15.05.2019 - 18:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Crystal beschäftigt Justiz

Methamphetamin ist eine weit verbreitete Droge. Verhandlungstechnisch gehört sie zum täglichen Brot am Amtsgericht Tirschenreuth. Ein Drittel aller Verfahren drehen sich um Betäubungsmittel, schätzt Direktor Thomas Weiß.

Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß übernimmt die Drogenverfahren als Strafrichter oder Vorsitzender des Schöffengerichts, wenn die Angeklagten schon erwachsen sind.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Das bedeutet bei rund 300 Verfahren im Jahr, dass jede Woche im Schnitt zwei Angeklagte wegen eines Drogendeliktes den Gang zum Amtsgericht antreten (siehe Artikel unten). "Die Zahlen sind seit vielen Jahren ähnlich hoch", bilanziert Weiß. Als Strafrichter und Vorsitzender des Schöffengerichts hat er reichlich Erfahrung mit Verhandlungen, die wegen Methamphetamin nötig werden. "Das meiste bei uns sichergestellte Crystal Meth stammt aus Tschechien. Der Asia-Markt in Eger ist nun mal ein Hauptumschlagsplatz", verweist der Amtsgerichtsdirektor auf die Grenznähe und die verbreitete Einfuhr über Waldsassen.

Heroin spielt keine Rolle

Andere Drogen spielen vor dem Tirschenreuther Gericht kaum eine Rolle. Auf ungefähr 90 Prozent schätzt Weiß den Anteil der gefährlichen, synthetisch hergestellten Substanz, die schnell süchtig macht und in Tschechien vergleichsweise billig zu haben ist. "Haschisch und Marihuana sind die Ausnahme. Heroin kommt eigentlich gar nicht vor. Ich wüsste nicht, wann wir den letzten Fall hier gehabt hätten."

Dass die sichergestellte Menge an Betäubungsmitteln eher steigt als sinkt, hat auch mit der Arbeit der Fahnder zu tun. "Es wird mehr kontrolliert", stellt Richter Weiß fest. Die "dicken Fische", die der Polizei dabei ins Netz gehen, landen nicht vor dem Amtsgericht Tirschenreuth. Hier werden "nur" die Fälle verhandelt, bei denen keine höhere Freiheitsstrafe als vier Jahre zu erwarten ist. Einfuhr und Vertrieb von Rauschgift in deutlich höherem Ausmaß als für den Eigenkonsum wird in der Regel vor dem Landgericht Weiden verhandelt. Automatisch kommt es übrigens nicht zu einer Gerichtsverhandlung, wenn jemand mit Drogen erwischt wird. Es kommt immer auf die Menge und die Umstände an, was im Strafbefehl steht, erklärt Weiß.

Tagessatz 1 bis 30 000 Euro

"Bei nicht Vorbestraften sind es vielleicht zwei bis drei Monatseinkommen." Der verhängte Tagessatz orientiert sich am Einkommen. Dabei lässt der Gesetzgeber einen Spielraum von 1 bis 30 000 Euro. Oft ist die Höhe der Geldstrafe auch ein Grund für den Einspruch gegen einen Strafbefehl, weiß der Direktor des Amtsgerichts. In ungefähr einem Drittel der Verfahren ist ein Einspruch der Grund, dass öffentlich verhandelt wird. Mit ungewissem Ausgang: Die Höhe der Zahlung kann sich durch ein Urteil verringern, aber auch erhöhen.

Für Thomas Weiß und seine Kollegen - für Jugendliche und junge Erwachsene unter 21 Jahren ist in der Regel Richter Wolfgang Höreth zuständig - gehören Verfahren wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz zur Routine. Dennoch gehen ihnen manche Lebensläufe und Drogenkarrieren natürlich noch unter die Haut: "Vor kurzem hat eine junge Angeklagte gefragt, ob sie der anwesenden Schulklasse etwas sagen darf", erzählt der Gerichtsdirektor. Ihr Appell, die Finger von Drogen zu lassen, sei sehr beeindruckend gewesen.

Schließlich verweist Thomas Weiß auf den Aspekt "Therapie statt Strafe", der bei Drogenabhängigkeit ebenso eine Rolle spiele wie etwa bei Alkoholsucht. So habe die Justiz die Möglichkeit, eine Therapie in einer Entziehungsanstalt zu veranlassen. "Bei einer Strafe ohne Bewährung kann die Therapie in einer anerkannten Drogenklinik angerechnet werden."

Der typische Crystal-Meth-Konsument, der mit dem Amtsgericht zu tun hat, ist ein männlicher Jugendlicher oder junger Erwachsener. "Wir haben aber auch Leute von Mitte 30 aufwärts. Denen sieht man den Konsum oft nicht an - jedenfalls eine Zeitlang", stellt Weiß fest. Und noch etwas ist auffällig: "Das Einzugsgebiet wird immer größer. Wir haben mit Leuten aus dem ganzen Bundesgebiet zu tun, aber auch aus Österreich, der Schweiz, aus Frankreich." Kommt es zur Verhandlung, müssen die Konsumenten dann auch in Tirschenreuth antreten - ohne Rücksicht auf den Wohnort.

Viel Crystal zieht die Polizei bei Kontrollen in Grenznähe aus dem Verkehr. Die Menge spielt eine entscheidende Rolle, wie es für die Schmuggler im Strafverfahren weitergeht.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.