22.08.2019 - 16:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Faschingsfeier endet mit Haftstrafe

Wegen massiven Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, eines tätlichen Angriffs auf Polizisten und Sachbeschädigung muss sich ein 27-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Mit fast zwei Promille im Blut randalierte ein türkischstämmiger Nordrhein-Westfale im Februar bei einer Faschingsparty im westlichen Landkreis. Wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und massiven Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und eines tätlichen Angriffs, während diese ihren Dienst ausübten, muss sich der 27-jährige Angeklagte verantworten. Verteidiger Björn Rüthers reiste für die Verhandlung am Amtsgericht in Tirschenreuth aus Bochum an. Er verlas die Aussage des gebürtigen Esseners, der aktuell in Recklinghausen, einer Kreisstadt im Nordwesten von Nordrhein-Westfalen, wohnt. "Er kann sich nicht konkret an alles erinnern", beginnt Rüthers. Der derzeit arbeitslose 27-Jährige sei im Februar mit einem Kollegen auf eine Faschingsparty gegangen. "Er hat extrem viel Alkohol getrunken." Weil sie sich nicht mehr benommen haben, ermahnte der Sicherheitsdienst die Freunde und verwies sie des Zeltes.

Der Angeklagte und sein Freund hätten im Zelt Leute geschubst und angepöbelt, erinnert sich ein Security-Mitarbeiter. "Da waren sie noch recht friedlich", bis sie aus dem Zelt raus mussten. "Der Angeklagte hat sich da sehr rein gesteigert", meint der Verteidiger. "Er wollte noch a wengl raufen und hat uns ständig beleidigt", sagt der Mann vom Sicherheitsdienst. "Er hat nicht verstanden, warum er nicht mehr ins Zelt darf." Ein Taxifahrer beobachtete die Szene von seinem Fahrzeug aus. In seiner Wut trat der 27-Jährige "mit voller Wucht" gegen die Fahrertür des vor dem Festzelt stehenden Taxis und lief davon. "Ich bin unendlich erschrocken", erzählt der Taxifahrer.

Der Sicherheitsdienst verfolgte ihn, brachte ihn zu Boden und fixierte den Betrunkenen. Der junge Mann wehrte sich massiv, wand sich und trat mit den Beinen. Ein weiterer Taxifahrer rief die Polizei.

Massiver Widerstand

"Der Angeklagte war sehr aggressiv und aufgebracht", erinnert sich der Polizist bei seiner Aussage. "Die zwei Securitys hatten alle Mühe, den Mann festzuhalten." Die Beamten legten dem Angeklagten noch im Liegen Handschellen an. Ein Gespräch mit dem 27-Jährigen sei nicht möglich gewesen. Drei Männer mussten dem Angeklagten zum Streifenwagen tragen. Dabei trat mit den Beinen nach den Polizisten und gegen die Türverkleidung, schlug mit dem Kopf. Dazu rief er ständig Beleidigungen wie "Hurensöhne" und "fickt euch". Es waren wieder drei Beamte nötig, um den Mann aus dem Polizeiauto in eine Arrestzelle der Polizeiinspektion Kemnath zu bringen. Dabei bespuckte der 27-Jährige die Beamten. Zur Blutentnahme musste er gezwungen werden. Im ärztlichen Untersuchungsbericht, den Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß verlas, heißt es, dass der Angeklagte unter deutlichem Alkoholeinfluss stand. Der Blutalkoholtest von 1.13 Uhr ergab 1,95 Promille, zum Tatzeitpunkt seien 2,5 Promille wahrscheinlich gewesen. Der Angeklagte zeigte sich gänzlich unkooperativ. An das, was in der Arrestzelle passierte, könne sich der Nordrhein-Westfale nicht erinnern.

Er bereut sein Verhalten: "Es tut mir unendlich Leid. Ich schäme mich, wie ich mich benommen habe." Probleme in der Familie und falsche Freunde hätten ihn auf die schiefe Bahn gebracht, erzählt er. Als 13-Jähriger kam er zum ersten Mal mit Alkohol in Kontakt. Die Hauptschule verließ er nach zehn Schuljahren ohne Abschluss. 2007 war der Angeklagte das erste Mal aktenkundig, der letzte Vorfall war 2018: Diebstahl, unerlaubte Einfuhr von Drogen, unerlaubter Waffenbesitz, Wohnungseinbruch und Diebstahl mit Waffen, Erschleichung von Leistungen, Beihilfe zum Diebstahl in besonders schwerem Fall. Eine Freiheitsstrafe von über einem Jahr saß er bereits ab. Nach Teilzeit- und Aushilfsjobs begann er vor fünf Jahren eine Ausbildung als Sicherungsposten bei der Deutschen Bahn. "Nach dem Vorfall in Bayern wurde ich rausgeschmissen", sagt der Angeklagte.

"Ich denke, ich habe mich jetzt gut im Griff", beteuert der 27-Jährige. Den Alkoholkonsum habe er bis auf ein, zwei Bier pro Woche reduziert. Professionelle Hilfe holte sich der Nordrhein-Westfale nicht. Mit der Mutter habe er sich ausgesprochen. Die Frau bricht während der Aussage ihres Sohnes in Tränen aus. "Ich bin äußerst skeptisch, wenn jemand über so viele Jahre Suchtmittel konsumiert", sagt Richter Weiß. "Da muss man sich helfen lassen."

Die Staatsanwältin fordert eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten. Zugunsten des Angeklagten spreche zwar, dass er geständig und reuig sei. Außerdem bemühe er sich um Schadenswiedergutmachung. Allerdings sei der 27-Jährige mehrmals vorbestraft und begann diese Tat in offener Bewährung. Die massive Aggressivität, das Spucken auf Beamte und die hohe Rückfallgeschwindigkeit schließe auf "hartnäckig rechtswidriges Verhalten".

Keine Bewährung möglich

Verteidiger Rüther plädierte auf Bewährung. "Die Höhe der Freiheitsstrafe liegt im Ermessen des Richters", sagte er. "Der Angeklagte backt hier heute extrem kleine Brötchen." Er sei geständig und mit 1,95 Promille kurz vor der verminderten Schuldfähigkeit. "Ihm ist bewusst, was für eine Scheiße er gebaut hat." Der Angeklagte wolle ab jetzt ein geregeltes Leben führen.

Richter Thomas Weiß verurteilt den 27-Jährigen zu einem Jahr und zwei Monaten Freiheitsstrafe. Den Alkoholeinfluss will er nicht als strafmildernd ansehen. "Sie wissen, dass sie unter Alkoholeinfluss Blödsinn machen." Weil er massiv gegen Sicherheitsdienst und Polizei vorging und erheblich vorbestraft ist, entschied sich Weiß für die "empfindliche" Strafe.

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