04.02.2019 - 13:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Die ganz große Kuppel-Show

Kinder sind fasziniert vom "Mann im Mond". Sie lieben den Klassiker "Peterchens Mondfahrt". Ein ganz besonderer Ort, um Antworten auf alle Fragen rund um den Mond zu bekommen, ist die Sternwarte in Tirschenreuth.

Immer kurz vor Vollmond findet ein spezielles Programm mit dem Titel „Peterchens Mondfahrt“ statt. Dabei können die Kinder durch das Teleskop den Mond betrachten.
von Redaktion ONETZProfil

Zwar gibt es unzählige Bücher, im Internet findet man viele Astronomie-Seiten, doch nichts geht über einen echten Blick in den Himmel. Für große und kleine Sternengucker ist die Sternwarte in Tirschenreuth ein unschlagbarer Höhepunkt.

Allen, die sich für die Natur und das Universum begeistern, bietet die Gerhard-Franz-Volkssternwarte die Möglichkeit, durch eines der größten, öffentlich zugänglichen Teleskope in Bayern den Sternenhimmel mit eigenen Augen zu beobachten. Demnächst bekommt die 1964 von Franz Gerhard gegründete Volkssternwarte, deren Ziel die Vermittlung von astronomischem Grundwissen ist, sogar ein Planetarium.

Immer kurz vor Vollmond - der nächste Termin ist der 15. Februar - findet ein spezielles Kinderprogramm mit dem Titel "Peterchens Mondfahrt" statt. Die zweigeteilte Veranstaltung dauert etwa zwei Stunden: Im Erdgeschoss des Gebäudes hält Peter Postler, seit 35 Jahren Leiter der Astro-AG (Astronomische Arbeitsgemeinschaft Tirschenreuth), einen interessanten, mit Videos und Bildmaterial untermalten Vortrag. Danach können die Kinder durch das Teleskop den Mond betrachten.

Dass wir im hell-dunklen Mond-Muster den "Mann im Mond" sehen, ist auf der Südhalbkugel nicht so. Dort deuteten die Menschen früher in einigen Kulturen einen Hasen. "Auf dem Mond ist man ein Sechstel so schwer wie auf der Erde. Mit 30 Kilogramm wiegt man auf dem Mond also nur 5 Kilogramm", erzählt Peter Postler.

Die Kinder erfahren von dem leidenschaftlichen Astronomen viel Wissenswertes: 384 400 Kilometer beträgt die Distanz zum Mond, auf seiner Nachtseite herrschen minus 160 Grad, auf seiner Tagseite plus 130 Grad. Auch die Frage nach der Mondfinsternis erläutert er anschaulich. "Weil die Mondbahn um die Erde nicht in der gleichen Ebene herumwandert wie die Erde um die Sonne, und um fünf Grad geneigt ist, mogelt sich der Mond immer wieder oberhalb vom Erdschatten oder unterhalb vorbei. Deshalb gibt es nicht jedes Mal bei Vollmond eine Mondfinsternis."

Stichwort "Mondtäuschung" oder warum der Mond manchmal so groß erscheint: Dass der Mond in Horizont-Nähe größer aussieht als im Zenit, ist der Effekt einer optischen Täuschung.

Dazu Peter Postler: "Wenn Sie rausgehen, können Sie mal ein interessantes Experiment mit Ihrem Daumen oder mit dem kleinen Finger machen und die Größe vom Mond vergleichen. Sie werden bemerken, dass der Mond gar nicht so groß am Himmel erscheint. Wenn er am Horizont steht, hat man eben Bäume, Häuser und Straßenzüge als Größenvergleich und denkt dann: "Wow, der Mond ist so groß wie das ganze Haus da."

Alle Besucher brennen jetzt darauf, in der fünf Meter großen Kuppel den Mond zu sehen. Ernst Reiß, seit vielen Jahren ehrenamtlich für die Sternwarte tätig, übernimmt den Praxis-Part. Er positioniert das Teleskop für die Mond-Besichtigung. Beruhigend meint er: "Das bisschen Hochnebel können wir mit dem Teleskop leicht durchdringen." Jetzt kommt der große Moment: Ein Kind nach dem anderen steigt auf die Leiter und schaut durch das Teleskop. Am Ende des Blicks steht jedes Mal pure Begeisterung. Kein Wunder: Den Mond in dieser Form, mit vielen Details sieht man nicht alle Tage.

Währenddessen geht Ernst Reiß geduldig auf alle Fragen ein: Er erklärt, wie die Löcher in den Mond kommen, dass das Universum sehr, sehr groß sei. "Es gibt so viele Sterne wie Sandkörner in allen Wüsten und allen Stränden auf unserer Erde. Die Größe des Universums ist sehr schwer vorstellbar."

Zum Schluss erleben die Teilnehmer noch eine technische und handwerkliche Meisterleistung. Das Teleskop bewegt sich, und die Kuppel dreht sich, besser gesagt, sie lässt sich seit 1964 absolut zuverlässig von Hand auf Rollen bewegen.

Der Blick ist jetzt auf die Andromeda-Galaxie gerichtet. Zu sehen ist ein kleiner milchiger Fleck, eine Ansammlung von über 400 Milliarden Sonnen - allerdings 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. In einer mondlosen Nacht kann man die Nachbar-Galaxie sogar mit bloßem Auge sehen.

Fazit: Nicht nur für Kinder ist der Besuch der Sternwarte eine kleine Offenbarung, in jedem Fall ist es ein Abend, an den sie noch sehr lange zurückdenken werden.

Die Gerhard-Franz-Sternwarte:

Das Herz der Sternwarte, die 1964 durch eine Gruppe Astronomie-Interessierter um Gerhard Franz gegründet wurde, ist das Hauptteleskop, ein 600-Millimeter-Keller-Cassegrain. Es befindet sich in der fünf Meter großen Kuppel.

Unten im Vortrags- und Steuerraum werden Vorträge und Planetariums-Vorführungen gezeigt. Hier befinden sich PCs zur Steuerung des Teleskops und zur Präsentation, auch eine kleine Bibliothek. Vom Steuerraum aus kann das Teleskop „ferngesteuert“ werden. Planeten-Bilder können so „live“ einer größeren Gruppe gleichzeitig gezeigt werden. Eine echte Rarität ist der Tirschenreuther Planeten-Weg. Dabei handelt es sich um einen Lehrpfad, bei dem entlang der sechs Kilometer langen Wanderstrecke ein verkleinertes Modell des Sonnensystems im Maßstab eins zu einer Milliarde dargestellt wird.

Weitere Informationen, auch zum Vortragsprogramm gibt es auf www.sternwarte-tirschenreuth.de. (cgu)

Weit entfernte Galaxien.
Das Hauptteleskop der Tirschenreuther Sternwarte: Es ist eines der größten öffentlich zugänglichen Teleskope in Bayern.
Das Hauptteleskop ist ein 600-Millimeter-Keller-Cassegrain. Es befindet sich in der fünf Meter großen Kuppel, die hier geöffnet ist.
Im Vorführraum der Sternwarte befindet sich eine kleine Bibliothek im Fachliteratur. Außerdem kann von hier aus mit dem PC das Teleskop gesteuert werden.
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