Bärnau
13.02.2026 - 12:24 Uhr
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Warum ein SPD-Minister aus Berlin die Fischzucht des CSU-Bürgermeisters in Bärnau besucht

Nanu? Kurz vor der Kommunalwahl besucht der SPD-Bundesumweltminister den Fischzuchtbetrieb des Bärnauer CSU-Bürgermeisters. Das liegt vor allem an dem europaweit einzigartigen Betrieb selbst. Am Ende gibt es Lob von und für beide Seiten.

Alfred Stier ist gut gelaunt, haut die Sprüche nur so raus, und immer wieder gehen die Scherze auch auf Kosten der „Roten“, der SPDler. Von denen seien heute – so kurz vor der Kommunalwahl in Bayern – so viele bei ihm auf dem Betriebsgelände wie noch nie, sagt er. Sie alle sind gekommen, weil sich einer der wichtigsten SPD-Politiker Deutschlands, Bundesumweltminister Carsten Schneider, den Fischzuchtbetrieb von Alfred Stier in Bärnau anschaut. Stier ist Bürgermeister der kleinen Stadt – und bei der CSU.

Während der Bärnauer darüber auch witzelt, macht der Bundesminister keine große Sache daraus. „Das hat hier überhaupt nichts mit Parteipolitik zu tun“, sagt Schneider, 50, im Gespräch mit Oberpfalz-Medien. In Berlin arbeiteten die beiden Parteien ja ohnehin in der Koalition zusammen. Der Minister wollte sich unbedingt einen Teichbetrieb in der Oberpfalz anschauen, und dieser hier sei ihm empfohlen worden. Den Kontakt stellte die Oberpfälzer SPD-Bundestagsabgeordnete Carolin Wagner über den Fischereiverband Oberpfalz her.

Nachdem er mehr als eine Stunde über das Gelände – Holzvergaser, Madenproduktion, Indoorzuchtanlage – geführt wurde, ist Schneider „schwer beeindruckt“, wie er sagt. Der Minister aus Berlin lobt die Innovation, die Effizienz und Nachhaltigkeit des Betriebs. Lobt die Qualität der in einer Halle gezüchteten Fische: „Die sind in einem Zustand, wie man sie draußen, wenn man sie an der Angel hat, kaum besser findet.“

Garnelen aus der Oberpfalz

Der Fischzuchtbetrieb in Bärnau ist mit 15 Mitarbeitern und laut eigenen Angaben rund 4,5 Millionen Euro Umsatz im Jahr der größte in der Oberpfalz. Er vereint traditionelle Karpfen- und Forellenteichwirtschaft mit Indoor-Fischzucht, erklärt Juniorchef Josef Stier. Auf mehr als 100 Hektar produziere man rund 28 Fischarten: Karpfen und Forellen in den Teichen – aber auch Warmwasserfische wie Zander oder Salzwassergarnelen in einer Halle, in der die Temperatur des Wassers geregelt werden könne. „So können wir Fischarten produzieren, die sonst nur in fernen Ländern vorkommen“, sagt der 22-jährige Stier, der bereits Teile des Betriebs übernommen hat.

Dazu produziere man die Energie selbst, mit einem Holzvergaser, den sie hier nur „Gustl“ nennen. Ein anderes Thema sei die Fischernährung. Statt Fischmehl gebe man den Fischen Insekten zum Futtern. Die Insekten, die Schwarze Soldatenfliegenlarve, stelle man selbst her. Sie seien die ersten gewesen, erzählt Alfred Stier, die dafür mit einem bayerischen Start-up zusammenarbeiten. Ihr Betrieb sei „europaweit einzigartig“, sagt Juniorchef Josef Stier.

Zukunftsängste eines 22-Jährigen

Das bestätigt auch Bernhard Feneis, Präsident des Verbands der deutschen Binnenfischerei und Aquakultur, der bei dem Termin ebenfalls vor Ort ist. „Das ist ein Leuchtturmbetrieb“, sagt Feneis, der aus Weiden kommt. Es sei eine „singuläre Lösung“ für einen speziellen Betrieb. „Das löst aber nicht die grundlegenden Probleme der Teichwirtschaft in der Oberpfalz.“ Diese Lösung könne die vielen Betriebe, die aufgeben, nicht auffangen.

Sein Verband verliere fast täglich Mitglieder, sagt Feneis. Allein in der Oberpfalz seien in den vergangenen 30 Jahren mehr als 80 Prozent der Betriebe verschwunden. „Die meisten haben wegen Überalterung, mangelnder Wirtschaftlichkeit und immer strengerer Wasser- und Naturschutzvorschriften aufgehört“, sagt der Verbandspräsident.

Dazu komme das große Problem mit den Fischottern und den Kormoranen, das – anders als etwa in Sachsen – vor allem die Oberpfalz mit ihren vielen kleinen Teichen betreffe. Dass der Otter weiter so stark geschützt werde, könne Feneis nicht verstehen. Er forderte eine „konsequente Regulierung“, sprich: Abschuss.

„Wir haben auf unseren Flächen nachweislich fast 50 Fischotter, die pro Tag mindestens 1,5 Kilogramm Fisch fressen“, sagt Josef Stier. „Das führt natürlich dazu, dass man als 22-jähriger Betriebsnachfolger gewisse Zukunftsängste hat.“ Deswegen habe man sich bewusst für die Indoor-Fischzucht entschieden. Stier spricht von einem „Überlebensgedanken“. Sein Motto sei: Nicht aufgeben, sondern anpassen. „In der Garnele liegt die Zukunft“, sagt auch Seniorchef Alfred Stier. Sein Sohn hofft nun, dass der Besuch des Bundesumweltministers helfen könne, um „vielleicht zu einer regionalen Lösung zu kommen“, was den Fischotter angeht.

CSU-Lob für SPD-Minister

Carsten Schneider hört sich das alles genau an und bekommt dafür auch mehrmals Lob von Alfred Stier, der dem Minister „echtes Interesse“ und eine gewisse Kompetenz in Fischzuchtfragen attestiert. Insgesamt ist es – trotz der ernsten Themen, trotz Wahlkampf – ein entspannter Nachmittag und Abend in Bärnau, die Stiers und Schneider scheinen sich zu verstehen.

„Ich sehe die Sorgen der Fischwirte und der Teichwirte hier sehr deutlich und nehme das als Meinungsbild für mich mit in mein Haus“, sagt der SPD-Politiker zu Oberpfalz-Medien. Gleichzeitig betont er aber auch, dass er als Bundesminister für ganz Deutschland zuständig sei, es den Fischotter nur in ganz wenigen Regionen im Land gebe und dieser deswegen auch streng geschützt sei.

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