23.09.2019 - 15:58 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Bei Faschingsparty komplett ausgerastet

Ein 27-Jähriger aus dem Landkreis randalierte auf einer Faschingsfeier. Vier Mann hatten zu tun, den Betrunkenen zu bändigen. Dann bespuckte er auch noch einen Polizisten. Dennoch forderte sein Verteidiger die Einstellung des Verfahrens.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Ein 27-Jähriger aus dem Landkreis randaliert auf einer Faschingsfeier. Vier Mann haben zu tun, den Betrunkenen zu bändigen. Dann bespuckt er auch noch einen Polizisten. Dennoch fordert sein Verteidiger die Einstellung des Verfahrens.

Verhandelt wurde dieser Vorfall nun vor dem Amtsgericht in Tirschenreuth. Laut Anklage wurde dem 27-jährigen Baugeräteführer aus dem östlichen Landkreis ein tätlicher Angriff und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte mit versuchter Körperverletzung vorgeworfen. Bei einer Faschingsparty der Feuerwehr hatte der 27-Jährige im März zu viel gebechert, am Nachmittag schon während des Faschingsumzugs am Marktplatz und am Abend auf der Feier mehrere Wodka-Red-Bull an der Bar. "Ab halb elf weiß ich gar nichts mehr", sagte er. Um 9.30 Uhr wachte er im Krankenhaus auf und erfuhr, wie der Abend endete.

Laut Freunden und Bekannten hatte er im Verlauf des Abends noch mehr getrunken und war zwischendurch am Tresen eingeschlafen. Ein Feuerwehrmann, der beim Fest mithalf und aufräumen wollte, berichtete, dass der Betrunkene später Stühle und Gläser umwarf, weil er keinen Schnaps mehr bekam. Der Angeklagte stolperte über seine eigenen Füße, gab dem Feuerwehrmann, der auf den 27-Jährigen zugegangen war, einen Schlag mit und fiel zu Boden. Damit er nicht weiter randalierte, hielt der Mann den Betrunkenen fest und rief dessen Schwager zu Hilfe. Er habe dem jungen Mann aufgeholfen und ihn gebeten, nach Hause zu gehen, doch der Angeklagte sei immer aggressiver geworden. "Ich habe ihn an dem Abend nicht wiedererkannt. So hab' ich ihn noch nie erlebt", sagte der Schwager über seinen Freund. Zu viert hatten die Feuerwehrmänner ihn dann auf einer Eckbank festgehalten, bis die Polizei kam.

Komplett weggetreten

Als die beiden Beamten mit einem Praktikanten gegen 4.45 Uhr bei der Faschingsparty ankamen, hörten sie lautstarkes Geschrei. "Mit beruhigen war nicht viel", sagte ein 19-Jähriger, der zur Tatzeit Polizeipraktikant war, aus. "Der kräftige Mann war nur schwer unter Kontrolle zu bringen", erinnerte sich einer der Polizisten. "Es sind viele Beleidigungen gefallen."Auch auf seine Feuerwehrkameraden schimpfte der 27-Jährige ein.

Weil sich der Betrunkene nicht beruhigte, legten ihm die Polizisten Handschellen an - was nur unter erheblichen Kraftaufwand gelang. Mit Händen und Füßen wehrte sich der Angeklagte nach Angaben der Beamten gegen die Griffe. Er musste von vier Personen - an jedem Körperteil eine - festgehalten werden. "Er lallte jedes einzelne Wort", sagte einer der Beamten aus. "Er hat überhaupt nicht überrissen, was passiert", schilderte ein anderer. Die Auseinandersetzung hätte den Gipfel erreicht, als der 27-Jährige einen Polizisten ins Gesicht gespuckt habe.

Erst als ihm der Notarzt ein Beruhigungsmittel verabreichte, entspannte sich die Situation. Die Sanitäter brachten den Betrunkenen ins Krankenhaus, weil er nicht haftfähig war. Dort wurde eine Blutalkoholkonzentration von 2,3 Promille festgestellt. "Was da passiert ist, das bin ich nicht. Ich weiß, dass man das nicht macht", sagte der Angeklagte. "Ich hab den kompletten Landkreis abgeklappert, um zu erfahren, was für eine Scheiße ich gebaut hab'." Einige Tage nach der Tat entschuldigte er sich bei den Polizisten und weiteren Beteiligten.

Der Verteidiger beantragte die Einstellung des Verfahrens. "Er hat die Polizei nicht als solche erkannt." Sein Mandant habe nicht gezielt geschlagen oder speziell die Polizisten beschimpft. Auch das Spucken sei keine Absicht gewesen: Der 27-Jährige habe aus der Nase geblutet. Weil seine Hände fixiert gewesen seien, habe er das Blut nicht abwischen können und deshalb gespuckt. Und: "Er heiratet in ein paar Tagen."

Richter Thomas Weiß und die Staatsanwältin ließen sich davon nicht erweichen. "Ein Polizeibeamter, der anderen zu Hilfe kommt, muss sich das nicht gefallen lassen, von einem Betrunkenen so angegangen und bespuckt zu werden." Das Gericht sei angehalten, härter gegen Angriffe auf die Polizei vorzugehen. Die Staatsanwältin willigte schließlich ein, das Verfahren einzustellen: "Dann muss die Auflage aber richtig wehtun." Eine Geldstrafe von mindestens zwei Monatsgehältern plus Schmerzensgeld in Höhe von 800 Euro, das der bespuckte Polizist forderte.

3800 Euro Geldstrafe

Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß stellte das Verfahren gegen den Angeklagten ein. Auflage dafür ist eine Geldstrafe von 3000 Euro, die der Landkreisbewohner an die Aktion "Houst a Hirn" des Kreisjugendrings zahlen muss. Dazu kommen die 800 Euro Schmerzensgeld. Weiß begründete seine Entscheidung damit, dass diese Tat deutlich von vergleichbaren Vorfällen von Widerstand gegen Vollstreckungsbeamten abweiche. Weil der 27-Jährige seine Schuld einsehe, könne das Verfahren ausnahmsweise eingestellt werden. "Und jetzt reißen Sie sich mal am Riemen und hören mit dem Trinken auf", forderte Weiß den Angeklagten auf, der wegen einer Trunkenheitsfahrt schon vorbestraft ist. Nach Abzahlung der Geldstrafe steht weiterhin nur dieser Eintrag in seiner Akte.

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