Mitte Februar ist Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) zu Gast beim Fischzuchtbetrieb von Alfred Stier und seinem Sohn Josef Stier in Bärnau gewesen. Die Stimmung war entspannt. Doch gute Stimmung hin oder her – jetzt braucht es Maßnahmen. Zumindest, wenn es nach dem Tirschenreuther Landrat Roland Grillmeier (CSU) geht. Denn seit gut einem halben Jahr liegen Abschüsse von Fischottern in der Oberpfalz auf Eis. Der Grund: Eine in ganz Deutschland aktive Naturschutzinitiative aus Rheinland-Pfalz hatte gegen eine Allgemeinverfügung geklagt, die das Töten der Tiere im Regierungsbezirk erlaubte. Mit Erfolg.
Zumindest aus Sicht der Naturschützer. Die Entscheidung fiel im Eilverfahren, das Hauptsacheverfahren steht noch aus. Inzwischen haben Umweltverbände auch gegen die jagdrechtliche Ausnahmeverordnung des gesamten Freistaats für die Jagd auf den Fischotter geklagt. Doch die Teichwirte leiden unter dem Hunger der Marderart. „Wir haben auf unseren Flächen nachweislich fast 50 Fischotter, die pro Tag mindestens 1,5 Kilogramm Fisch fressen“, sagt Josef Stier beim Besuch des Umweltministers in Bärnau gegenüber Oberpfalz-Medien. „Das führt natürlich dazu, dass man als 22-jähriger Betriebsnachfolger gewisse Zukunftsängste hat.“
Belastbare Zahlen nötig
Diese will Landrat Grillmeier den Teichwirten abnehmen. In einer Pressemitteilung des Landratsamts Tirschenreuth äußert er sich wie folgt: „Wir brauchen Lösungen und eine Absenkung des Schutzstatus des Fischotters.“ Heißt: Der Abschuss der Tiere soll erst einmal wieder möglich und erleichtert werden. Dabei soll Umweltminister Carsten Schneider helfen und das Thema auf die bundespolitische Landkarte bringen, „um den Schutz des Fischotters mit dem Erhalt der traditionellen, kleinstrukturierten Teichwirtschaft" zu vereinen. Denn Schutzzäune um Gewässer und Entschädigungen an die Teichwirte sind laut Grillmeier nicht ausreichend, um die Schäden, die die Fischotter anrichten, auszugeleichen oder präventiv zu verhindern.
Um den Bedarf der Absenkung des Schutzstatus deutlich zu machen, fordert der Landrat weitere Gutachten zur Otterpopulation in Tirschenreuth und der Oberpfalz vom Freistaat Bayern. Derzeit läuft ein Monitoring in ganz Bayern, bei dem Freiwillige helfen, die Tiere zu zählen.
Bund Naturschutz gegen Absenkung des Schutzstatus
Genauere Zahlen will auch der Bund Naturschutz (BN), erklärt der Leiter der Tirschenreuther Kreisgruppe, Werner Schubert. Denn ohne belastbare Zahlen sei es schwer, Entscheidungen über künftige Abschüsse zu treffen. Der BN sei offen für regionale Entnahmeregelungen. Allerdings nur für solche, die nicht über die vor der Klage bestehenden hinausgehen. Ergo: Eine Absenkung des Schutzstatus der Fischotter kommt für den BN nicht in Frage. Über die Klage der rheinland-pfälzischen Umweltschutzinitiative zur lokalen Regelung in der Oberpfalz sei man im Kreisverband selbst überrascht gewesen.
Würde diese gelten, dürften laut Pressesprecher des Landratsamts Tirschenreuth, Fabian Polster, fünf Fischotter im Kreis Tirschenreuth entnommen werden. 23 sind es in der gesamten Oberpfalz. „Die Bescheide für die Abschüsse liegen vor“, sagt Polster. Wann über die Klage letztendlich entschieden wird und ob die Fischotter dann wieder geschossen werden dürfen, sei noch unklar.
Unklar ist auch, ob sich seitens des Bundesumweltministers etwas in Sachen Fischotter tun wird. Gegenüber Oberpfalz-Medien äußert Schneider zwar: „Ich sehe die Sorgen der Fischwirte und der Teichwirte hier sehr deutlich und nehme das als Meinungsbild für mich mit in mein Haus.“ Doch der Fischotter, so Schneider, sei eben auch streng geschützt, da er nur in wenigen Regionen in Deutschland heimisch ist.

























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