"Links, rechts, links, rechts, einmal ganz herum. Rechter Fuß nach vorne, nach hinten abwinkeln und zurück. Beim Ausfallschritt nach vorne mit dem rechten Westernstiefel aufs Parkett stampfen und immer wieder einmal dazwischen klatschen." - So oder ähnlich muss es im Kopf eines Linedance-Neulings vorgehen, wenn dieser in der Gruppe eine neue oder bereits bekannte Choreographie tanzen will. Was locker und leicht aussieht, ist in Wahrheit eine strenge Abfolge von Tanzschritten. Und die muss eingehalten werden. Allein deshalb, weil sonst die gesamte Gruppe glatt aus dem Rhythmus geraten würde.
Tanzen, was gefällt
Bei "Spirit of Linedance" gibt es allerdings kaum solche Überlegungen. Die Tänzerinnen und Tänzer aus der Kreisstadt sind ziemlich gut drauf. Teils gehören sie der Tanzgruppe auch schon neun Jahre an, was eine gewisse Routine in den Tanzfolgen möglich macht. In der Gruppe wird getanzt, was gefällt. Die passende Musik suchen die Trainerinnen Luise Zant und Luise Stock aus. Die beiden Frauen haben die Linedancer in Tirschenreuth gegründet. Spontan bei einem Treffen im Fischhofpark, erzählt die 67-jährige Luise Zant. Danach sahen sich die Frauen bei Linedancer in Eschenbach und Konnersreuth um. Nach ersten Schritten beschlossen die Tirschenreutherinnen, ebenfalls eine Formationstanz-Gruppe zu gründen.
Heute tanzen die Linedancer als eingeschworene Mannschaft. Nahezu schwerelos schaut es aus, wenn sich die perfekt in Reih und Glied aufgestellten Tänzer zu modernen und bewährten Klängen in Formation drehen und wenden, bis sie wieder am Ausgangspunkt stehen. Neben Rhythmusgefühl gehören zu den Linedancern untrennbar die Westernhüte, die knackig engen Jeans und die klassischen Westernstiefel zum Stampfen. Aber von wegen: Linedance ist nicht nur "Western von gestern". Egal ob Tango, Walzer oder Rock' n' Roll - es gibt kaum einen Tanz, der nicht auch flott aufs Parkett gezaubert wird. "Natürlich sind Westernsongs üblich", sagen die Trainerinnen. "Aber das ist lange nicht alles." Nur wüssten das die wenigsten Außenstehenden.
128 Schrittfolgen
Luise Zant spricht von 32 bis 128 Schrittfolgen, die von ihrer Gruppe bisher eingeübt worden seien. "Ich denke, wir sind schon ziemlich gut", meint ihre Trainerkollegin Luise Stock. "Nahezu alle Mitglieder haben die 128 Schrittfolgen längst im Griff", sagt die 58-Jährige. Egal ob Grape Vine, Coaster Step, Kick-ball-Change oder Shuffle. Zwar besteht die Gruppe weitgehend aus weiblichen Mitgliedern, allerdings mischen sich auch vier "Quotenmänner" darunter. Seit vielen Jahren tanzt etwa der 71-jährige Anton Singer mit. Harald Brader scheint ein Naturtalent zu sein. Er tanzt nahezu elegant jede Formation in erster Reihe. Die 35 Linedancer sind eine eingeschworene Gemeinschaft.
Luise Zant spricht auch einen durchaus gesundheitlichen Aspekt an. Linedance sei eine wunderbare Möglichkeit, das Gedächtnis fit zu halten. Ohne die hohe Konzentration und ständiges Zählen sei ein choreographisch gutes Ergebnis in der Gruppe unmöglich, wissen die Trainerinnen. Jeden Mittwoch wird im Gasthof "Zur Alm" trainiert. Gut zwei, drei Stunden wird getanzt. Das powert aus, regt den Kreislauf an und sorgt für ausreichend Bewegung. Manch ein Ungeübter würde dabei sogar gehörig ins Schwitzen kommen, merken die Trainerinnen an. Wer mitmachen möchte, muss erst einen Anfängercrashkurs durchlaufen. "Je nachdem, wie gut er sich anstellt, darf er dann bald mit uns alten Hasen tanzen", verspricht Luise Zant.
Wer einen Anfängerkurs mitmachen möchte: „Spirit of Linedance“ bietet einen solchen ab Mittwoch, 9. Oktober, jeweils von 18 bis 19 Uhr (vor dem Fortgeschrittenenkurs) an. Teilnehmen können Frauen und Männer im Erwachsenenalter. Altersgrenzen gibt es keine. Anmeldungen nehmen Luise Zant, unter Telefon 0 96 31 14 36, oder Luise Stock, unter Telefon 0 96 31 44 57, entgegen.





















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