02.08.2020 - 13:57 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Fischotter sorgt für Ärger

Der Fischotter erregt die Gemüter. Wegen eines Modellprojekts, das die Entnahme von sechs Fischottermännchen in der Oberpfalz erlaubt, klagen Umweltverbände. CSU-Politiker kritisieren daher besonders den Bund Naturschutz.

Der Fischotter (Bild) bereitet den Teichwirten im Landkreis große Sorgen. Das war Hauptthema bei einem Treffen von CSU-Politikern mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.
von Externer BeitragProfil

Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel, das spüren auch die Betriebe im Landkreis Tirschenreuth. Dass die Land- und Teichwirtschaft eine enorme Bedeutung für die Region hat, war eine der Kernbotschaften bei einem Fachgespräch mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, das der Landtagsabgeordnete Tobias Reiß im Landtag organisiert hatte. Ein Brennpunkt-Thema war laut Mitteilung der Fischotter.

Neben Biber, Kormoran und anderen geschützten Tierarten macht der Otter seit einiger Zeit den Teichwirten in der nördlichen Oberpfalz zu schaffen. "Dabei ist klar, die Teichwirtschaft ist ein unersetzbares Kulturgut unserer Heimat und das steht auf dem Spiel", wie Tobias Reiß die Brisanz der aktuellen Situation verdeutlichte.

Gemeinsam habe man zwischenzeitlich die Umweltverwaltung davon überzeugen können, dass eine Regulierung der Otter-Population nötig ist, um die ökologisch sehr wertvolle Teichwirtschaft zu erhalten. In mühsamer Arbeit habe man für die Oberpfalz ein Modellprojekt erarbeitet, bei dem lediglich jeweils zwei männliche Tiere in drei Landkreisen "entnommen" werden sollen.

Nach zwei Jahren Abstimmung mit Beteiligung der Verbände wird nun auch dieser mühsam erarbeitete Kompromiss durch eine Klage von Umweltverbänden torpediert.

Landrat Roland Grillmeier

"Nach zwei Jahren Abstimmung mit Beteiligung der Verbände wird nun auch dieser mühsam erarbeitete Kompromiss durch eine Klage von Umweltverbänden torpediert", bedauert Landrat Roland Grillmeier. Die Kommunalpolitik stelle sich hinter die Forderungen der Teichwirte, das Verfahren zeitnah abzuschließen. Bei dem Gespräch waren zudem der Vorsitzende des Agrarausschusses im Landtag, Martin Schöffel, und Landtagsabgeordneter Alexander Flierl, Vorsitzender der "Teichgenossenschaft Oberpfalz", dabei.

Teichwirte und Bund Naturschutz äußern sich zu der Entnahme von Fischottern:

Tirschenreuth

Klage zu Marketingzwecken?

Kaniber erläuterte, dass es sich hier um ein "brisantes und für die Teichwirtschaft äußerst belastendes Thema" handle, da die Schäden, die der Fischotter in letzter Zeit angerichtet habe, ein enormes Ausmaß erreichten. Die Erweiterung des Fischotter-Managementplans um die Entnahme sei fachlich fundiert vorbereitet worden. Auch die Umweltverbände seien eingebunden gewesen. Die CSU-Abgeordneten kritisierten besonders das Vorgehen des Bund Naturschutz. Es dränge sich der Eindruck auf, dass diese Klagen auch zu Marketingzwecken erhoben wurden, da bislang noch nicht einmal eine Begründung vorliege und diese "Hinhaltetaktik" nicht akzeptabel sei.

Nachdem der Fischotter nicht nur Fische, sondern auch viele andere Tierarten, darunter bedrohte Frösche und Molche verspeist, sei es völlig unverständlich, warum der Umweltverband hier eine Tierart so exklusiv heraushebe. Die Schäden, die der Fischotter in letzter Zeit angerichtet habe, hätten ein teilweise existenzbedrohendes Ausmaß erreicht. Auch wenn immerhin 60 bis 80 Prozent der erlittenen Einbußen erstattet werden können, seien Entschädigungszahlungen auf Dauer keine Lösung, betonte Kaniber. Sie merkte an, dass es oberstes Ziel sein müsse, die Teichwirte besser zu unterstützen, um die Teiche zu erhalten und die Bewirtschaftung sicherzustellen.

Landrat will Runden Tisch

Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms könne die extensive Teichwirtschaft gefördert werden. "Dieses Programm wird in der Oberpfalz mit 1500 Hektar Teichfläche besonders gut nachgefragt und wurde dieses Jahr von 200 auf 350 Euro pro Hektar erhöht, um die wertvollen Umweltleistungen der Teichwirte angemessen zu honorieren", sagte Kaniber. Landrat Grillmeier kündigte an, dass er auf Landkreisebene einen "Runden Tisch Otter" starten werde, um zur Klärung der offenen Fragen beizutragen.

Bürokratie bremst

Für die Land- und Teichwirte forderte der Landrat Rückendeckung aus München. Um die Betriebe zu erhalten, brauche es flexible Vorgaben, auch und gerade für die Kreisverwaltungsbehörden. "Der Rahmen muss stimmen und vor Ort müssen Entscheidungen möglich sein, die auf die lokalen Gegebenheiten Rücksicht nehmen", so Grillmeier. Gerade das Stichwort Bürokratie lasse viele oftmals verzweifeln. Beispielsweise wenn es um das Wasserrecht oder den Immissionsschutz gehe, seien oft langwierige Verfahren notwendig.

Die Teichwirtschaft und vor allem der Umgang mit dem Otter waren Themen, zu denen sich (von links) Landrat Roland Grillmeier mit MdL Martin Schöffel, Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, MdL Alexander Flierl und MdL Tobias Reiß austauschte.
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