12.04.2021 - 14:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ex-Partner streiten vor Gericht um zwei Kommoden

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Rasenmäherbulldog, Waschmaschine, Thermomix, Kommoden: Weder Staatsanwaltschaft noch Verteidigerin war klar, warum sich ein getrennt lebendes Ehepaar wegen solcher Lappalien streitet.

Der Streit zweier Ex-Partner landete vor dem Amtsgericht Tirschenreuth.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Um die Habseligkeiten aus dem ehemals gemeinsamen Hausstand streitet ein getrennt lebendes Ehepaar aus dem westlichen Landkreis. Die Auseinandersetzung ging so weit, dass die 29-jährige Frau ihren Ex wegen Unterschlagung und Sachbeschädigung anzeigte und der Fall vor dem Amtsgericht in Tirschenreuth verhandelt wurde.

Streit um Kommoden und Handy

Als sich das Paar vor einem Jahr trennte, blieb der 30-Jährige zunächst im gemeinsamen Haus wohnen. Die 29-Jährige zog mit den beiden Kindern vorübergehend zu ihren Eltern. In einem familiengerichtlichen Verfahren einigten sich die Ex-Partner darauf, dass der Mann Anfang Dezember 2020 auszieht.

Als sie diesmal im Gerichtssaal sitzen, können sich die getrennt Lebenden kaum ansehen. Die 29-Jährige wirft ihrem Ex vor, aus der Ehewohnung zwei Kommoden im Zeitwert von 400 Euro mitgenommen zu haben. Die Möbel habe sie von ihrer Großmutter zum Einzug geschenkt bekommen.

"Das sind meine Kommoden", behauptet der Mann. Er habe sie von der Oma seiner Ex zum Dank bekommen, weil er und seine Familie das Haus kernsaniert hätten. Außerdem soll der 30-Jährige der fünfjährigen Tochter bei einem Besuch ein I-Phone, das Zweithandy der Mutter, abgenommen haben. "Das stimmt nicht. Ich habe ja ein eigenes Handy", verteidigt sich der Mann. Auch andere Gegenstände, wie die Waschmaschine, soll er nach Angaben der Frau mitgenommen haben. Außerdem beschuldigt sie den Angeklagten, vor seinem Auszug im ehelichen Anwesen mehrere Heizstromkabel mutwillig durchgezwickt zu haben. "Die will mir eins reinwürgen", sagt der 30-Jährige über diese Behauptung. Die Kabel habe er nicht durchtrennt.

Komplizierte Familienverhältnisse

Seine Frau habe das komplette Wohnzimmer ausgeräumt, den Thermomix und auch den Rasenmäherbulldog mitgenommen. "Sie hat auch viel vom gemeinsamen Eigentum mitgenommen, da hätte ich sie auch jedes Mal anzeigen können." Seine Verteidigerin Claudia Erk erklärt, dass ihrem Mandanten zudem alle Rechnungen aus dem gemeinsamen Haus zugeschoben würden - etwa die Stromrechnung für ein Jahr von über 8000 Euro. "Warum man wegen solcher Lappalien Anzeige erstattet, ist mir völlig unklar", sagt die Verteidigerin. Besonders, wenn die Angeklagte selbst hergehe und Sachen aus dem Anwesen nehme, die im Miteigentum ihres Ex-Partners seien. "Da kann man ja bei jedem einzelnen Gegenstand anfangen zu streiten und sagen, das war Diebstahl", spricht Erk die verfahrenen Familienverhältnisse an.

Der Staatsanwalt sieht, dass das Paar überhaupt nicht mehr miteinander auskommt, will aber dennoch die Besitzlage der Gegenstände aus dem gemeinsamen Haus geklärt haben. Er schlägt vor, das Verfahren unter der Auflage einzustellen, dass der Angeklagte die Kommoden zurückgibt. Diese Lösung hält auch Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß für halbwegs vernünftig. So müsse man die kleine Tochter auch nicht mehr verhören. Der Angeklagte und seine Verteidigerin stimmen zu.

"Warum man wegen solcher Lappalien Anzeige erstattet, ist mir völlig unklar."

Verteidigerin Claudia Erk

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Tirschenreuth

 

 

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