01.02.2021 - 14:12 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Eishalle wird nicht zur Kreishalle

Die Mitterteicher Eishalle ist zwar derzeit geschlossen, aber sie hat Zukunft: Nach der staatlichen Förderzusage für eine Sanierung folgt der Beschluss des Landkreises, sich stärker am Defizit zu beteiligen.

Für den Betrieb der Eishalle hat die Stadt Mitterteich jetzt eine größere finanzielle Unterstützung des Landkreises erreicht.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

27 Jahre nach der Einweihung sieht es für die Eissporthalle in Mitterteich gar nicht schlecht aus. Die Stadt bekommt für die nötige Sanierung gut zwei Millionen Euro – die höchste Einzelsumme, die in Bayern aus dem "Investitionspaket zur Förderung von Sportstätten“ genehmigt wurde. Und der Landkreis greift mit einer erhöhten Pauschale bei den Betriebskosten ein.

Vom Tisch ist jedoch eine Übernahme der Halle durch den Landkreis. Das hatte ursprünglich Bürgermeister Stefan Grillmeier beantragt. Zur Begründung hieß es, dass die Stadt Mitterteich auf Bedarfszuwendungen angewiesen ist und freiwillige Leistungen senken muss. Das betrifft allerdings auch den Landkreis Tirschenreuth, wie im Kreisausschuss deutlich wurde. "Es herrscht Einigkeit darüber, dass eine Übernahme nicht möglich ist", informierte Landrat Roland Grillmeier. Sowohl das Personal als auch die Infrastruktur, beispielweise zur Energieversorgung, seien vertraglich mit der Stadt verknüpft.

Steigende Betriebskosten

Als ehemaligem Bürgermeister lag dem Landrat aber auch die Argumentation aus Mitterteich nicht fern. "Ich weiß selber, was da dran hängt", verwies er auf steigende Betriebskosten. Mit den Vertretern aller Fraktionen habe man deshalb schon im Vorfeld der Sitzung einen Kompromiss besprochen: Statt wie bisher mit einem Drittel des Defizits, jedoch maximal 50.000 Euro jährlich, solle sich der Landkreis mit einer dauerhaften Pauschale von 65.000 Euro beteiligen.

Dieser Vorschlag ergab sich aus einem durchschnittlichen Jahresdefizit von rund 113.000 Euro. Der neue Anteil des Landkreises sollte zwar nicht über 50 Prozent steigen, aber künftig auch die bisher nicht einberechneten Personalkosten von 20.000 Euro im Jahr mit abdecken. "Die Bedeutung der Eishalle ist auch wegen mangelnder anderer Wintersportmöglichkeiten gestiegen. Viele Schulen nutzen die Einrichtung", warb Landrat Grillmeier um Unterstützung.

Höhere Pauschale

Bei sämtlichen Fraktionen stieß der Antrag auf offene Ohren. Schließlich sprang sogar eine um 5000 Euro höhere Pauschale heraus, nachdem Bürgermeister Grillmeier die Wunschvorstellung der Stadt mit 75.000 Euro umrissen hatte. Er appellierte, sich aus Solidarität in der Mitte zu treffen: "Wir haben 20 Jahre das Defizit alleine getragen." Die Halle habe überregional große Strahlkraft, verursache aber auch enorme Kosten.

Diese Argumentation Grillmeiers erinnerte seinen Tirschenreuther Amtskollegen zwar an einen orientalischen Basar, aber letztlich trug auch Franz Stahl den Beschluss zur Pauschale von 70.000 Euro jährlich mit. Für die Saison 2020/21, die wegen der coronabedingten Schließung mit einem geringeren Defizit enden wird, soll in Absprache mit Kämmerer Klaus Pöllmann nach den tatsächlich anfallenden Kosten zu einem Drittel abgerechnet werden.

Kein Diskussionsbedarf

Über die grundsätzliche Bedeutung der Eishalle gab es im Kreisausschuss keinerlei Diskussionsbedarf. Bernd Sommer (CSU) führte den Wert sportlicher Betätigung ins Feld, dankte der Stadt für den Betrieb und hoffte auf baldige Öffnung. Für Hans Klupp (Freie Wähler) stand außer Frage, dass die Halle erhalten und vernünftig finanziert werden muss. Solidarisch mit Mitterteich zeigte sich Uli Roth (SPD): "Wenn sich die Stadt den Betrieb nicht mehr leisten könnte, hätte der ganze Landkreis etwas verloren."

Matthias Grundler (Zukunftsliste) hielt es für ein vertretbares Entgegenkommen, sich auch an den Personalkosten zu beteiligen: "Wenn wir uns auf 70.000 Euro einigen, sollten aber auch nicht jedes Jahr Kostensteigerungen diskutiert werden." Die deutliche Erhöhung der Unterstützung hielt auch Heidrun Schelzke-Deubzer (Grüne) für angemessen. "Die Halle ist die einzige Einrichtung, wo sich Jugendliche aus dem ganzen Landkreis treffen", sagte sie auch im Hinblick auf die vom Kreis eingesetzten Busse.

Hintergrund:

Mit WAA-Ausgleichsmitteln zur Eishalle

  • Am 20. November 1993 war Einweihung der Mitterteicher Eissporthalle.
  • Der Neubau zwischen Freibad und Tennisplätzen kostete 14,6 Millionen Mark.
  • Möglich wurde das Projekt durch die Verwendung von 7,2 Millionen Mark aus dem sogenannten WAA-Ausgleichstopf des Freistaates, nachdem die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf nicht gebaut wurde. Der Kreistag entschied sich, das Geld nicht in den Straßenbau zu stecken, sondern in die Eishalle in Mitterteich zu investieren.
  • An Eigenmitteln steuerte der Landkreis knapp 2 Millionen Mark zum Bau bei. Für den Rest, vor allem auch die Betriebs- und Reparaturkosten, sollte die Stadt Mitterteich allein als Träger aufkommen.
  • Nach wiederkehrenden Klagen der Stadt Mitterteich über die hohen Ausgaben rang sich der Kreistag 2015 zu einer Kostenbeteiligung durch: Ein Drittel des Defizits, höchstens aber 50.000 Euro jährlich, übernahm der Landkreis.
  • Diese Vereinbarung galt bis 2020. Der Landkreis überwies jährlich einen Betrag zwischen 31.000 und 37.000 Euro.
  • Ab der Saison 2021/22 kann die Stadt Mitterteich mit einer Pauschale von 70.000 Euro im Jahr vom Landkreis rechnen.

Der Staat fördert die Sanierung der Eishalle mit zwei Millionen Euro

Mitterteich

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