15.07.2021 - 11:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ehemaliger Ski-Club-Chef Horst Wettinger kann sich jetzt „entspannt zurücklehnen“

Fast vier Jahrzehnte im Vorstand hat Horst Wettinger den Ski-Club maßgeblich geprägt. Jetzt sind die jungen Leute am Zuge. Ein guter Moment für eine ganz persönliche Bilanz.

Originelles Ski-Jöring 1953. Sieger wurden Wild/Röstl "auf Opel Kapitän".
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Der Ski-Club ohne Horst Wettinger - für viele unvorstellbar. Für Wettinger selbst durchaus ein guter Gedanke. Nach 35 Jahren als Vorsitzender freut er sich über die komplett junge Führungsmannschaft. "Die waren alle noch gar nicht auf der Welt, als ich den Vorsitz übernommen habe", konstatiert er lachend. Dennoch setzt er sein volles Vertrauen in die junge Riege. Gerade deren Engagement hat ihn überzeugt, dass der Verein in guten Händen ist. Natürlich werden die "Alten" jederzeit mit Rat und Tat aushelfen. Und er selbst? Ganz wird Wettinger seinem Verein nicht den Rücken kehren. Als "Hausmeister und Getränkewart" wird er weiter dabei sein. Eine Funktion, die nicht minder wichtig ist, schmunzelt der 67-Jährige im Gespräch mit Oberpfalz-Medien.

Verein ein großer Freundeskreis

In der Chronik des 1951 gegründeten Vereins (eigener Bericht) sind bereits markante Kapitel geschrieben worden, als Wettinger den Vorsitz übernimmt. Als er für Werner Dittrich Ende 1986 nachfolgt, steht er an der Spitze einer rührigen Truppe, die allerhand sportliches Potenzial vorweisen kann. Was ihn aber wirklich bewogen hat, die Verantwortung zu übernehmen, ist die Tatsache, dass der Verein bis heute mehr ein großer Freundeskreis ist.

Und eben die Freunde haben den jungen Mann zum Verein gebracht. Bis dahin galt seine Begeisterung dem Tennissport. Und hier konnte Wettinger sogar einen Sieg bei der Stadtmeisterschaft verbuchen. 1976 brachte der Verein den Grasski-Sport in die Region - und beeindruckte den damals 22-Jährigen so sehr, dass er dem Verein beitrat. Auf das ungewöhnliche Sportgerät wollte Wettinger aber nicht steigen. Immerhin gelang es den Freunden recht schnell, den Tennisspieler auf die Skier zu stellen. Die erste Fahrt in die Alpen und der Anblick der imposanten Berge sind bis heute im Gedächtnis.

Der neue Sport sollte fortan einen wichtigen Teil der Freizeit ausmachen. Aber nicht nur das gemeinsame Erlebnis bei Skifahrten gehörte dazu. Die Skikurse für Kinder sind bis heute im Programm. Vor Jahrzehnten hatte der Verein dazu einen Rucksack-Lift an der Skihütte am Rothenbürger Weiher aufgebaut und den Nachwuchs auf die Brett'ln gestellt. Unter den erfahrenen Helfern war auch Horst Wettinger. In seinem ersten Amt als Vergnügungswart hat er dann seinen Schwerpunkt auf das Sommerprogramm gelegt, dazu gehörten Feste oder Wanderungen.

Schneemangel nichts Unbekanntes

Doch blieb Wettinger Aktivposten für alle Bereiche, langte bei der Anlage der Tennisplätze mit hin, war als Betreuer bei der "alpinen Rennmannschaft" mit unterwegs oder als Ausrichter eines Europa-Cup-FIS-Rennens, das der Ski-Club in Lenggries für die Freestyle-Elite durchführte, dabei. Mit der Tennisanlage hatte der Ski-Club in den 1980er Jahren den Wandel zu einem Verein für die ganze Jahreszeit vollzogen. Was auch dringend geboten war, weiß Wettinger. Denn Schneemangel ist keine Erfahrung der jüngeren Zeit. Schon 1989 hatte man alle Veranstaltungen streichen müssen. Sogar auf Oberpfalz-Ebene seien alle Wettkämpfe ausgefallen. Die fehlenden Möglichkeiten hätten dann wohl auch zum Ende der Rennmannschaft geführt. Den neu angeschafften Spurschlitten "Grizzly" musste der Verein ungenutzt in der Garage lassen. Und bis heute weiß Wettinger um die Höhen und Tiefen der Schneelage.

Mit sportlichen Alternativen und Ideenreichtum hat der Verein dagegen gehalten. Von einem 24-Stunden-Tennisturnier erzählt Wettinger in seiner persönlichen Rückschau - und beschreibt eine morgendliche Kulisse mit dem von der Waldnaab heraufziehenden Morgennebel. "Das war fast wie in einem Wallace-Krimi!" Gerne erinnert sich Wettinger auch an seine Anregung zur "maskierten Skigymnastik", bei der nach dem sportlichen Teil in der Dreifachturnhalle das Faschingstreiben hinaus in die Wirtschaften verlagert wurde. Lang seien die Einsätze gewesen, etwa in der Sirtl-Bar. Später hätten viele gleich den direkten Weg in die Bar genommen. Die Skigymnastik gehört weiter zum Spektrum, nur auf die Faschings-Variante hat man bald verzichtet. Dabei hatte der Verein unter Wettinger viele heitere Momente, etwa kostümierte Skifahrer bei der Stadtmeisterschaft, die zusammen mit dem TV Waldsassen veranstaltet worden war.

Und beim Faschingszug oder den Bällen ist der Verein stets gerngesehener Gast, was letztlich auch dem Engagement von Lisa Wettinger zuzuschreiben ist. Freilich war und ist beim Ski-Club das gemeinsame Sporterlebnis die Hauptsache. Doch mit Horst Wettinger haben die unzähligen Stationen in den vergangenen Jahren stets eine heitere Komponente hinzu bekommen.

Surfen und Skaten

Zu den "großen Momenten" befragt, führt Horst Wettinger die herausragenden sportlichen Leistungen der Mitglieder an, darunter die Siege von Ski-Langläuferin Helga Dittrich auf Bundesebene. Und natürlich sind es Robert und Stefan Zant mit ihren Erfolgen als Freestyler. Robert wurde Deutscher Meister, Stefan siegte sogar beim Europa-Cup. Bis heute ist es das "kreative Element der Mitglieder", das Horst Wettinger begeistert: Grasski, Inline-Skaten, Fußball gehörten schon zum Repertoire, sogar mit dem Surf-Sport wollte man am Rollnhofweiher Wurzeln schlagen. Mitunter mussten dabei auch Niederlagen verkraftet werden. "Ich war immer bemüht, dass etwas geboten war", beschreibt Wettinger seine und die Grundhaltung der Mitglieder. Bei den "Schattenseiten" wird der sonst so heitere Mann etwas ruhiger und bleibt beim Blättern in seinen Unterlagen an Bildern von Freunden aus den Vereinsreihen hängen, die viel zu früh gehen mussten.

Entspannt zurücklehnen

Zurück im Gespräch kann sich Horst Wettinger am Ende seiner Ära als Vorsitzender entspannt zurücklehnen. Auch weil die Stabübergabe an die junge Mannschaft eine gemeinsame Entscheidung des "alten Vorstands" war. "Und man kann das auch nicht ewig machen", fügt Wettinger an. Doch als Ski-Clubberer mit Leib und Seele wird er geschätzter Helfer bleiben. Und "Hausmeister" wohlgemerkt. Für die jungen Leute, die derweil am Tennisplatz ihr Match austragen, ist der Horst halt eine Institution.

Bei der Jahresversammlung des Ski-Club wurde Horst Wettinger zum Ehrenvorsitzenden ernannt

Tirschenreuth
Hintergrund:

Auszüge aus der Vereinschronik

  • Die Gründungsversammlung des „Ski-Clubs Tirschenreuth e.V.“ fand am 23.November 1951 im Vereinslokal „Cafe Meißner“ statt. Erster Vorsitzender war Ludwig Hartwich.
  • Schon im Januar 1952 wurde der erste Langlauf-Wettbewerb „Rund um Tirschenreuth“ durchgeführt
  • 1953 fand am Bahnhofsgelände ein ungewöhnliches Ski-Jöring statt. Dabei ließen sich die Starter von Autos ziehen. Sieger wurden Wild/Röstl „auf Opel Kapitän“. In den folgenden Jahren gehörten Vereinsmeisterschaften, Stadtwettkämpfe, Skikurse oder die Teilnahme an Wettbewerben zum festen Programm.
  • 1953 plante man sogar den Bau einer Skisprungschanze auf der Altglashütte. Finanzierungsunterlagen und Bauplan waren bei den Behörden eingereicht. Warum der Bau nicht erfolgte, ist nicht bekannt.
  • 1960 Einweihung der „Skihütte“ am Schloßberg am Rothenbürger Weiher.
  • 1973 Durchführung des ersten Skihüttenfestes.
  • 1976 Erster Tirschenreuther Grasski-Slalom.
  • 1980 Baubeginn der Tennisplätze im Büttelloch, 1983 Freigabe der Plätze und Einweihung des neuen Vereinsheims.

"Die waren alle noch gar nicht auf der Welt, als ich den Vorsitz übernommen habe.

Horst Wettinger (lachend) über die junge Führungsmannschaft

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