13.04.2021 - 12:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Demokratie-Werkstatt auf Spurensuche: „Orte der Verantwortung“ ins Bewusstsein rücken

Verantwortung für das Gemeinwesen wird im Landkreis Tirschenreuth an vielen Stellen wahrgenommen, sei es unter politischen, gesellschaftspolitischen oder sozialen Gesichtspunkten. Die Demokratie-Werkstatt im Netzwerk Inklusion sucht Orte und Räume, an denen sich demokratisches Zusammenleben verdichtet.
von Externer BeitragProfil

Wo könnte der jüngste „Ort der Verantwortung“ im Landkreis Tirschenreuth liegen? Gute Chancen dafür hätte wohl eines der Impfzentren. Genau solche Orte will die Demokratie-Werkstatt im Netzwerk Inklusion laut Mitteilung aufspüren. Gebäude, Räume, Plätze, die für gelebte Demokratie stehen, – belebt von Ehrenamtlichen, Vereinsaktiven, Profis, bürgerschaftlich Engagierten oder kommunalpolitisch Interessierten.

Christina Ponader und Friedrich Wölfl vom Netzwerk Inklusion wollen solche „Werkstätten der Demokratie“ stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit rufen und suchen dafür Mitstreiter. Viele würden bei Demokratie nur an Regierungsviertel, Landtagsgebäude, Wahlen und Parteizentralen denken. Dabei lebe sie seit über 70 Jahren ganz wesentlich auch von einem gut funktionierenden Betriebssystem in der Zivilgesellschaft.

Nach der Studie zur Inklusion packt das Netzwerk Inklusion ein neues Projekt an und geht diesen Fragen nach: Wo sind eigentlich die „Werkstätten der Demokratie“ im Landkreis? Wo die Orte und Räume, in denen die „Software der Demokratie“ im Alltag funktioniert? Wo finden sich Akteure und Initiativen, die die in Grundgesetz und Bayerischer Verfassung verankerten Bürgerrechte aktiviert haben oder aktuell umsetzen? Wo sind Vereine und Initiativen, in denen demokratische Kultur entstand und gewahrt wird? Wo wird Verantwortung für das Gemeinwesen gelebt oder erfahren?

Ziel ist, einen kleinen Dokumentarfilm zu erstellen, wenn viele Ideen zusammenkommen sogar eine kleine Filmreihe. Politische, gesellschaftliche oder soziale Verantwortung soll aufgespürt und abgebildet werden in Verbindung mit Orten, auf Marktplätzen oder in Rathäusern, Vereinsheimen oder Wirtshäusern. Das Vorhaben will das demokratische und zivilgesellschaftliche Potenzial direkt vor unserer Haustüre stärker ins Bewusstsein rufen. Dabei kann es beispielsweise um Naturschutz gehen, um sozialen Zusammenhalt, um Probleme der ländlichen Entwicklung, um Energie-Fragen, um Entscheidungen in der Gemeinde oder um Bemühungen mit und für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. "Mit dieser Facette einer etwas aktuelleren Erinnerungskultur soll eine positive Identitätsbildung im Landkreis verstärkt werden – mit Stolz auf das, was in gut 70 Jahren Demokratie bei uns bewegt wurde und bewegt wird", so die Initiatoren.

Christina Ponader hofft auch deswegen auf Mitstreiter, gerne auch junge und jüngere Leute: „Wir suchen dafür Mitdenkende, Vernetzte, Recherchierende, technisch Kompetente oder auch Interviewpartner. Mithilfe kann z.B. bei der landkreisweiten Suche, welche Räume und Orte sich eignen, ebenso als ‚Reporter‘ für Interviews, oder bei der Vor- und Nachbereitung der geplanten Filmaufnahmen eingebracht werden.“

Alle Interessierten können sich melden unter E-Mail info[at]inklusion-tirschenreuth[dot]de oder per Telefon 09633/923198-882. Bei einem ersten (digitalen) Treffen werden die Einzelheiten gemeinsam geplant. Friedrich Wölfl treibt zusätzlich diese Sorge: „In absehbarer Zeit werden uns nicht nur die Zeitzeugen für NS-Zeit und Krieg fehlen. Dies gilt in wenigen Jahren auch für die Generation, die in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik Gesellschaft und Staat auf dem Boden des Grundgesetzes aufgebaut haben. Jetzt können wir sie noch erreichen. Sie wussten um den Wert der Rechte und Freiheiten und haben sie wahrgenommen.“

Und wie passt jetzt das Impfzentrum als „Ort der Verantwortung“? Dort verknüpfen sich laut Mitteilung viele Elemente von demokratischen Strukturen und unserer demokratischen Kultur: Engagement, Umsetzung von Gesetzen und Verordnungen, Sorge um die Gesundheit der Bevölkerung und ganz allgemein die Bereitschaft, Verantwortung für sich und andere übernehmen, sei es als Impfwilliger, als ehrenamtlich Tätiger oder als medizinisches oder begleitendes Personal.

 

 

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