24.06.2021 - 16:14 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Elektrifizierung der Bahn im Landkreis Tirschenreuth lässt Fragen offen

Dass die Bahnstrecken der Region elektrifiziert werden müssen, darüber besteht meist grundsätzliche Einigkeit. Bei Detailfragen wird es schon schwieriger. Das zeigt die Debatte um eine Resolution im Kreisausschuss.

Auch am Bahnhof Neusorg wird sich einiges ändern. Ein Gleis muss verlängert und der Bahndamm verbreitert werden, außerdem ist ein neues Stellwerk geplant. Von der bis 2030 anvisierten Elektrifizierung der Strecke Nürnberg-Marktredwitz-Schirnding sind fünf Gemeinden im Landkreis Tirschenreuth betroffen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Landrat Roland Grillmeier legte im Kreisausschuss eine Resolution aus dem Kreistag Bayreuth mit der Bitte um Unterstützung vor. In dem von den Nachbarn verabschiedeten Papier geht es darum, auf die Elektrifizierung der Strecke Nürnberg-Marktredwitz-Schirnding zu drängen. Das Projekt dulde keine qualitativen Abstriche und keinen zeitlichen Verzug, heißt es in der an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gerichteten Resolution.

Die feste Verankerung des Abschnitts im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans sei ein struktureller Meilenstein für die gesamte Franken-Sachsen-Magistrale von Nürnberg bis Dresden. Mit Sorge verfolge man jedoch eine Gefährdung der konkreten Realisierung "aufgrund marktbedingter Kostensteigerungen und einer damit verbundenen negativen Veränderung des Nutzen-Kosten-Faktors". Grundlegende Ausbauelemente dürften nicht qualitativ herabgestuft werden, fordern die Bayreuther und pochen auf die strategische Bedeutung des Schienenabschnitts im transeuropäischen Streckennetz.

Hohe Kosten für Gemeinden

Letztlich verweigerte niemand im Kreisausschuss der Resolution die Unterstützung, doch fehlten einigen Mitgliedern weitere Informationen, die ein Vertreter der Bahn demnächst liefern soll. Vor allem die Tatsache, dass die direkt anliegenden Gemeinden ablehnend bis wenig begeistert reagierten, kam zur Sprache: Waldershof und Neusorg unterstützten die Resolution grundsätzlich, Kulmain und Pullenreuth nicht, Immenreuth sieht den Inhalt zweischneidig. Der Grund: Die Kommunen werden bei den notwendigen Verbesserungen der Infrastruktur, etwa dem Ausbau von Brücken, kräftig zur Kasse gebeten.

"Wir sind in Wiesau auch mit einer sehr schönen Großbrücke gesegnet", erläuterte Toni Dutz (CSU) die negativen Folgen der Elektrifizierung. An der Notwendigkeit des Ausbaus bestehe zwar kein Zweifel, aber die Bahn mache sich bei der Finanzierung einen schlanken Fuß: "Die Beiträge können eine Gemeinde finanziell ruinieren." Der Wiesauer Bürgermeister plädierte für eine Anhörung mit einem Bahnvertreter: "Auch um zu zeigen, es ist nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen."

Problem: Vorteilsausgleich

Uli Roth (SPD) verwies darauf, dass die Bahn schon in allen betroffenen Gemeinden informiert habe und ein weiterer Vortrag im größeren Kreis wohl nichts bringen werde. Hauptproblem sei der sogenannte Vorteilsausgleich beim Streckenausbau: "Entscheidend ist, ob ein Zug über eine Brücke oder unten durch fährt." Dieses Bundesgesetz gelte es, kommunalfreundlicher zu gestalten. Dass Gemeinden für notwendige Brückenbauwerke zahlen müssten, sorge natürlich für Unmut.

Letztlich unterstützte der Kreisausschuss die Bayreuther Resolution, wollte aber auf weitere Informationen über die Folgen der Elektrifizierung nicht verzichten. Eventuell soll das bei einer Dienstversammlung der Bürgermeister geschehen.

Für die Elektrifizierung der Bahnmagistrale von Nürnberg bis Dresden beteiligt sich der Landkreis an einer Kooperation

Tirschenreuth

"Wir sind in Wiesau auch mit einer sehr schönen Großbrücke gesegnet."

Bürgermeister Toni Dutz

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.