21.04.2020 - 14:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Coronavirus klaut im Stiftland Maibaumfreuden

In vielen Orten ist das Aufstellen des Maibaums eine Tradition, die weit zurückreicht. Teilweise geht der Brauch sogar bis ins 19. Jahrhundert zurück. Das Jahr 2020 wird einen besonderen Platz in dieser Geschichte einnehmen.

von Konrad RosnerProfil

Es sind zwar noch ein paar Tage hin bis zum 1. Mai, doch die meisten Vereine und Verbände, die diesen Brauch pflegen, haben im Stiftland bereits reagiert und das Aufstellen des Maibaums ersatzlos gestrichen. Grund ist das Coronavirus, für das solche Feste ein guter Nährboden für eine weitere Verbreitung wäre.

Erinnerung an historisches Fest

Bereits seit 1849 wird im Dörfchen Wendern (Stadt Bärnau) alljährlich der Maibaum aufgestellt, dies ist sogar urkundlich belegt. Der damalige Anlass war die Bauernbefreiung. 1999 gab es zum 150. Jubiläum in Wendern gar ein historisches Maibaumfest, das auch im Radio und im Fernsehen übertragen wurde. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Gottfried Beer ist seit rund 35 Jahren Ortssprecher des Dorfes und leitet alljährlich auch das Maibaumaufstellen. „Es ist sehr bedauerlich, aber wir werden in diesem Jahr keinen aufstellen“, sagt er. Denn in Wendern werde der Maibaum noch mit reiner Muskelkraft mit Schwalben in die Höhe gehievt. Da stünden alle Helfer sehr eng beieinander. Schulter an Schulter. Mit dieser Tradition will der Ort nicht brechen. Beer: „Das Risiko, sich anzustecken, wäre da sehr hoch.“ Deshalb habe man sich zu dem Entschluss durchgerungen, in diesem Jahr auf das beliebte Spektakel zu verzichten.

Auch in Konnersreuth gibt es in diesem Jahr keinen Maibaum. Florian Schaumberger, Zweiter Vorsitzender des Burschenvereins Concordia, der die Aktion organisiert hätte, erzählt: „Anfang April haben wir jedes Jahr den Baum aus dem Wald geholt, dazu sind immer zwischen 15 und 20 Personen nötig. Schon alleine diese Tatsache macht es unmöglich, dass wir einen Frühlingsboten aufstellen. Dann kommt noch das Herrichten des Stamms und das Kranzbinden, ehe der Maibaum mit Muskelkraft in die Höhe gehievt werden kann.“ All dies lasse sich derzeit nicht bewerkstelligen.

Das Maibaumaufstellen fällt genauso aus wie das anschließende traditionelle Fest. Dazu wurde jedes Jahr ein kleines Festzelt aufgebaut und es gab Live-Musik von einer Band. Hunderte von Besuchern aus der gesamten Region kamen zu diesem Spektakel. Das lässt sich mit den Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus nicht vereinbaren.

In Tirschenreuth war der 85-jährige Josef Schmidkonz seit 62 Jahren immer beim Maibaumaufstellen der „Werdenfelser“ mit dabei. Dieses Jahr wird daraus nichts. Schmidkonz erinnert sich, dass die „Werdenfelser“ ihren Maibaum früher beim Kommunbrauhaus, dann später beim ehemaligen Feuerwehrhaus und am Deschplatz aufstellten. Seit acht Jahren, so Schmidkonz, werde der Maibaum nun am Marktplatz aufgestellt. Er könne sich an kein Jahr erinnern, wo nicht ein Maibaum aufgestellt worden sei. „Heuer ist es nun leider der Fall“, bedauert er.

Baum bleibt im Wald

Tirschenreuth hatte übrigens noch einen zweiten Maibaum, den der „Almerer“. Auch sie legen in diesem Jahr eine Coronapause ein. In Wondreb bleibt der Frühlingsbote in diesem Jahr ebenfalls draußen im Wald. Dort wechseln sich die Vereine mit der Brauchpflege ab. In diesem Jahr wäre die Soldatenkameradschaft dran gewesen. Vorsitzender Josef Meisl hat die Aktion bereits vor einiger Zeit abgeblasen. Die Wondreber Besonderheit: Der Maibaum wird erst an dem Tag abgesägt, an dem er auch aufgestellt wird. „Denn wir haben keinen Platz zum Lagern“, so Meisl. Ein Maibaumklau ist damit in Wondreb unmöglich.

Stamm schon ausgesucht

In Waldsassen kümmert sich seit einem Jahrzehnt Zweiter Bürgermeister Karlheinz „Tschieberl“ Hoyer mit Paul Stellmach und einem eingespielten Team um das Aufstellen des Maibaums. „Den Baum hatten wir schon ausgesucht“, erzählt Hoyer. Umgelegt und abgeholt werde er aber nicht. „In Absprache mit der Stadt haben wir das Aufstellen und das Fest abgesagt. Das Risiko war uns zu groß“, erzählt Hoyer. Die Coronavorgaben aus München ließen den Waldsassenern auch keine andere Wahl. „Wir hätten mit rund 1000 Besuchern gerechnet“, erzählt Hoyer.

Ganz ohne Maibaum müssen die Klosterstädter aber doch nicht leben. Der Bauhof der Stadt werde unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen kleineren Ersatzbaum am Johannisplatz aufstellen, um damit einen Jux zu verhindern, verrät Hoyer. Er geht davon aus, dass sonst findige Einwohner bei Nacht und Nebel in Waldsassen „eine „Stauern“ aufstellen würden.

Auch in vielen anderen Orten, darunter Mitterteich und Wiesau, wurde das Maibaumaufstellen mittlerweile abgesagt.

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