Fast halbe Million Euro für mehr Artenvielfalt im Landkreis Tirschenreuth

Tirschenreuth
24.01.2023 - 13:25 Uhr

Wie ist es möglich, das Artensterben zu stoppen oder zumindestens einzubremsen? Mit diesem Thema beschäftigt sich im Landkreis Tirschenreuth die Untere Naturschutzbehörde, die dafür auch Fördermittel zur Verfügung hat.

Arnika-Pflanzen benötigen eine besondere Pflege. Mit Fördermitteln konnte an mehreren Standorten im Landkreis Tirschenreuth die Grasnarbe gelockert werden, da Jungpflanzen nur an offenen Bodenstellen nachwachsen können.

Die Trockenheit der vergangenen Jahre hat den Rückgang von bedrohten Arten oftmals verstärkt und den Fokus auf zwei eng verknüpfte und sich verstärkende Probleme gelenkt: Klimawandel und Artensterben. Diese negativen Entwicklungen haben auch vor dem Landkreis Tirschenreuth nicht Halt gemacht.

Die Populationen der Amphibien in der Waldnaabaue gehen zurück, "trotz vieler Maßnahmen von engagierten Teichwirten und Naturschutzvereinen", wie die Untere Naturschutzbehörde mitteilt. Und sie nennt noch ein Beispiel: War das Rebhuhn vor ein paar Jahren noch mit mehreren Brutpaaren bei Kastl zu finden, konnte in den vergangenen Jahren kein Nachwuchs im Landkreis nachgewiesen werden. Natürlich seien nicht alle Arten von einem Rückgang betroffen, aber diese Beispiele sollten verdeutlichen, "wie besonders sensible Highlight-Arten unsere Unterstützung brauchen".

Später Schnittzeitpunkt

Um dem Artensterben und Klimawandel entgegenzuwirken, habe das Bayerische Umweltministerium und Landwirtschaftsministerium seine Bemühungen deutlich verstärkt. Von dieser Entwicklung profitiere auch der Landkreis Tirschenreuth. Die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth konnte 2022 für ökologische Bewirtschaftung von Flächen oder Maßnahmen zur Verbesserung der Biodiversität und des Naturhaushaltes eine Rekordsumme von mehr als 450 000 Euro Fördermittel zur Auszahlung bereitstellen.

Es gebe inzwischen eine Vielzahl an Förderprogrammen für Landwirte, Privatpersonen, Kommunen und Vereine. Für den staatlichen Naturschutz sind laut Behörde zwei Förderungen besonders wichtig: das Vertragsnaturschutzprogramm (VNP) sowie die Landschafts- und Naturparkrichtlinien (LNPR). "Die freiwillige Teilnahme von Landwirten und Flächenbewirtschaftern am Vertragsnaturschutzprogramm war letztes Jahr erfolgreicher denn je", wird Claudia Fuchs, Fachkraft für Naturschutz am Landratsamt, in der Mitteilung zitiert.

Im Bereich der Wiesen, Weiden, Äcker und Teiche hat das Amt knapp 220 000 Euro ausbezahlt. Besonders beliebt war hier für Grünland ein später Schnittzeitpunkt Mitte Juni oder Anfang Juli. Dies helfe Kräutern und Gräsern bei der Samenbildung, da viele der Arten wie Glockenblumen nur über Samen in den Wiesen überleben können. Für Waldbesitzer wurden über 118 000 Euro für die Förderung von Biotopbäumen, das Belassen von Totholz oder gar einen kompletten Nutzungsverzicht bereitgestellt.

Bei den LNPR-Mitteln flossen 104 000 Euro in den Landkreis Tirschenreuth, besonders beliebt war die Pflanzung von Streuobstbäumen. Außerdem wurden unter anderem Amphibientümpel angelegt, brachgelegene Feuchtwiesen wieder in Nutzung genommen und Nistkästen für Vögel angebracht. Hier konnten auch individuelle Pflegemaßnahmen für seltene Arten wie der Arnika durchgeführt werden, da die traditionelle Nutzung aus Beweidung und/oder spätem Schnittzeitpunkt (Öhmdwiesen) meist schon lange nicht mehr praktiziert wird und die Bewirtschaftung gezielt auf diese Art abgestimmt werden muss. Zudem wurden knapp 10 000 Euro für Bibermanagement abgerufen, vor allem zur Beseitigung von Biberschäden an Teichen oder landwirtschaftlichen Flächen.

Dass 2022 für den staatlichen Naturschutz ein erfolgreiches Jahr war und eine Fülle an Maßnahmen umgesetzt werden konnte, lag laut Mitteilung auch an der personellen Aufstockung der Unteren Naturschutzbehörde. Seit Januar 2022 unterstützen Rebekka Riebl als Fachkraft und Cornelia Straubinger als Biodiversitätsberaterin die Untere Naturschutzbehörde. Die Biodiversitätsberatung wurde nach dem erfolgreichen Artenschutzbegehren "Rettet die Bienen" eingeführt, um dem Insektensterben entgegenzuwirken und auch um individuelle Beratungen zu verstärken.

Ziele für 2023

Und wie geht es 2023 weiter? Laut der Mitteilung werden der Biotopverbund und die Verbesserung der Schutzgebiete in diesem Jahr verstärkt in den Fokus rücken. Einen wichtigen Beitrag werde das neue und in seiner Größe deutschlandweit einzigartige Projekt "Wilde Weiden" bei Gumpen (Gemeinde Falkenberg) leisten. Extensive Weiden, also eine geringe Tieranzahl, seien ein erfolgreich erprobtes Werkzeug zur Förderung der Biodiversität und den Erhalt einer solch einzigartigen Flusslandschaft wie der Waldnaabaue. Zu Beginn des Projektes soll es auch noch eine Informationsveranstaltung geben.

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Hintergrund:

Das VNP

  • Das Vertragsnaturschutzprogramm bietet Maßnahmen für die Biotoptypen Acker, Wiesen, Weiden und Teiche an.
  • Ziel der Maßnahmen ist die Erhaltung, Entwicklung oder Verbesserung ökologisch wertvoller Lebensräume.
  • Weitere Informationen: Homepage des Bayerischen Umweltministeriums oder Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Tirschenreuth
 
 

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