Geht es um die Gleichstellungsbeauftragte am Landratsamt, heißt das nicht, dass diese nur für die Belange der Frauen am Landratsamt oder in den Landkreiskommunen zuständig ist. Daniela Keller, so heißt die neue Gleichstellungsbeauftragte, die im Februar diesen Posten übernommen hat, ist für alle Frauen im Landkreis da, die zum Thema Gleichstellung eine Frage, ein Anliegen oder eine Beschwerde vorzubringen haben. „Und für alle Männer“, betont die 39-Jährige.
2011 kam sie mit ihrem Ehemann und der mittlerweile 21-jährigen Tochter nach Bayern. Begonnen als Bauzeichnerin absolvierte die Frau aus Sachsen-Anhalt nach dem Fachabitur ein Architektur-Studium und war danach in einem Regensburger Büro tätig. „Dass ich in Bayern gelandet bin, hängt viel mit dem Amt für ländliche Entwicklung zusammen“, erzählt sie. Dort sei ihr Mann beschäftigt. Daniela Keller wohnt mit ihrer Familie in Mähring und findet es auf dem Land ziemlich schön. Man lerne schnell Leute kennen. Die Tochter sei rasch in der Garde des Faschingsvereins Mitglied geworden und auch sie sei in einem Verein tätig.
Kein Leitfaden
Daniela Keller war nicht sofort Gleichstellungsbeauftragte, für diesen Posten bekam sie auch keinen Vollzeitjob: Sie ist nur fünf Stunden freigestellt. Die 39-Jährige arbeitet seit 2012 am Landratsamt als Technische Angestellte für den Denkmalschutz und im Gutachterausschuss. Außerdem war sie im Personalrat tätig. Als die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten vakant wurde, bewarb sie sich dafür. Um sich einzuarbeiten, hat Daniela Keller Fortbildungen besucht, und auch ihre Vorgängerin Karin Hauser-Dötterl hilft ihr.
„Für Gleichstellungsbeauftragte gibt es keinen speziellen Leitfaden“, erklärt Daniela Keller. Dieses Amt sei individuell auf die jeweilige Amtsstelle ausgerichtet. Für den Landkreis betreut sie die Frauenbelange bei Benachteiligungen im Job oder bei der Bezahlung oder wegen Kinderbetreuung. Die 39-Jährige lobt den schon vor vielen Jahren eingeführten „Kindertag“ am Buß- und Bettag: Eltern dürfen ihre Kinder mit ins Amt bringen, dort werden sie betreut und können sich auch einmal den Arbeitsplatz der Eltern ansehen.
Dabei betont Daniela Keller auch die Gleichstellung von Männern, denn auch die sei in vielen Dingen längst nicht selbstverständlich. Sie spricht unter anderem die Elternzeit an: Nach wie vor würden die Mütter diese weit mehr in Anspruch nehmen, obwohl das Männer auch können. Sei es Unwissenheit oder Scham des „starken Geschlechts“ vor den Kollegen: Daniela Keller möchte hier intensiv auch bei den Männern Aufklärung leisten, dass die Kinderzeit auch für die Väter richtig und eine schöne Zeit sei. Besonders schön findet sie, dass auch Jungs beim Boys' und Girls' Day am Landratsamt in Verwaltungsberufe hineinschnuppern können, während den Mädchen an diesem Tag technische Berufe vorgestellt werden. In Planung ist ein Vortrag über Frauen- und Männergesundheit.
Ansprechpartnerin für alle
Die Gleichstellungsbeauftragte ist für alle Bewohner des Landkreises Ansprechpartnerin. Das gehe bis zur Vermittlung in ein Frauenhaus. Ein ebenfalls heikles Thema sei sexueller Missbrauch am Arbeitsplatz. Daniela Keller verweist unter anderem auch auf die Beschwerdestelle. „Manchmal ist es hilfreich, sich da aussprechen zu können und darüber zu reden mit einer anderen Person.“ Hier fehle vielen der Mut, eine solche Straftat überhaupt unter Kollegen anzuzeigen, geschweige denn jemandem darüber zu berichten.
Nicht mehr anwesend wegen Datenschutzrechten ist die Gleichstellungsbeauftragte seit vergangenem Jahr bei Vorstellungsgesprächen am Amt. „Das bedauere ich sehr.“ Hier wäre sie gerne beratend anwesend, wie bei der Vergabe von Führungspositionen. „Dabei wäre genau das entscheidend“, seufzt Daniela Keller und berichtet am Beispiel Landratsamt von einer immer noch sehr niedrigen Quote an Frauen in Führungspositionen. Sie freut sich, dass vor Kurzem mit Inge Üblacker eine Frau im Landratsamt Personalchefin wurde.
Mehr Bürgermeisterinnen
Großes Thema ist für Keller die Kommunalwahl: Sie hat festgestellt, dass das Verhältnis von Frauen und Männern im Kreistag bei 25 zu 75 Prozent liegt. Nur 2 von 26 Bürgermeistern sind weiblich. Ihr Anliegen ist es nun, Frauen dafür zu motivieren, sich aufzustellen zu lassen. „Viele alte Bürgermeister hören auf. Die Gelegenheit ist günstig für Frauen.“ Auf die Frage, ob sie Interesse an einem Bürgermeisterinnen-Amt habe, lacht Daniela Keller. Nein, sagt sie, das sei nicht ihr Interessensbereich. Viel mehr möchte sie die Gleichstellung, auch im Bereich Diversität, weiter fördern. So sei sie am überregionalen Austausch über die Landesgemeinschaft interessiert und werde sich hier gern einbringen. Was die neue Gleichstellungsbeauftragte etwas hemmt an ihrem Engagement: In nur fünf Stunden die Woche kann nicht alles sofort umgesetzt werden.
Landrat Roland Grillmeier betont in einer Stellungnahme, dass ihm die Gleichstellung ein wichtiges Anliegen sei. „Ich freue mich, dass wir mit Daniela Keller eine engagierte Frau für das Thema Gleichstellung gewinnen konnten. Ich wünsche mir, dass die erfolgreiche Arbeit ihrer Vorgängerin Karin Hauser-Dötterl weiter fortgeführt wird und neue Impulse gesetzt werden." Es sei ihm ein Anliegen, die Chancengleichheit, die Gleichberechtigung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu fördern und weiter voranzubringen. "Beeindruckend sind für mich auch die zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen, die hier organisiert werden, wie Inhouse-Seminare speziell für weibliche Mitarbeitende, den jährlichen Girls’ Day und Boys’ Day, den Mitarbeiter-Kindertag, kurz ‚Miki-Tag‘, oder die Fahne zum Weltfrauentag", so der Landrat weiter.
Gleichstellungsbeauftragte
- fördern und überwachen den Vollzug des Bayerischen Gesetzes zur Gleichstellung von Frauen und Männern und des Gleichstellungskonzepts
- wirken in ihrer Zuständigkeit an allen Angelegenheiten ihrer Dienststelle bzw. ihrer Kommune mit, die grundsätzliche Bedeutung für die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit und die Sicherung der Chancengleichheit haben können
- unterstützen und beraten im Einzelfall die Beschäftigten, die sich gegenüber dem anderen Geschlecht benachteiligt fühlen
- erarbeiten Informationsmaterialien und pflegen den Kontakt zu den Beschäftigten
- nehmen Anregungen entgegen und leiten Maßnahmen ein, um Chancengleichheit zu verbessern
Quelle: Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales



















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