02.03.2021 - 15:30 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Geburtshilfe Tirschenreuth: Chefarztsuche läuft

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Die Suche nach einem Nachfolger für Dr. Michael Rüth als Leiter der Geburtshilfe am Krankenhaus Tirschenreuth läuft auf Hochtouren. Vom Ergebnis hängt auch ab, ob es am Standort überhaupt weiterhin Frauenmedizin gibt.

Welchen Weg schlägt die Kliniken AG bei der Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Tirschenreuth ein? Momentan wird ein Nachfolger für Chefarzt Dr. Michael Rüth gesucht.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Die Sicherung der Geburtshilfe und Gynäkologie am Krankenhaus Tirschenreuth sei ein "Primärziel", sagt Dr. Thomas Egginger, Vorstandschef der Kliniken Nordoberpfalz AG. Hintergrund ist der Wechsel des Chefarzts der Abteilung Dr. Michael Rüth im kommenden Jahr ans Klinikum Weiden. "Wir haben Headhunter eingeschaltet und geben Vollgas."

Der Fahrplan sehe so aus: Bis in etwa vier Wochen stehen die Bewerber fest, dann trifft sich eine Auswahlkommission. Da der oder die Neue wahrscheinlich ein halbes Jahr Kündigungsfrist beim bisherigen Arbeitgeber habe, würde es Herbst bis zur Neubesetzung.

Wirtschaftlichkeit im Blick

Doch ganz so einfach wird es nicht, fürchten Egginger und AG-Aufsichtsrat Roland Grillmeier, der zugleich Tirschenreuther Landrat ist. Erstens stelle man hohe Ansprüche an die Qualifikation, zweitens müssten genügend Hebammen zur Verfügung stehen, drittens müsse der Freistaat beim Defizitausgleich mithelfen.

Und wenn nicht? Das Wort Schließung nehmen weder Egginger noch Grillmeier in den Mund. Sie betonen aber, dass die Nachfolgeregelung "wirtschaftlich sinnvoll" ablaufen müsse. Beide wissen um die Stimmen im Landkreis, die fürchten, dass Entbindungen und Geburtshilfe in Tirschenreuth bald Geschichte sein könnten. Nicht zuletzt, weil jetzt ein Ruheständler nochmal in der Gynäkologie einspringt, Dr. Karlheinz Mark.

Heimatnahe Praktikumsplätze

Dahinter stehe keinesfalls Verzweiflung, versichert Michaela Hutzler, Medizinische Direktorin der Kliniken AG. "Wir sind stolz, dass Dr. Mark kommt." Er stehe nicht als Allrounder bereit, sondern verstärke das Medizinische Versorgungszentrum Tirschenreuth mit seinem Spezialgebiet, der Frühdiagnostik bei Schwangerschaften.

Gleichwohl drückt die Tirschenreuther weiter der Facharztmangel. Sie bewerben intensiv das Landarztprogramm des Freistaats unter dem Namen "Hausarztschmiede". Der Landkreis will dazu pro Jahr 100.000 Euro in die Hand nehmen und mit den Kliniken Nordoberpfalz zusammenarbeiten, unter anderem um mehr heimatnahe Praktikumsplätze für zukünftige Landärzte zu schaffen. Bei einem weiteren Thema versprach Grillmeier, im Gesundheitsministerium in München nicht locker zu lassen: "Wir brauchen Ärztequoten für unterversorgte Landkreise."

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Tirschenreuth
Hintergrund:

Geburten in Tirschenreuth

  • 2017: 305
  • 2018: 368
  • 2019: 375
  • 2020: 295 (Anmerkung: Wegen Corona-Beschränkungen war die Geburtenstation fast vier Monate geschlossen.)

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