03.04.2020 - 14:41 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Zwei Fischottern geht es im Landkreis Tirschenreuth an den Kragen

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Am Fischotter scheiden sich die Geister: Zwei männliche Tiere dürfen im Landkreis entnommen werden. Für die Teichwirte in der Region ist es ein Schritt in die richtige Richtung, der Bund Naturschutz sieht die geschützte Tierart in Gefahr.

Zwei männliche Fischotter dürfen bis Ende des Jahres im Landkreis Tirschenreuth entnommen werden.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

(lue) Ein Beschluss des Bayerischen Landtags aus dem vergangenen Jahr macht es möglich, dass in der gesamten Oberpfalz sechs Otter entnommen werden dürfen, zwei davon im Landkreis Tirschenreuth. "Das betrifft nur die männlichen Tiere. Weibchen dürfen nicht entnommen werden", weiß Klaus Bächer, Vorsitzender des Fischereierzeugerrings Oberpfalz.

Vierte Säule im Managementplan

Seit 2013 gibt es bereits den Fischottermanagementplan in Bayern. Dieser bestand bis 2019 aus drei Säulen: der Beratung, der Unterstützung beim Bau von Abwehrzäunen und Ausgleichszahlungen für Schäden. Als vierte Säule kommt nun die Entnahme dazu. Jedoch nur, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht mehr greifen.

Christian Wagner ist beim Landesamt für Landwirtschaft Koordinator für den Fischottermanagementplan in Bayern. Der Landschaftsökologe weiß, wie hoch die Schäden sind, die der Fischotter bei den Teichwirten anrichtet. "2017 hatten wir Anträge von über einer Million Euro und 2018 waren es über 800 000 Euro in Bayern." Betroffen sei vor allem Ostbayern, darunter auch die Oberpfalz und der Landkreis Tirschenreuth. Für 2019 läuft aktuell noch die Antragsphase.

Ein Problem: Es werden höchstens 80 Prozent der Schäden übernommen. "Gut 50 Prozent waren es die letzten Jahre. Es kommt immer darauf an, wie viel im Topf ist." So bleiben viele Teichwirte auf der Hälfte der Schäden sitzen. Das führt dazu, dass viele Teiche letztlich nicht mehr bewirtschaftet werden.

Auch der Bau von Schutzzäunen ist für viele Teichwirte nicht attraktiv. "Für viele Karpfenwirtschaften ist das nicht rentabel, weil nicht genug erwirtschaftet wird", sagt er. Daher sei für viele der Bau zu teuer, obwohl er vom Staat bis zu 50 Prozent gefördert wird. Es gibt aber noch weitere Gründe, die gegen die Errichtung eines Zauns sprechen: "Bei vielen Gebieten ist kein Zaun möglich, zum Beispiel wegen der Topographie oder wegen des Naturschutzes", erklärt Wagner.

Eine genaue Statistik darüber, wie viele Fischotter im Landkreis leben, gibt es nicht. "Es wurden nur in ausgewählten Bereichen Fischotter untersucht." So weiß man, dass 2016 westlich von Tirschenreuth acht Tiere lebten. "Darunter war auch eine Familie", sagt Wagner. 2018 wurden ebenfalls acht Fischotter in der Umgebung von Wiesau registriert. Es stellt sich aber die Frage, ob die Entnahme von zwei männlichen Fischottern sinnvoll für die Teichwirte ist. Laut Wagner sei es das: "Es ist ein erster Schritt, der nun in einem kleinen Rahmen passiert. In den kleinen Teichanlagen ist das auf jeden Fall wirksam."

Lebendfallen im Einsatz

Wie die Entnahme der Tiere aussieht, erklärt Klaus Bächer. Die Fischotter sollen zunächst mit Lebendfallen gefangen werden. "Das sind spezielle große Fallen, die auch Bewegungsfreiheit bieten", erläutert Bächer. Die Fallen werden zwei Mal am Tag kontrolliert, ob sich darin ein Tier befindet. Falls ja, muss geprüft werden, ob es sich um ein Weibchen oder ein Männchen handelt. Von der Entnahme sind nur die männlichen Tiere betroffen.

Josef Siller, Vorsitzender der Kreisgruppe des Bund Naturschutz, merkt an, dass es optisch schwer zu unterscheiden sei, um welches Geschlecht es sich beim Fischotter handelt. "Das ist eine aufwendige Untersuchung." Da es sich beim Fischotter um eine streng geschützte Art handelt, ist der Bund Naturschutz gegen die Tötung der Tiere. "Wir haben die Gefahr, dass die Entnahme der erste Schritt sein könnte für den großflächigen Abschuss der Tiere." So war der Fischotter bis vor einigen Jahrzehnten in Bayern ausgerottet. Erst in den späten 1990er Jahren siedelte er sich vor allem in Ostbayern wieder an.

Dem Vorsitzenden ist aber auch klar: "Wir müssen mit den Teichwirten einen Kompromiss schließen. Wir sehen die Problematik durchaus." Jedoch bezweifelt Siller, dass die Entnahme von zwei Fischottern die Probleme der Teichwirte lösen wird. "Wenn ein Tier entnommen wird, rückt ein anderes wieder nach." Seiner Ansicht nach sollten die Präventionsmaßnahmen, wie der Bau der Schutzzäune und Ausgleichszahlungen, ohne bürokratische Hürden umgesetzt werden.

Mehr Fischotter als vermutet

Teichwirt Hans Klupp aus Plößberg wiederum findet: "Die Entnahme ist ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Wir haben mehr Fischotter als man im Landkreis vermutet." Das würden auch Aufnahmen aus Wildkameras beweisen. "Es braucht ein geregeltes Bestandsmanagement", sagt Klupp. Aktuell beklagen die Teichwirte im Landkreis Tirschenreuth die meisten Schadensmeldungen in Bayern. Für Klupp ist klar, es müsse ein Maß gefunden werden, bei dem der Otter leben und trotzdem die Teichwirtschaft funktionieren kann.

Seiner Ansicht nach verstehen Natur- und Tierschützer die Komplexität der Sachlage nicht. Er versucht dies am Beispiel der Kulturlandschaft Waldnaabaue zu erklären: "Die Landschaft wurde durch den Eingriff des Menschen verändert." Dazu hat auch die Teichwirtschaft maßgeblich beigetragen und Habitate von verschiedenen Arten geschaffen. "Fällt die Teichwirtschaft weg, führt das auch wieder zu einem Verlust der Artenvielfalt und es ginge ein Stück weit die regionale Identität verloren."

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