Wer in den vergangenen Tagen nach einem Buchgeschenk im Landkreis suchte, fand in den Auslagen und Schaufenstern der Buchhandlungen unter den regionalen Autoren auch den Namen Marco Corelli mit seinem Buch „Lucifer" – ein München-Krimi. Der Name deutet auf italienische Abstammung hin. Und was hat ein Krimi mit „Tatort München“ mit regionaler Literatur zu tun?
Oberpfalz-Medien hat den Autor gefragt. Hinter Marco Corelli steckt Dr. Martin Fiedler, 55 Jahre alt und gebürtiger Tirschenreuther. „Lucifer“, sagt Fiedler, sei sein erster Roman. Während seine Karriere an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in der Abteilung Sprachforschung für Latein gleich nach dem Abitur steil bergauf ging, lagen und liegen noch, wie Fiedler berichtet, auf dem Weg seiner zweiten Karriere als Buchautor seit vielen Jahren Stolpersteine genug.
Wie Schmeller Mundartforscher
Beruflich sagt Fiedler von sich selbst, er sei der erste Sprachwissenschaftler aus Tirschenreuth, der nach dem großen Sohn der Kreisstadt, Johann Andreas Schmeller, an der Akademie der Wissenschaften als Mundartforscher tätig sei. Sprachen lernen fiel ihm bereits als Kind und Jugendlicher leicht. Sehr bescheiden zählt er alle Sprachen auf, die er in den 55 Jahren außer Deutsch erlernt hat, und kommt auf die Zahl zehn: Fiedler spricht und beherrscht Latein, Englisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Spanisch, Hebräisch, Arabisch, Russisch und Polnisch.
An der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ist Fiedler mit dem Erforschen und Erstellen eines mittellateinischen Wörterbuchs beauftragt. Das sei ein Langzeitprojekt und höre wahrscheinlich nie auf, erklärt er lachend. Dieses Wörterbuch werde nicht allein in Bayern, sondern länderübergreifend erarbeitet. Fiedlers Berufung klingt „trocken“ für Laien. Der gebürtige Tirschenreuther dagegen ist leidenschaftlicher Lateiner, und ein Tirschenreuther hat bei ihm, als er noch Jugendlicher war, diese Liebe zur lateinischen Sprache, geweckt. „Pfarrer Georg Maria Witt hat mir das, als ich in der achten oder neunten Klasse war, regelrecht eingepflanzt“, erinnert sich Fiedler gern an den „Täter“ zurück, der ihm zu dieser Berufung verholfen habe.
Erster Roman mit 16
Der jugendliche Martin hat damals schon mit Leidenschaft in der Freizeit und freiwillig die Klassiker gelesen. Mit 16 folgte der erste Roman "Das Irrenhaus" in französischer Sprache. Leider habe er das Manuskript einem Freund gegeben und es sei weg, bedauert der Autor. Literatur und Sprachen fand er von klein auf faszinierend. Mit Italienisch habe er zum Beispiel begonnen nach einer Oper in Nürnberg, für Latein und Französisch habe er sich im Studium in Regensburg eingeschrieben, und Polnisch könne er nun auch, weil seine Frau Polin ist. „Meine Oma konnte Polnisch, und das hat mich immer begeistert als Kind, wenn sie mit ihren Freundinnen am Kaffeetisch polnisch sprach. Ich wollte diese Sprache unbedingt lernen“, erzählt Fiedler. Ihn freut es ungemein, nun über seine Frau Agnieszka in späten Jahren doch Zugang auch zu dieser Sprache gefunden zu haben.
2004 machte Fiedler seinen Doktor und publiziert zweimal im Jahr beruflich Aufsätze und Rezensionen. 2013 dann wurde Fiedlers Leidenschaft zum Krimischreiben beim Abendessen mit Freunden, die ihn animierten, doch einmal einen Roman zu schreiben, geweckt. Warum nicht, dachte sich der Sprachwissenschaftler, und sah diese Herausforderung als Ausgleich zum beruflichen Alltag. „Da ich nur nachts schreiben konnte, blieb mein Plan 2015 gleich wieder in den Anfängen stecken“, erzählt er weiter. Fiedler wurde in diesem Jahr Vater und Sohn Julius forderte auch nachts die Aufmerksamkeit des Papas sehr. Fiedler blieb dran, schreib weiter bis 2018 und suchte sich für eine Veröffentlichung eine Agentin. „Die mich dann über den Tisch gezogen hat“, seufzt er. Das sei derart anstrengend und traurig gewesen, „da hatte ich gleich keine Lust mehr“. Die Flaute dauerte zwei Jahre.
Eigenverlag
Agent zwei war hellauf begeistert und siedelte Fiedlers „Lucifer“ in Größenordnungen im Vergleich mit Autor Dan Brown an. Brown gehöre wie Agatha Christi zu seinen Vorbildern, fügt der Autor an. Leider wollte Agent zwei dann doch etwas Neues beginnen, Fiedler machte mit – mit der Erkenntnis, dass das auch nicht der Weisheit letzter Schluss war. Nach Band eins in der Schublade entstanden auf Papier und im Kopf Band 2 bis 4. Der Entschluss kam spontan: „Dann entschied ich mich, Band eins allein auf den Markt zu werfen.“ Damit war „Lucifer“ aus der Taufe gehoben. Der 55-Jährige ließ sein Erstlingswerk über einen Eigenverlag drucken und vertreibt es nun selbst über Amazon und gängige Buchhandlungen wie Rode und St. Peter in seiner Heimat.
Immerhin seien 250 Exemplare seither als Printversion herausgegangen und 715 online als Kindle-Version. „Allerdings kostenlos“, gesteht der Neuanfänger unter den Autoren. „Die Leute wollen nichts kaufen. Aber geschenkt nehmen sie es dann doch.“ Aktuell steht Fiedler mit einem Verlag für Erstautoren in Verhandlungen.
Mord im Hofgarten
Zum Namen des Buches „Lucifer“ kam Fiedler in Anlehnung an die großen Romane von Brown wie „Illuminati“, „Sakrileg“ oder „Diabolus“. Er wollte auch einen prägnanten Namen. „Zuerst ‚Diabolus‘. Dann sah ich, dass es dieses Buch von Dan Brown bereits gibt.“ Aus dem Teufel wurde „Lucifer“, und mit dem Teufel war auch Hauptkommissar Timo Haffner endlich auf dem Buchmarkt. Der ermittelt mit seiner Kollegin Vroni Adlgasse nach einem satanischen Mord im Dianatempel des Münchener Hofgartens. Die Ermittler tauchen dabei in ein Netz aus Intrigen und Geheimnissen ein. Und die Verdächtigenliste ist lang: Mörder könnte ein rachsüchtiger Professor ebenso sein wie eine verzweifelte Ehefrau oder ein drogensüchtiger Kleindealer. Der Fall ist dermaßen brisant, er droht sogar die Grundfesten der katholischen Kirche zu erschüttern.
Wer es genau wissen möchte, darf sich genüsslich zurücklehnen auf dem gemütlichen Lesesessel daheim und mit Timo Haffner weiter ermitteln: „Lucifer“ von Marco Corelli alias Dr. Fiedler gibt es in den Buchhandlungen zum Preis für 14 Euro als Taschenbuch und Online.
Zur Person: Martin Fiedler
- Alter: 55 Jahre
- Geboren in Tirschenreuth
- Privates: verheiratet, Sohn Julius; wohnt in Waldkraiburg
- Beruf: Sprachwissenschaftler für ein mittellateinisches Wörterbuch, beschäftigt an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften



















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