Tirschenreuth wurden vom Unterricht befreit. Der Grund: Sie waren vorletzte Woche in einer Zoiglstube. Ein Gast sei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Bei Bernd Gleißner, Betreiber des "Hammerer Zoigl" in Tirschenreuth, klingelt am Donnerstag das Telefon Sturm - mehr als 45 Anrufe gibt es am Vormittag. Darunter auch Absagen von geplanten Feiern.

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Tirschenreuth

Kein Grund Angst zu haben

Der Wirt fällt aus allen Wolken: Bei ihm soll ein Gast gewesen sein, der positiv auf das Coronavirus getestet worden ist? Er weiß davon nichts, er erfährt davon aus der Zeitung. Gäste hätten nun Angst, in seine Wirtschaft zu kommen. "Durch die Krise kommen eh weniger Leute", sagt Gleißner. Dabei achte er auf die gängigen Hygiene-Vorschriften. Er habe sogar in eine neue Lüftungsanlage investiert, desinfiziere regelmäßig Tische und spüle das Geschirr heiß ab - will so Ansteckungen vermeiden. Der Wirt wird selbst aktiv und nimmt Kontakt zu den Jugendlichen, zum Gymnasium und Gesundheitsamt auf. Zudem will er wissen, warum er nicht benachrichtigt wurde, wenn es bei ihm einen positiven Fall gegeben hat. "Das Gymnasium hat die Schüler als reine Vorsichtsmaßnahme freigestellt", sagt er.

Oberpfalz-Medien fragt bei Wolfgang Fenzl, Pressesprecher des Landratsamts in Tirschenreuth, nach. Er bestätigt, dass es in einer Zoiglstube einen Gast gab, der nach dem Besuch positiv auf Covid-19 getestet worden ist. Dabei lässt er aus Datenschutzgründen offen, um welche Zoiglstube es sich handelt. Es lässt sich aber auch nicht ausschließen, dass es ein Gast beim "Hammerer Zoigl" war. "Der Infizierte saß im Außenbereich. Seine direkten Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne", erklärt Fenzl. Der Pressesprecher macht auch keine näheren Angaben zum Zeitpunkt der Infektion.

Dem Gesundheitsamt hat der Infizierte seine jeweiligen Kontaktpersonen mitgeteilt. "Die Mitarbeiter sind hier auf wahrheitsgemäße Angaben angewiesen und vertrauen darauf", weiß Fenzl. Die Behörde habe den Fall genau recherchiert, Infektionsketten nachverfolgt und entsprechende Maßnahmen ergriffen. Ein Wirt werde jedoch nicht zwangsläufig benachrichtigt, wenn die Infektion für ihn keine weiteren Folgen hat. "Aufgrund der Rücksprache mit der infizierten Person geht das Gesundheitsamt davon aus, dass keine Gefahr für andere Gäste besteht", so Fenzl.

Gymnasiasten in Quarantäne

Unter den ermittelten Kontaktpersonen des Gastes seien keine Schüler des Stiftland-Gymnasiums. Jedoch gibt es inzwischen auch Gymnasiasten, die unter Quarantäne stehen. Auch sie wurden als direkte Kontaktpersonen ermittelt. "Hier besteht der Zusammenhang mit verschiedenen anderen Fällen", betont der Pressesprecher. Schulleiter Albert Bauer weiß zu diesem Zeitpunkt noch nichts davon, dass Schüler in Quarantäne sind. Wolfgang Fenzl: "Die Schule wird vom Gesundheitsamt nur benachrichtigt, wenn es einen positiven Fall gibt. Werden Schüler unter Quarantäne gestellt, werden sie vom Gesundheitsamt darauf hingewiesen, das an die Schule weiterzugeben." Zusätzlich betont Fenzl, dass ein positiver Coronafall überall und in jeder Gaststätte auftreten kann. "Und niemand steckt jemanden absichtlich an."

Zwei neue Coronafälle im Landkreis Tirschenreuth am Donnerstag

Tirschenreuth
Im Blickpunkt:

Kategorisierung des Infektionsrisiko nach dem Robert-Koch-Institut

  • Kategorie 1: Das höchste Infektionsrisiko besteht für Personen mit mindestens 15 Minuten Gesichtskontakt ("face-to-face"), zum Beispiel im Rahmen eines Gesprächs. Dazu gehören Personen aus Lebensgemeinschaften im gleichen Haushalt, Personen mit direktem Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten, wie etwa bei Küssen, Kontakt zu Erbrochenem, Mund-zu-Mund-Beatmung, Anhusten, Anniesen etc. sowie medizinisches Personal ohne Schutzmaßnahmen mit Kontakt zu einem Kranken im Rahmen von Pflege oder medizinischer Untersuchung.
  • Kategorie 2: Geringeres Infektionsrisiko haben Personen, die sich im gleichen Raum wie ein bestätigter Corona-fall aufgehalten haben, aber insgesamt weniger als 15 Minuten Gesichtskontakt hatten, zum Beispiel im Klassenzimmer oder am Arbeitsplatz. Diese Kategorie gilt auch für Familienmitglieder, die keinen mindestens 15-minütigen Gesichts- oder Sprachkontakt hatten sowie medizinisches Personal, das sich ohne Schutzbekleidung im gleichen Raum wie ein am Virus Erkrankter aufgehalten hat, aber eine Distanz von zwei Metern dabei nie unterschritten hat.
  • Kategorie 3: In diese Kategorie fällt vor allem medizinisches Personal, sofern es eine adäquate Schutzbekleidung getragen hat, medizinisches Personal mit Kontakt unter zwei Metern Abstand zu einem Kranken, etwa im Rahmen von Pflege oder einer medizinischen Untersuchung sowie medizinisches Personal mit Kontakt mit mehr als zwei Metern Abstand zu Corona-Patienten.
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