11.06.2018 - 20:18 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gefährliches Spiel mit dem Feuer

Stiftlandgriller, Feuerwehr und Rotes Kreuz stellen sich an den Grill. Zusammen zeigen die Experten, wie man es nicht machen sollte.

In einen Becher an einem langen Stab füllen die Feuerwehrmänner Benzin ab.
von Lucia SeebauerProfil

(lue) Ein rauchiger Duft schwebt in der Luft, auf dem Rost brutzelt das Fleisch und die Kohle glüht. Das schöne Wetter lockt wieder zahlreiche Menschen ins Freie. Ob im Garten, am Weiher oder auf dem Festival darf häufig ein Grill nicht fehlen. Die Saison ist wieder eröffnet, doch bei all der Freude daran wird die Sicherheit oft außer Acht gelassen. "Brandverletzungen und Grillen gehören zusammen", erinnert Markus Brunner, Vorsitzender der "Stiftlandgriller". Etwa 4000 Unfälle gibt es in Deutschland jedes Jahr.

"Oft macht man sich einfach zu wenig Gedanken", weiß Brunner. Zu seinem Verein, der 2016 gegründet wurde, zählen inzwischen rund 70 Mitglieder. Regelmäßig veröffentlichen sie eigene Blogbeiträge zu Rezepten, Zutaten und Grillveranstaltungen auf Facebook. "Uns ist wichtig, dass Essen nicht nur lecker, sondern auch sicher ist." So organisieren die "Stiftlandgriller" mit der Feuerwehr Tirschenreuth und dem Kreisverband des Bayerischen Roten Kreuzes eine Übung, um mögliche Gefahren aufzuzeigen.

Löscher bereithalten

"Grillen braucht Zeit", betont Brunner auf dem Gelände des Feuerwehrhauses. Das gilt für die Vorbereitung, dem Vorgang selbst und auch hinterher. Im Grunde beginnt die Sicherheit schon beim Kauf des Grills. "Wichtig ist vor allem, dass er stabil ist", rät er. Beim Aufstellen des Objektes gilt es auf den Wind zu achten. Dieser kann die sengende Glut aus dem Grill in die Natur verteilen. "Deshalb sollte er nicht in unmittelbarer Nähe von Hecken, Stroh oder im Wald stehen", sagt Johannes Werner, Pressewart der Tirschenreuther Wehr. Er rät sich beim Grillen stets einen Wasserschlauch, Wasserkübel oder Feuerlöscher bereit zu halten, um mögliche Brände zu löschen.

Gut durchgeglühte Holzkohle sorgt laut Brunner für das beste Ergebnis. "Ungeduldige nehmen aber gerne Brandbeschleuniger wie Spiritus, Benzin oder flüssige Anzünder zur Hand." Das kann fatale Folgen haben. Die Feuerwehrmänner demonstrieren mit Helm, Anzug und feuerfesten Handschuhen, was zu Hause niemand nachmachen sollte. Nacheinander füllen sie die jeweiligen Brennstoffe in einem Becher an einem langen Stab ab. Langsam kippen sie den Brennstoff in einen handelsüblichen Kugelgrill.

Explosiver Feuerball

In Sekundenschnelle verdunstet die Flüssigkeit, ein explosiver Feuerball entsteht. Die Flamme schnellt über den Rost nach oben und zur Seite. "Wenn da jemand daneben steht, kann er sich Körper und Gesicht verbrennen", bemerkt Brunner. "Besser ist es, auf feste und geprüfte Anzünder aus natürlichen Stoffen zurückzugreifen. So entstehen auch keine giftigen Dämpfe, die die Qualität des Fleisches beeinträchtigen." Vorsicht gilt bei flüssigen Grillanzündern. "Hinten auf den Flaschen steht oft, dass sie ungefährlich seien." Ein Spritzer in den heißen Grill zeigt die Tücke. Ein kurzer Moment vergeht und es entsteht eine hohe Stichflamme.

Holzkohlegrills sollten durchgängig beaufsichtigt und nur im Freien verwendet werden. Doch wenn es regnet, wird der Grillabend schon mal in die Garage verlegt - oder besser nicht. Denn das kann lebensgefährlich werden. Die Feuerwehrmänner nehmen die beiden Vorführgrills in eine Halle mit. Um die Ausbreitung der geruchslosen Gase zu demonstrieren, haben sie einen Kohlenstoffdioxid-Messer dabei. Es dauert nur ein paar Minuten, ein unangenehmer Geruch entsteht. Und schon piepst das Gerät laut und leuchtet rot. Schnell stellen die Männer die Grills wieder nach draußen bevor sich jemand vergiftet.

"Kinder sollten sich nicht beim Grill aufhalten oder in seiner Nähe spielen", sagt Brunner. "Wegen ihrer Körpergröße ist die Verletzungsgefahr größer", bestätigt Thomas Haberkorn, zweiter Vorsitzender der "Stiftlandgriller" und stellvertretender Wachleiter beim BRK-Tirschenreuth. Das nächste Schreckensszenario wird aufgebaut. Neben dem großen Kugelgrill liegt eine Decke, darauf eine Puppe so groß wie ein Kleinkind. Haberkorn nimmt einen Fußball zur Hand, wirft ihn gegen den Grill und dieser kippt um. Das Gerät samt dem heißen Rost und der Kohle fallen auf die Puppe und entzünden sie.

"Kohle hält länger, als man vermutet", sagt Brunner. Daher sollte sie auch nach dem Essen und Grillen nicht aus den Augen gelassen werden. "Die Kohle hinterher am besten in einen Blechkübel mit Wasser füllen", meint Feuerwehrmann Werner. Nicht auf dem Kompost, auf die Wiese, am Wegesrand oder zurück in die Tüte legen.

Info:

Sicher Grillen

- Grill stabil und windgeschützt aufstellen

- Keine flüssigen Brandbeschleuniger wie Spiritus oder Benzin verwenden. Besser: Feste, geprüfte Grillanzünder aus dem Fachhandel nutzen.

- Grill stets beaufsichtigen.

- Kinder nicht in die Nähe des Grills lassen, Sicherheitsabstand von 2 bis 3 Metern. Grill

nicht von Kindern bedienen oder anzünden lassen.

- Kübel mit Sand oder Wasser, Feuerlöscher oder Löschdecke bereithalten.

- Brennendes Fett niemals mit Wasser oder Bier, sondern durch Abdecken löschen.

- Nach dem Grillen weiter beaufsichtigen, bis die Glut vollständig ausgekühlt ist.

- Nicht in geschlossenen Räumen grillen: Vergiftungsgefahr!

- Heiße Glut nach dem Grillen am Strand oder am Weiher nie im Sand oder Torf vergraben.

- Einmalgrills am Strand mit Wasser löschen, auch den Sand unter dem Grill.

- Weitere Hinweise gibt es auf der Seite des Vereins für brandverletzte Kinder: www.paulinchen.de

Info:

Brandverletzungen richtig behandeln

Der Kreisverband des BRK-Tirschenreuth empfiehlt bei Brandverletzungen:

"Kein Kühlen bei großflächigen Verbrennungen, sonst Gefahr der Unterkühlung."

Zur Schmerzlinderung nur kleinflächige Verbrennungen (Größe der Hand) sofort mit fließendem Wasser kühlen. Kühlen auf die verbrannte Stelle begrenzen.

Bei Verbrühungen Kleidung entfernen, um einen Hitzestau und ein Nachbrennen zu verhindern.

Sollte die Kleidung mit der Haut verklebt sein, nicht entfernen, sonst wird die Verletzung schlimmer. Brandwunden locker und keimfrei bedecken, am besten mit Verbandstüchern aus dem Verbandkasten.

Bei einem Notruf immer die Größe und die Stelle der Brandverletzung mit angeben. Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes beruhigen, betreuen, trösten und beobachten. Immer wieder Bewusstsein und Atmung prüfen. Auch bei kleinen Verbrennungen zum Arzt gehen, da es eine hohe Infektionsgefahr gibt.

Mit voller Schutzmontur füllt ein Feuerwehrmann das Benzin in einen handelsüblichen Kugelgrill mit heißen Kohlen. Schnell entwickelt sich ein explosiver Feuerball, der nach oben und zur Seite entweicht.

Der Grill hat in einem geschlossenen Raum nichts zu suchen. Ein Feuerwehrmann zeigt mit einem CO2-Messgerät, wie schnell sich unsichtbare Gase ausbreiten. Es entsteht eine Erstickung und Vergiftungsgefahr.

Die Experten betonten, dass Kinder sich nicht in der Nähe des Grills aufhalten oder dort spielen sollten. In diesem Fall kippte der Grill wegen eines Fußballs um.

Grillen braucht Geduld erklärt Markus Brunner, erster Vorstand der „Stiftlandgriller“. Ein Fön zum schnellen Anheizen oder auch der Wind kann Funken weit in die Natur verteilen und Brände verursachen.

Flüssige Brennanzünder sind nicht ungefährlich. Die Experten raten immer die Gebrauchsanweisung zu beachten. Auf heißen Kohlen angewendet, kann eine große Stichflamme entstehen.

Besser als flüssige Brennmittel sind feste und geprüfte Anzünder aus dem Fachhandel.

Markus Brunner, erster Vorstand der „Stiflandgriller“, demonstriert gemeinsam mit seinem zweiten Vorstand und dem Stellvertretenden Wachleiter bei der BRK-Tirschenreuth Thomas Haberkorn sowie den Männern der FFW-Tirschenreuth die Gefahren beim Grillen

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