Manch Teichwirt will mit speziellen Teichanlagen dem Fischotter das Revier abriegeln. In der Region wirtschaftet der 20-jährige Teichwirt Josef Stier bereits so: in der Fischzuchtanlage in Wendermühle bei Bärnau, die seinem Vater Alfred Stier (Fischwirtschaftsmeister) gehört. Wie er das macht und welchen Herausforderungen er dadurch sonst noch gerecht wird, erläuterte Stier junior kürzlich bei einem Besuch in der Anlage.
„Wir haben Indoor-Teichanlagen. Da kommt der Fischotter nicht rein – bislang. Dadurch habe ich eine gewisse Betriebssicherheit“, erklärte der 20-Jährige den Gästen, darunter lokale Teichwirte sowie die Grünen-Politiker Anna Schwamberger und Christian Hierneis. Denn der Fischotter, wie Teichwirt Alfons Stock aus Wiesau Oberpfalz-Medien schilderte, ist eine Herausforderung für die Teichwirte. Das 10 bis 15 Kilo schwere Tier mache Jagd auf Lebewesen am und im Wasser. Dies bedeute einen Eingriff in die Artenvielfalt und eine Dezimierung der Fischbestände. Weil sich das finanziell äußere, kämen viele Teichwirte an ihre Grenzen.
Indoor-Teichanlagen
Josef Stier machte deutlich, dass auch die sich wandelnden klimatischen Begebenheiten Einfluss auf die Teichwirtschaft haben. In Innenräumen gelegene Teichanlagen könnten deshalb das wirtschaftliche Überleben von Teichwirten sichern. Dies sei auch Josef Stiers Ziel, der vor zwei Jahren die entsprechende Ausbildung abgeschlossen habe und in der Zukunft den Betrieb seines Vaters übernehmen möchte.
„Alles, was ich gerade tue, ist für die Zukunft meines Sohnes“, sagte Alfred Stier gegenüber Oberpfalz-Medien. Deshalb investierte er vor rund fünf Jahren und ließ eine Halle auf sein Gelände an der Wendermühle bauen. Darin befinden sich unter anderem die Indoor-Teiche. Wie Josef Stier schilderte, kann das Wirtschaften dadurch von klimatischen Gegebenheiten unabhängig sein. Die in den Hallen installierten Kreislaufanlagen seien wassersparend im Betrieb dank der Reinigungsmechanismen für das Wasser.
Zudem schaffe man einen geschützten Raum, zu dem Prädatoren (Lebewesen, die Fische fressen, unter anderem Kormoran, Graureiher, Silberreiher) keinen Zugang haben. So könne der Teichwirt Verlusten vorbeugen, denn bei Teichen im Freien, die auch zum Betrieb Stier zählen, gebe es wegen Prädatoren „regelmäßig Verluste bis zu 100 Prozent“, sagte Josef Stier.
Fördersituation verbessern
„Wir bewirtschaften 300 Produktionseinheiten im Outdoor-Bereich“, informierte er. In Teichen, Fließkanälen und Becken würden insgesamt fast 28 Arten produziert. "Insgesamt betreiben wir vier hochmoderne Kreislaufanlagen. Diese zeichnen sich durch ihren sehr geringen Wasserverbrauch, Klimaunabhängigkeit und optimale, anpassbare Umweltbedingungen aus", sagte Josef Stier. Dort würden neben Garnelen auch Zander und Forellen produziert. Gefüttert würde seit Mai 2022 im Rahmen eines Forschungsprojektes mit selbst produzierten Insektenlarven (Maden). Die wöchentliche Kapazität liege bei 1,5 Tonnen Tieren – die Produktion werde durch einen Roboter unterstützt.
Die Nachfolge des Vaters hat Anna Klupp schon angetreten. Die 33-Jährige ist die Tochter von Teichwirt Hans Klupp aus Schönficht. Ihre Anliegen beim Vororttermin, bei dem sie als Vertreterin von „Young Fishermen“ (Arbeitsgruppe im Verband der Deutschen Binnenfischerei und Aquakultur) dabei war: „Wir brauchen eine attraktive Fördersituation, etwa um das Wirtschaften in der Branche auch für junge Leute attraktiv zu gestalten, Biodiversität und die Weiterbewirtschaftung von Teichen.“ Denn, so Anna Klupp, eine fehlende aktive Bewirtschaftung bedeute einen Niedergang der Teichwirtschaft.
Dauerstress für Fische
Christian Hierneis, Sprecher für Umweltschutz und Tierschutz der Grünen-Landtagsfraktion, machte deutlich: „Es geht darum, die Teichwirtschaft zu schützen. Sie ist extrem wertvoll.“ Dennoch gab er zu, gebe es ein „starres Korsett der EU“, was die Handhabe mit dem Fischotter betrifft. „Mir geht es darum, die Teichwirtschaft zu erhalten,“ so Hierneis. Allerdings plädiere er dafür, alle Interessen zu wahren. Sein Wunsch sei es, eine für alle Beteiligten stimmige Lösung zu finden. „Ich möchte, dass die Teichwirtschaft aber auch der Fischotter nicht ausstirbt.“
Alfons Stock als Vertreter des Bayerischen Bauernverbands machte auch auf das Empfinden der Lebewesen aufmerksam. „In Außenanlagen wird jeder Fisch gejagt“, sagte er und meinte damit etwa die Fischjäger Otter und Kormoran. Das bedeute Dauerstress für die Teichbewohner.
Offene Kommunikation
Alfred Stier machte deutlich: „Der Otter ist die größte Herausforderung.“ Das Tier fresse vor allem in der ersten Jahreshälfte auch Amphibien, laut ihm mehrere Tonnen pro Jahr. Dies beeinflusse die Artenvielfalt negativ.
Auch der Fischotterberater der nördlichen Oberpfalz, Alexander Horn, war vor Ort. Er sprach sich für eine offene Kommunikation mit allen Beteiligten aus und wünsche sich ein staatlich geregeltes Ottermanagement: „Wir sollten den Teichwirten einen Lichtblick geben.“ Auch Hierneis äußerte ein ähnliches Anliegen: Er plädiere für ein bundesweit gemeinsam geregeltes Fischottermanagement „über Parteigrenzen hinweg“ und in Kooperation mit zuständigen Verbänden sowie „gemeinsam mit den Nachbarstaaten“.

























Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.