15.07.2020 - 12:21 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Coronakrise macht Tour "Mit dem Renner übern Brenner" zum einzigartigen Erlebnis

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Unter dem Motto "mit dem Renner über'n Brenner" oder "einfach mal machen, könnt ja gut werden" erfüllt sich Robert Reith einen Traum. Die Alpenüberquerung auf dem Rennrad führt ihn in 7 Tagen 460 Kilometer von München nach Riva del Garda.

Das Ziel ist nicht mehr weit entfernt. 400 Kilometer hat Robert Reith bereits hinter sich gebracht. 4064 Höhenmeter hat er bei seiner Tour insgesamt überwunden.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Was macht ein begeisterter Radsportler, wenn er ein neues Rennrad bekommt? Er probiert es gleich aus. Nicht vor der Haustüre mal schnell um den Block, sondern auf einer anspruchsvollen Tour. Am 30. Mai bekam der 53-jährige Tirschenreuther endlich sein langersehntes neues Sportgerät.

Einen Tag später, zwei Wochen vor der Tour, habe er sich ganz kurzfristig entschlossen alleine mit dem neuen Rad eine Alpenüberquerung zu wagen. "Was wäre besser als Ziel geeignet als der Gardasee, der Sehnsuchtsort den wir zwei mal im Jahr ansteuern. Das letzte Mal, wie immer zu meinem Geburtstag, waren wir Ende Februar dort." Reith besorgte schnell ein Buch mit GPS-Touren und begann gleich mit der Planung seines Solo-Abenteuers.

Weil er bereits bei zwei Alpenüberquerungen mit dem Mountainbike Erfahrungen gesammelt hatte, wusste er was er unbedingt mitnehmen muss und er vervollständigte sein Equipment. Die vorausgehenden Touren absolvierte er einmal mit Freunden und das zweitemal mit seiner Ehefrau Tina. Ziel sei immer der Gardasee gewesen. "Aber alleine hatte ich so eine große Tour noch nie gemacht". Am 14. Juni fuhren ihn seine Frau und eine beste Freundin, Annette Prauschke, mit dem Auto von Tirschenreuth nach München direkt zum Marienplatz. Gegen 9 Uhr startete er von dem, coronabedingt, fast menschenleeren Platz. Einen Tag vorher hatte ihm die Wettervorhersage große Sorgen bereitet, dachte er schon an Verschieben des Starttermins. Die Sorgen waren unbegründet, das Wetter hielt.

Bereits Erfahrungen gesammelt

Diese erste Etappe führte Reith von München auf 62 Kilometern nach Bad Tölz. Am nächsten Tag ging die Strecke von Bad Tölz über den Sylvensteinspeicher und Achensee nach Wiesing in Österreich. Auf den 68 Kilometern regnete es toujours. "Am Ankunftstag in Wiesing wurde um Mitternacht die offizielle Reisewarnung aufgehoben. Die Herbergsleiterin empfing mich mit den Worten, ,Heilige Maria, a Deitscher!' Ich war der erste deutsche Gast nach Wochen und bekam einen Begrüßungsschnaps."

Am dritten Tag der Transalp erreichte Reith nach 53 Kilometern Innsbruck erreichte. Dazwischen schaute er sich noch in Schwaz und Hall um. Reith war es auch wichtig sich auch die Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Orte anzusehen, die auf seiner Tour lagen.

Alleine hatte ich so eine große Tour noch nie gemacht.

Robert Reith

Über den Brenner

Etappe Nummer vier ging über 61 Kilometer über den Brennerpass nach Sterzing in Südtirol. "Die Brenner Bundesstraße war traumhaft zu fahren, da nur vereinzelt Autos oder Lastwagen unterwegs waren. Ein sehr ungewohntes Bild. Auch in Sterzing waren kaum Touristen zu sehen."

Die fünfte Etappe war mit 86 Kilometern die längste und führte von Sterzing über Brixen und Klausen nach Bozen. "Eine landschaftliche Traumtour durch Südtirol." Die vorletzte Etappe führte mit 79 Kilometern von Bozen über die Südtiroler Weinstraße nach Trento. "Auch diese Strecke war coronabedingt fast autofrei. Die siebte und finale Etappe mit 52 Kilometern brachte Reith von Trento zum Gardasee, wo er am 20. Juni um 12 Uhr sein Ziel erreichte. Am Zielort warteten bereits seine Frau und sein Freund Christian Jerassek auf ihn.

"Zur Feier des Tages strahlte die Sonne von einem makellos blauen Himmel und heizte das Land auf 28 Grad Celsius auf. "Ich hatte es geschafft, unfallfrei und ohne Panne." Alleine, auf sich gestellt, die Alpen mit dem Fahrrad zu überqueren, sei eine superschöne Erfahrung gewesen.

Zwei weitere Tagestouren

Damit aber nicht genug. Am nächsten Tag unternahm das Trio noch eine Rennradtour über den Santa-Barbara-Pass, wo es galt 1156 Höhenmeter zu überwinden. Tags darauf wurden die Räder gecheckt und aufpoliert.

"Mit Baden und Sonnen im und am Gardasee verbrachten wir den Rest des Tages. Am letzten Tag fuhren wir mit unseren Rädern noch gemeinsam von Peschiera nach Verona, bevor es mit dem Auto wieder nach Hause ging."

Mitterteich
Hintergrund:

Keine Angst vor Corona

"Das Thema Corona war bei meiner Planung kein Angstthema, weil mir klar war, dass ich sowieso wenig oder gar keinen Kontakt mit Menschenmassen haben würde", erklärt Robert Reith. "Ich wusste, dass in Südtirol und im Gardaseegebiet nur vereinzelte Coronafälle verzeichnet worden waren." In Österreich seien die Vorsichtsmaßnahmen ähnlich wie bei uns gewesen. In der Gastronomie und in den Geschäften seien Mundschutz und Tisch-Mindestabstand angesagt gewesen. In allen Unterkünften aller drei bereisten Länder musst Reith seine Telefonnummer hinterlassen. "Es gab nirgends Frühstücksbuffet, sondern es wurde serviert. Mein Hotel in Innsbruck bot überhaupt kein Frühstück an. In Bad Tölz wurde in zwei Schichten gefrühstückt, wegen der geringen Raumgröße. In Italien waren die Vorschriften ebenso wie bei uns. Da Pensionen und Hotels kaum Gäste beherbergten, war ich ohnehin meistens alleine beim Frühstück." Während der Reise traf Reith kaum Touristen, was für ihn die Tour zusätzlich besonders gemacht habe. "Ich habe die meisten Orte auch anders kennengelernt - Massentourismus pur. So gesehen hätte ich mir für die Tour keinen besseren Zeitpunkt aussuchen können."

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