26.11.2021 - 11:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Führerschein-Umtausch im Landkreis Tirschenreuth: Tausende müssen ihren "Lappen" abgeben

Bei den älteren Führerschein-Besitzern pressiert es langsam. Besonders für etwa 5000 Landkreisbürger, die demnächst ihren 64. bis 69. Geburtstag feiern: Schon im Januar 2022 könnten sie quasi über Nacht eine ungültige Fahrerlaubnis haben.

Grauer Lappen, rosa Schein und Plastikkarte: Drei Generationen Führerscheine sind auf dieser Aufnahme zu sehen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Ob grauer "Lappen" oder rosa Schein – die alten Führerscheine auf Papier werden ausgemustert. Bis 2033 müssen in Deutschland 43 Millionen von Dokumenten in EU-einheitliche Exemplare im Scheckkartenformat umgetauscht werden. Damit nicht alle Anträge gleichzeitig kommen und die Behörden überfordern, wurde ein zeitlicher Stufenplan erstellt. Den Anfang machen jetzt die Fahrer der Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958.

Ein erstes Verfallsdatum alter Führerscheine steht am 20. Januar 2022 im Kalender. Dann werden die Fahrerlaubnisse ungültig, die auf Inhaber der Geburtsjahrgänge 1953 bis 1958 ausgestellt sind. Der Stichtag für diese Altersgruppe naht, doch noch ist etwas Zeit. "Wir wollen den großen Andrang um Weihnachten herum vermeiden", sagt Johannes Spachtholz. Der Sachgebietsleiter für Verkehrswesen, Straßen- und Wegerecht am Landratsamt appelliert an die Betroffenen, sich jetzt um den Umtausch zu kümmern: "Einen Termin bei uns kriegt jeder gleich. Aber dann dauert es ja ein paar Wochen, bis die Bundesdruckerei liefert", befürchtet er längere Wartezeiten durch die bundesweit geltende Frist.

Mehr Fälschungssicherheit

Bis zum 19. Januar 2033 sollen alle vor dem 19. Januar 2013 ausgestellten Führerscheine umgetauscht sein. Ziel sind einheitliche, fälschungssichere, in einer Datenbank erfasste Dokumente. In der ersten Phase sind im Landkreis Tirschenreuth über 5000 Papiere fällig, schätzt der Leiter der Führerscheinstelle. "Etwa 950 haben wir in diesem Jahr schon umgetauscht." Die weiteren Geburtsjahrgänge folgen gestaffelt: für 1959 bis 1964 ist Stichtag der 19. Januar 2023, für 1965 bis 1970 gilt der 19. Januar 2024, für die Jahrgänge 1971 oder später ist 2025 maßgeblich.

Seit 1999 werden Führerscheine bereits im Scheckkartenformat ausgegeben. Hier beginnen die Umtauschfristen erst 2026. Jahrgänge vor 1953 können ihre alten grauen "Lappen" sogar bis 2033 behalten. "Es rufen aber schon Leute an, die noch gar nicht dran wären", berichtet Johannes Spachtholz. "Wenn jemand unbedingt will, kriegt er seinen neuen Führerschein auch." Allerdings, gibt er zu bedenken, ist das EU-einheitliche Format grundsätzlich auf 15 Jahre befristet und in Zukunft entsprechend öfter zu beantragen.

Als Souvenir behalten

Je älter der Führerschein, desto jünger sieht man darauf aus: Viele werden schon aus diesem Grund ihre Fahrerlaubnis aus längst vergangenen Jahrzehnten vermissen. Doch der alte "Lappen" auf grauem oder rosa Spezialpapier kann als Souvenir auch behalten werden, informiert Spachtholz: "Dann entstempeln wir ihn mit dem Vermerk, dass er nur noch für eine Übergangsfrist von acht Wochen gilt."

Personal aufgestockt

Auf die Führerscheinstellen kommt landauf, landab durch die Umtauschaktionen viel Arbeit zu. "Wir haben schon eine zusätzliche Stelle bekommen", ist der Tirschenreuther Leiter mit der personellen Unterstützung zufrieden. "Die Zahl der Anfragen steigt jedes Monat, die Fristen sprechen sich langsam rum." Extra-Aufwand ist bei Führerscheinen nötig, die nicht im Landkreis Tirschenreuth ausgestellt worden sind. "Dann brauchen wir von der anderen Führerscheinstelle eine sogenannte Karteikartenabschrift", erklärt Spachtholz. Darum müssten sich die Antragsteller selbst kümmern. "Das kann man telefonisch, schriftlich oder oft auch online machen. Die Behörde schickt den Nachweis dann an uns."

Bleibt die Frage, was passiert, wenn jemand seinen Führerschein nicht rechtzeitig umgetauscht hat. Bei einer Verkehrskontrolle droht künftig ein Verwarnungsgeld in Höhe von zehn Euro, das bei weiteren Verstößen erhöht werden könnte. Darauf hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in einer Pressemitteilung hingewiesen.

"Spezielle Kontrollen der Polizei wegen der neuen Führerscheine wird es nicht geben", betont Ramona Weiß. Die Verkehrssachbearbeiterin der Polizeiinspektion Tirschenreuth führt aus, dass es sich beim Führerscheinumtausch um eine reine Verwaltungssache handelt. Wer die Frist zum Umtausch versäumt, begeht eine Ordnungswidrigkeit: "Das wird so geahndet, als ob der Führerschein gar nicht mitgeführt wird", klärt die Polizeihauptmeisterin auf. Und so eine Verwarnung kostet zehn Euro.

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Tirschenreuth
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So geht es zum neuen Führerschein

  • Termin für Antrag bei der Führerscheinstelle ausmachen: Telefon 09631/88-388 oder 88-727.
  • Mitbringen: aktuelles biometrisches Passbild (35 mal 45 Millimeter), Personalausweis oder Reisepass, Führerschein.
  • Das neue Dokument wird in drei bis vier Wochen auf Wunsch zugeschickt.
  • Alternativ: Antrag mit entsprechenden Unterlagen bei der Wohnortgemeinde stellen, altes gegen neues Dokument später bei der Führerscheinstelle tauschen.
  • Gebühr: 25,30 Euro. Wenn die Fahrberechtigung auch gleich verlängert werden soll: 38,80 Euro.

"Die Zahl der Anfragen steigt jedes Monat, die Fristen sprechen sich langsam rum."

Johannes Spachtholz, Leiter der Führerscheinstelle

 

 

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