12.07.2019 - 16:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Gericht in Tirschenreuth erteilt Denkzettel nach Schlägerei

Ein 38-Jähriger soll den Noch-Ehemann seiner Freundin verprügelt und mehrmals "Ich bring dich um" gebrüllt haben. Der Angeklagte streitet das ab: "Die lügen alle", sagt er bei der Verhandlung am Amtsgericht Tirschenreuth.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) Eine Auseinandersetzung zwischen zwei Kontrahenten vor einer Asylunterkunft im Landkreis Mitte März 2019 beschäftigte das Amtsgericht Tirschenreuth am Donnerstag. Am Tattag wollte der Geschädigte, der in München lebt, seine beiden Söhne (13 und 16 Jahre) besuchen, die damals bei einem Freund der Familie wohnten. Zudem gab der 42-jährige Verkäufer an, ein wichtiges Dokument bei seiner von ihm getrennt lebenden Frau abholen zu wollen. Der 38-jährige Angeklagte ist mit der Frau des Geschädigten liiert. Die 39-jährige zweifache Mutter lebt von ihrem Mann getrennt, die beiden sind noch nicht geschieden. Der Freund fuhr die Söhne und den Vater zur Wohnung der Frau, wo auch der Angeklagte lebt. Um eine Konfrontation zu vermeiden, parkte der Freund das Auto einige Hundert Meter vor einer Asylunterkunft.

Der 42-Jährige schickte seine Söhne vor, das Schreiben zu holen. Nach etwa 20 Minuten, gegen 17.30 Uhr, stürmte der 38-jährige Angeklagte auf das Auto zu. Als der Geschädigte ausstieg, fing der Neue seiner Frau an, mit den Fäusten auf ihn einzuschlagen und schrie: "Ich bring dich um." Der 42-Jährige lag schon am Boden, als sein Freund zwischen ihn und den Angreifer ging. Der jüngere Sohn stand dabei, als auf seinen Vater eingeprügelt wurde. Sein älterer Bruder informierte die Security der Asylunterkunft, welche die Polizei alarmierte. Der Geschädigte erlitt leichte Rötungen und Schwellungen am Unterkiefer und an der Stirn. Im Krankenhaus, wo der Verkäufer ambulant behandelt wurde, klagte er über Kopfschmerzen und Schwindel.

Schauspielerei

"Das ist gelogen", unterbricht der Angeklagte, ein gebürtiger Iraker, immer wieder die Zeugen. "Meine Freundin hatte Angst, ihr Mann hat ihr jeden Tag gedroht. Ich wollte mit ihm reden. Er hat angefangen und mich geschubst." Der 38-jährige gelernte Koch gibt an, dass sein Kontrahent angefangen habe zu schauspielern und sich auf den Boden geworfen habe, als die Mutter seiner Kinder kam. Der 13- und der 16-Jährige erzählen, dass der Angeklagte oftmals aggressiv gegenüber ihnen war. "Was wollt ihr schon wieder hier? Wehe, ihr kommt noch einmal her!", soll er zu den beiden Schülern, die in einem Kinderheim in der Oberpfalz wohnen, gesagt haben. Ein Polizist, der zur Auseinandersetzung dazukam und die Personalien der Beteiligten aufnahm, sagte, der Angeklagte sei gegenüber den Beamten nicht aggressiv gewesen, jedoch emotional aufgebracht.

Die 39-jährige Mutter, die zunächst als Zuhörerin im Gerichtssaal war, sollte auf Wunsch des Angeklagten ebenfalls aussagen. Sie berichtete von familiären Problemen und Drohungen ihres Noch-Ehemannes. Letztendlich konnte sie ihren Freund nicht entlasten, da sie zum Tatzeitpunkt nicht anwesend war. Nach zwei Stunden beendet Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß die Beweisaufnahme. "Ich habe nichts gemacht, ich bin unschuldig", beteuert der 38-Jährige. Der gebürtige Iraker, der 2003 nach Deutschland kam, ist aktuell "geduldet". Er arbeitete in hierzulande kurze Zeit als Schweißer, lebt aber gerade von Sozialhilfe. Im Bundeszentralregister gebe es fünf Einträge über ihn, informierte Richter Weiß. "Sie sind nicht der Harmloseste", sagt er. Weiß spricht zum Teil "heftige Geschichten" an, wie eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Körperverletzung oder versuchten Totschlags. Die Strafe verbüßte der Angeklagte auf Bewährung.

"Ordentlicher Denkzettel"

Zugunsten des Angeklagten spreche, dass der Geschädigte keine schweren Verletzungen davongetragen habe, allerdings sei der gebürtige Iraker bereits einschlägig vorbestraft. "Ich bin überzeugt, dass die Auseinandersetzung von Ihnen ausging", betonte Weiß. Der Geschädigte sei glaubhaft, auch wenn er die Trennung noch nicht überwunden habe, für die wohl der Angeklagte verantwortlich sei. Weiß: "Sie sollen spüren, dass dies eine schwere Straftat war. Ich halte einen ordentlichen ,Denkzettel' für notwendig." Weiß verurteilte den 38-Jährigen wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von 8 Monaten, die 4 Jahre auf Bewährung ausgesetzt werden kann, plus 150 Stunden gemeinnützige Arbeit. Bei der Verkündung blickte der 38-Jährige kühl in die Gesichter der Kinder und seines Kontrahenten.

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