16.08.2019 - 16:08 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ernte im Landkreis Tirschenreuth fällt leicht unterdurchschnittlich aus

Pflanzenwachstum ist immer auch stark vom Wetter abhängig. Deshalb kann Johannes Schrems, der Pflanzenbauberater am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Aelf) derzeit nur eine Prognose für die Ernte im Landkreis abgeben.

Die Getreideernte im Landkreis Tirschenreuth ist weitestgehend abgeschlossen.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Bevor die endgültigen Zahlen vorliegen, sehe es so aus, dass, was Grünland betreffe, die ersten beiden Schnitte zufriedenstellend und qualitativ gut gewesen seien. Die Trockenheit im Juli habe den Wiesen allerdings sehr zugesetzt, so dass der dritte Schnitt stark gelitten habe und sogar mit dem Ausfall eines kompletten Schnittes gerechnet werden müsse, was einer Einbuße von rund 25 Prozent entspreche. In guten Jahren fänden bis in den Oktober hinein vier bis fünf Schnitte statt.

Bei der Wintergerste müsse man nach Bodenart unterscheiden. Lieferten die schweren Böden durchschnittliche oder sogar leicht überdurchschnittliche Erträge 80 dt/ha (80 Dezitonnen oder 8 Tonnen je Hektar), konnten auf leichten Böden nur unterdurchschnittliche 60 dt/ha erwirtschaftet werden. Positiv zur erwähnen sei der geringe Krankheitsdruck, so dass heuer wieder gesundes Stroh geborgen werden könne, das als gutes Strukturfutter in Milchviehrationen Verwendung finde.

Geringer Krankheitsdruck

Beim Weizen sei zu befürchten, dass durch die Trockenperiode während der Reifezeit die Kornfüllung beeinträchtigt ist, was geringere Erträge zur Folge haben werde. Auch beim Weizen sei der Krankheitsdruck heuer sehr gering gewesen, was weniger Pflanzenschutzaufwand bedeute. Gleiches gelte für andere Getreidearten wie Triticale (Futtergetreide aus einer Weizen-/Roggenkreuzung) oder Sommergerste. In diesem Jahr sei viel Getreide als Ganzpflanzensilage geerntet worden. Die Landwirte befürchteten ein weiteres Jahr mit trockenheitsbedingter Futterknappheit und hätten deshalb so ihre Grundfuttervorräte aufgestockt.

Beim Winterraps gestalte sich eine Prognose schwierig. Festzustellen sei, dass sich der Raps bei geringem Krankheits- und Schädlingsdruck gut entwickelt habe - eher ein gutes Erntejahr. "Die Trockenheit im Frühjahr wird dem Raps dennoch einige Dezitonnen an Ertrag gekostet haben", vermutet Schrems. Nach Aussagen von Landwirten, die bereits geerntet haben, sei der Ertrag nämlich trotz des geringen Krankheits- und Schädlingsdrucks mit etwa 35 dt/ha eher unterdurchschnittlich ausgefallen.

Die kühle Witterung im Mai habe den Wärme liebenden Mais ausgebremst. Die momentanen Niederschläge seien eine Wohltat für ihn und er entwickle sich meist gut. Auf Standorten mit leichten Böden habe er aufgrund der vielen Sonneneinstrahlung bereits früh mit dem einrollen der Blätter begonnen, um Wasser zu sparen. Vereinzelt sei es im Landkreis beim Mais auch zu Hagelschäden gekommen. Davon betroffen seien Betriebe in Pullenreuth und Waldershof.

Die landwirtschaftliche Nutzfläche betrage im Landkreis mehr als 42 700 Hektar. 70 Prozent davon seien Ackerflächen, der Rest Grünland. Auf die Ackerflächen entfielen 23 Prozent für Silomais. Sommergerste schlage mit 15, Wintergerste mit 11 und Winterweizen mit 13 Prozent zu Buche. Kleegras spiele zu 11 Prozent eine Rolle, der Anteil an Ackergras betrage 2 Prozent. Winterraps stehe auf 7 Prozent der Ackerfläche, Kartoffeln auf 1 Prozent. Triticale machten 5 und Hafer 2 Prozent aus. Daneben wachsen in Nischenkulturen noch geringe Mengen an Hafer, Erbsen, Ackerbohnen und Roggen.

Blaues Auge

Insgesamt gesehen wäre man heuer schon besser dran als im vergangenen Jahr. Im langfristigen Vergleich bewege man sich leicht unter dem Durchschnitt. Weil es über weite Strecken wieder sehr trocken gewesen sei, habe es kaum Pilzbefall gegeben. Die Trockenperiode sei aber nicht mit der im Vorjahr vergleichbar. 2018 musste massiv Futter zugekauft werden. Das kam aus dem Allgäu, Tschechien, Baden Württemberg und aus den neuen Bundesländern. Dafür gab es Förderung vom Staat. 140 Anträge seien im Landkreis gestellt und dafür rund 700 000 Euro ausbezahlt worden, so dass man noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen sei.

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