23.04.2020 - 14:35 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Drei Landräte als Kreisrat von Tirschenreuth miterlebt

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Erst Franz Weigl, dann Karl Haberkorn und zum Schluss Wolfgang Lippert. Drei Landräte hat Franz Kühn miterlebt. Das reicht, findet er.

Franz Kühn.
von Ulla Britta BaumerProfil

44 Jahre lang hat Franz Kühn als Kreisrat ab 1976 die Landkreispolitik mitgestaltet. Als Freier Wähler wollte er sachliche Politik machen ohne Mitglied einer Partei sein zu müssen. Nun ist Franz Kühn 72 Jahre alt. Das reicht, findet er. Er hat sich deshalb nicht mehr auf die Liste setzen lassen. "Wenn man älter wird, sollte man jüngeren Kollegen den Weg frei mache", findet er.

Als der Teichwirt aus der Kreisstadt erstmals für den Kreistag kandidierte, war er 30 Jahre alt. Landrat war damals Franz Weigl (CSU), ihm folgten Karl Haberkorn (Freie Wähler) und schließlich Wolfgang Lippert (Freie Wähler). Erklärtes Ziel des engagierten Teichwirts und Naturschützer war es immer, für die Bürger den Landkreis mitzugestalten.

Alteingesessene Familie

Kühns Familie ist alteingesessen, seine Tirschenreuther Wurzeln gehen bis ins Jahr 1648 zurück. Grund genug, nicht nur im Landkreis mitzumischen, sondern auch im Stadtgremium. Zu den 44 Jahren als Kreisrat gesellen sich in Franz Kühns Lebenslauf 24 Jahre als Stadtrat hinzu. Von 1990 bis 1996 war er als Zweiter Bürgermeister für seinen Wohnort unterwegs. "Nach dieser Wahlperiode haben sich die Mehrheitsverhältnisse geändert. Franz Stahl wurde stellvertretender Bürgermeister", erinnert sich Kühn. Als Karl Haberkorn Landrat war, stand Kühn eng an der Seite des Parteifreundes. Er war sogar von 1996 bis 2002 weiterer Stellvertreter des Landrats. Franz Kühn ging es dabei nach eigenen Angaben nie um ein bestimmtes Parteibuch, sondern um die Sache. Er wollte einfach den Landkreis ein Stück besser machen.

Ein Projekt, das ihm besonders am Herzen lag, war der Fahrradweg von Tirschenreuth nach Bärnau. Den habe er lange vor der Verwirklichung bereits ins Gespräch gebracht. "Damals hieß es in Bärnau, es sei schon ein Radweg da. Das würde reichen."

Alte Trasse sinnvoll genutzt

Doch dann sei der Vizinalbahn-Radweg von Tirschenreuth nach Wiesau gebaut worden auf der alten Bahntrasse. "Lieber wäre es mir aber schon gewesen, die Bahn wäre geblieben", sagt Kühn und denkt dabei an den stark angestiegenen lokalen Lkw-Verkehr von Liebenstein nach Wiesau. Aber wenigstens sei die alte Trasse sinnvoll genutzt worden. Nie vergessen wird er seine Warnung an den Kreistag bei der Planung des Blockheizkraftwerks für das Kreiskrankenhaus. 600 000 Euro seien verbaut worden, umsonst. Denn es sei nur kurzzeitig betrieben worden wegen Unrentabilität. "Man hätte nur rechnen müssen. Dann wäre es gar nicht zustande gekommen", sagt der Geschäftsmann.

Kühn hat auch mitgemischt, als es um das Bundesnaturschutzgroßprojekt Waldnaabaue ging. Etwas sehr Schönes sei hier entstanden, auch für den Tourismus. Sein größter Wunsch: "Jetzt sollte endlich einmal aus dem Projekt auch das Schutzgebiet werden." Denn die Flora und Fauna der Heimat brauche Erholung und Ruhe, sagt er.

Kühn, der Umweltschützer, hat mit seinem Mandat als Kreisrat längst nicht alle Leidenschaften verfolgt. Die Natur in der Heimat ist ihm ein ebenso großes Anliegen. Ausdrücklich lobt er den großen, parteiübergreifenden Zusammenhalt im Kreistag, um den Landkreis voranzubringen. "Ich habe mich mit allen gut verstanden, auch mit den Grünen", schmunzelt er.

Wir wollen wissen, wie er das alles geschafft hat neben dem Gasthof "Goldener Schwan" und der Fischzucht. Auf diese Frage lacht Franz Kühn. "Das frage ich mich auch manchmal." Mit dem Alter werde man langsamer, stellt er fest. Auch ein Grund, kürzer zu treten. Was ihn freut, ist die Umsetzung der neuen Pläne für die neue Turnhalle für das Stiftland-Gymnasium. Auch bei der Realschule Kemnath werde an einem Strang gezogen, sagt er weiter.

Franz Kühn will künftig die Stunden, die er bisher in der Politik verbracht hat, mit seinen Enkelkindern draußen in der Natur verbringen. Außerdem hilft er seinem Sohn Franz Junior im Betrieb. "Und ich mache jetzt Blasmusik", hat er ein altes Hobby neu entdeckt. Erste Ergebnisse seiner musikalischen Fähigkeiten hat er bereits als Musiker der Blaskapelle Großkonreuth bewiesen. Franz Kühn spielt Posaune und Mundharmonika.

Lob für Söder

Zum Ende seiner politischen Karriere hat der FW-Mann auch ein gutes Wort für den CSU-Ministerpräsident Markus Söder. Kühn spricht dabei das Volksbegehren "Rettet die Bienen" an. Das habe gezeigt, dass Söder einer sei, der sich auch einmal was sagen lasse. Das gefalle ihm. Für den Landkreis wünscht er sich endlich eine Zukunft der Waldnaabaue als Naturschutzgebiet.

Den jungen Kreisräten rät Franz Kühn, immer die Sache im Auge zu behalten, die sei wichtiger als das Parteibuch. "Und dass der Kreistag beschließt, die Straßenränder nicht mehr zu mähen, das ist gut für die Insekten." Für die Natur will er auch ohne Kreistagsmandat weiterkämpfen.

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