14.09.2020 - 18:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Für Christian "Crada" Kalla ist der Garten ein Platz der Inspiration für international Hits

Es gibt Gärten, die bereits fertig angelegt sind. Es gibt aber auch Gärten, die sich erst in der Entstehungsphase befinden. Zum Beispiel in Lengenfeld auf der Hofstelle von Familie Kalla.

Christian ‘Crada’ Kalla: „Ich würde mich vielleicht nicht unbedingt als Gartenbotschafter bezeichnen, aber bestimmt als jemand, der auf die Natur Wert legt und sie zu schätzen weiß."
von Christa VoglProfil

In der Musikbranche ist Christian ‘Crada’ Kalla international bekannt und äußerst erfolgreich: als Komponist, Songwriter und Produzent arbeitet er mit Künstlern wie zum Beispiel Drake, Alicia Keys, Kid Cudi, Kendrick Lamar, Tim Bendzko und Rea Garvey.

Nach Stopps in Los Angeles, London und Frankfurt und vielen Auszeichnungen seiner Arbeiten mit Gold und Platin – 2019 erhielt er den Deutschen Musikautorenpreis in der Kategorie „Komposition Hip-Hop“ - lebt der Popakademie-Absolvent seit zwi Jahren zusammen mit seiner Familie in Lengenfeld in einem alten Bauernhaus: Von der Großstadt raus aufs Dorf. Warum eigentlich dieser Schnitt? Weil er und seine Frau, so erzählt Kalla, „einfach „Landlust“ verspürten. Gemeinsam begannen sie, den Dreiseithof, der früher seinen Schwiegereltern gehörte, zu entkernen und zu restaurieren. Nach der Sanierung im und am Haus ist jetzt endlich auch Zeit, sich Gedanken über den Garten zu machen.

ONETZ: Herr Kalla, was hat sich durch Ihren Umzug von Frankfurt nach Lengenfeld verändert?

Christian ‘Crada’ Kalla : Seit wir hier aufs Land gezogen sind, habe ich mehr Zeit. Zeit zum Durchschnaufen, Zeit um zur Ruhe zu kommen, Zeit zum Atmen. Und Kunst braucht genau das: Zeit. Man muss ein Projekt nicht innerhalb eines Tages verwirklichen. Es gibt hier weniger Ablenkung und man gewinnt dadurch auch neue Perspektiven.

ONETZ: Wie war die Reaktion Ihres Arbeitsumfelds zu Ihren Umzugsplänen?

(lacht) Die sagten: „Das kannst du nicht machen. Wenn du aufs Land ziehst, dann ist deine Karriere vorbei. Dann vergessen dich die Leute. Du bist raus.

ONETZ: Und hatten sie recht damit?

Auf gar keinen Fall. Meine Firma ist zwischenzeitlich sogar gewachsen, die Zahl der Mitarbeiter hat zugenommen. Es entwickelt sich super.

ONETZ: Würden Sie sich selbst als Gartenbotschafter bezeichnen?

Vielleicht nicht unbedingt als Gartenbotschafter, aber bestimmt als jemand, der auf die Natur Wert legt und sie zu schätzen weiß. Ich bin jeden Tag im Wald unterwegs und genieße das sehr. Und auch die Künstler, die mit mir zusammenarbeiten und hier in Lengenfeld immer wieder zu Gast sind, schätzen die Ruhe bei uns, die Wälder, die Landschaft. Als Rich Jacques, Grammy-Preisträger aus LA bei uns zu Gast war, sagte er zu mir, dass hier „the Tuscany of Germany“, also die Toskana Deutschlands sei. Meine Gäste merken durch den Aufenthalt im Dorf: ich muss nicht unbedingt im Ballungsgebiet präsent sein, ich muss keine Angst haben, vergessen zu werden, ich kann auch rausgehen aufs Land und dort ohne Druck leben. Es ist möglich, Familie zu haben, Ruhe zu finden und auch zu arbeiten. Hier bei mir im Studio in Lengenfeld werden die Titel für internationale Künstler fertiggestellt und die gehen dann hinaus in die Welt.

ONETZ: Ihr Garten ist erst in der Entstehungsphase. Worauf legen Sie besonderen Wert?

Meine Frau und ich haben überlegt, mit welchen Materialien wir arbeiten wollen. Uns liegt sehr viel daran, alte Baustoffe zu verwenden, z.B. Stufen aus heimischem Granit für die Gartentreppe. Das haben wir auch bereits beim Haus so umgesetzt mit einem Naturschieferdach, dem glatten Verputz und auch der alten Eingangstür.
In der Vergangenheit war der Platz vor dem Haus vor allem eine Durchfahrt für die Maschinen und Geräte in der Landwirtschaft: da wurde gearbeitet, das war ja früher der eigentliche Zweck in der Landwirtschaft. Aber das ist jetzt vorbei. Wir wollen den Hof viel grüner werden lassen, die Betonpflastersteine entfernen, einen Pavillon bauen – damit ich im Sommer auch draußen arbeiten kann - und im hinteren Bereich Platz für einen Pool schaffen. Aber das Wichtigste: möglichst viel Grün.

ONETZ: Können Sie das jungen Familien empfehlen? Sanierung statt Neubau?

Ich würde es immer wieder so machen. Und es ist definitiv günstiger als ein Neubau. Ich selbst bin handwerklich ungeschickt, aber ich habe mich „reingearbeitet“. Man ist selbst die Bauleitung und man macht Schritt für Schritt. Die Sanierung im und am Haus ist mittlerweile abgeschlossen und wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.

ONETZ: Was macht den Garten aus Ihrer Sicht besonders?

Verbundenheit. Und auch Erdung, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Es ist das Schönste, wenn man rausgehen kann, und man hat Freiraum und kann seine Füße über das Gras wandern lassen.

ONETZ: Welches ist die Lieblingsecke im Garten?

Mein Lieblingsplatz ist hier unter dem alten Boskop-Apfelbaum. Das ist leider der einzige Bestandsbaum auf dem Hof. Unser Nachbar hat ihn geschnitten, der hats echt drauf. Aber wir haben vor, noch einen zusätzlichen Hofbaum zu pflanzen.

ONETZ: Spricht Sie eine Jahreszeit im Garten besonders an?

Jede Jahreszeit hat etwas Besonderes: Der Frühling ist magisch, vor allem wenn Flieder und Apfelbaum blühen. Das ist irre schön. Der Sommer, wenn man die ganze Zeit draußen sein kann und auch die Kinder viel draußen spielen. Der Herbst ist romantisch – und für mich extrem inspirierend. Der Frühling treibt mich eher raus, der Herbst treibt mich ins Studio. Dann ist eher Klavierzeit. Auf den Winter könnte ich tatsächlich verzichten (lacht).

ONETZ: Warum lohnt es sich für Sie, mehr Zeit im Garten zu verbringen?

Zeit im Garten hilft beim Loslassen, egal in welchem Job man ist. Es hilft, Perspektive zu gewinnen. Auch die Arbeit im Garten. Zum Beispiel empfinde ich das Wegrechen des Laubs fast schon als meditativ. Oder Stufen zu setzen. Du hast ein direktes Resultat, du machst was Handwerkliches. Im Job ist das ja oft anders, da dauern Sachen oft sehr lange. Pflanzen ist auch etwas Schönes, das mache ich gerne zusammen mit meiner Frau. Und natürlich ist es auch schön, später das zu essen, was man gemeinsam angepflanzt hat. Das hat etwas Romantisches.

ONETZ: Gibt es Plätze in der Region, die für Sie etwas Besonderes sind und die Sie anderen Besuchern empfehlen?

Zum Beispiel das Felsenlabyrinth auf der Luisenburg. Oder der Wildpark Mehlmeisel, den lieben die Kinder. Oder der Ochsenkopf. Aber auch hier im Dorf, der Dorfplatz, ist ein besonderer Gartenort. Schön ist es auch, zusammen mit den Kindern am Weiher altes Brot an die Fische zu verfüttern.

ONETZ: Haben Sie besondere Tipps an Gartenneulinge?

Einfach Reinstürzen. Machen. Aber auch Hinhören. Zum Beispiel hat mein Nachbar unseren Apfelbaum zugeschnitten und nebenbei erzählt, worauf man dabei achten sollte. Was man da erfährt, das ist irre. Da ist viel Lernbedarf von meiner Seite. Aber das macht auch wahnsinnig viel Spaß.

„Mein Lieblingsplatz ist hier unter dem alten Boskop-Apfelbaum. Das ist leider der einzige Bestandsbaum auf dem Hof.“
Der Nachbar wars: „Mein Nachbar hat unseren Boskop-Apfelbaum zugeschnitten und nebenbei erzählt, worauf man dabei achten sollte. Was man da erfährt, das ist irre.“
Der Erdkeller neben dem Haus: Er ist aus Naturstein und Ziegel gemauert, wird ebenfalls saniert und soll dann wieder als Vorratsspeicher für Gemüse und Obst aus dem Garten. Zum Beispiel für die Boskop-Äpfel.
„Seit wir hier aufs Land gezogen sind, habe ich mehr Zeit. Zeit zum Durchschnaufen, Zeit um zur Ruhe zu kommen, Zeit zum Atmen. Und Kunst braucht genau das: Zeit.“
Rispenhortensien mit Lavendel als Unterpflanzung in einer Beeteinfassung aus Granit.
Rispenhortensien: Sie kommen gut mit Trockenheit und Frost klar. Sie bilden ihre Blüten an diesjährigen Trieben, ein kräftiger Rückschnitt im zeitigen Frühjahr fördert Wachstum und Blütenreichtum.
Steinbrech und Lavendel im Granittrog: Früher diente er als Futtertrog im Stall für die Kühe auf dem Hof.
Das darf in keinem Garten fehlen: ein abwechslungsreicher Spielplatz für die Kinder.
Die beiden kleinen Töchter sind bei den Sanierungsarbeiten voll dabei.
Und auch das Thema „Mehr Grün im Hof“ setzen sie bereits um. Denn: Früh übt sich, was ein Meister-Gartenbotschafter werden will.
Christian Kalla erzählt von seinem Gast, einem Grammy-Preisträger aus Los Angeles, der die Oberpfalz als Toskana Deutschlands bezeichnet.
Tomaten stellen keine hohen Ansprüche: Ein Eimer mit Erde, eine Stange und etwas Schnur als Rankhilfe für die Triebe, Wasser zum Gießen, eine Pflanze vom Gärtner, fertig!
Der Garten ist erst im Entstehen: die Betonpflastersteine müssen demnächst weichen und für mehr Grün Platz machen.
Ein kleiner Gemüsegarten: „Pflanzen ist etwas Schönes, das mache ich gerne zusammen mit meiner Frau. Und natürlich ist es auch schön, später das zu essen, was man gemeinsam angepflanzt hat. Das hat etwas Romantisches.
Info:

Selber zum Gartenbotschafter werden!

Anlässlich der "Gartentourismusaktion mit der Hängematte" hat die Kreisfachberatung Hängematten im Kreislehrgarten Mitterteich, im Naturerlebnisgarten in Waldsassen, im Reslgarten Konnersreuth (aber derzeit wegen der Corona-Pandemie nicht oder nur eingeschränkt geöffnet -bitte vor Ort informieren!) und in den Vereinsgärten in Kemnath und Plößberg aufhängen lassen. Dort kann jeder zum Gartenbotschafter werden, indem er Bilder von sich und seinen Begleitern in der Hängematte macht und mit einer Bildbeschreibung an die Kresigartenfachberatung per mail sendet (harald.schloeger[at]tirschenreuth[dot]de). "Wir wollen wissen, was der Garten für die Leute bedeutet", erklären die beiden Fachberater Manuela Pappenberger und Harald Schlöger. Diese Aktion läuft noch bis zum 30. September.

Diese Bilder werden mit den Texten auf der Internet-Plattform des Landkreises veröffentlicht.

Die Einreichung gilt gleichzeitig als Einverständniserklärung zur Veröffentlichung. Die drei interessantesten Beiträge werden mit einer Hängematte belohnt. Die Tourismusgemeinschaft Oberpfälzer Wald steuert außerdem das gerade erschienene Buch "111 Orte im Oberpfälzer Wald, die man gesehen haben muss" für die Sieger bei.

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