11.07.2021 - 15:42 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Geschenke aus den Rathäusern: Babyschuhe, Brotzeiten und Bücher

Geht es um das Gratulieren, sind die Rathäuser nicht knausrig. Dafür kommt der Bürgermeister meist persönlich. Wegen Corona war dies über Monate hinweg allerdings nicht erlaubt.

Beate Heinrich (links) und Doris Scharl haben alles im Griff. Das Besorgen und Verpacken von Geschenken gehört für die beiden Vorzimmer-Mitarbeiterinnen zum Büroalltag.
von Ulla Britta BaumerProfil

Welches Hemd trägt ein Minister? Überlegungen, die im Rathaus Tirschenreuth durchaus an der Tagesordnung sind. Dabei geht es nicht nur um Mode oder Größe, sondern bei der Farbauswahl durchaus auch um die politische Gesinnung. Geklärt wird es relativ unspektakulär. "Meine Mitarbeiterinnen fragen einfach im Büro des Ministers nach", erzählt Bürgermeister Franz Stahl lachend. Und der hohe Besuch darf dann ein Hatico-Hemden mit nach Hause nehmen. Ministerpräsident Markus Söder etwa hat eins bekommen, oder Minister Joachim Herrmann. Seine Gattin soll ihm zugeflüstert, das sei endlich mal "was Gescheites".

Aber das ist längst nicht alles an netten Gaben aus den Rathäusern. Was schenken die Bürgermeister, wenn nicht Hemden, wollte Oberpfalz-Medien bei Anfragen in Tirschenreuth, Wiesau und Neusorg wissen. Und wie viel darf ausgeben werden? Fragen, die bestens die Mitarbeiterinnen in den Vorzimmern beantworten können. Denn wie daheim, haben in den Rathäusern vornehmlich die Frauen den feingeistigen Durchblick zum Thema individuelles Geschenk.

Persönlicher Kontakt wichtig

Materielle Gaben gibt es in Tirschenreuth erst ab dem 90. Geburtstag und ab einer Goldenen Hochzeit. Alles andere wäre zu viel, so Stahl. "Wir haben zwei Altenheime", erklärt er, was da auf ihn zukommen würde. Alle Jubilare ab 70 Jahren bekommen Glückwunschbriefe. Je nach Anlass überreicht Stahl gern die Tirschenreuther Chronik, eine historische Stadtansicht oder den Stadtwein. Für die Präsente gibt es einen Etat von 10 000 Euro jährlich. Neben den Politikern zählt Stahl etwa Schlagersänger Bata Illic und Jazzmusiker Klaus Doldinger zu den Personen, die eine Erinnerung an ihren Aufenthalt aus dem Rathaus mitgenommen haben. Die zurückliegenden Einschränkungen aufgrund der Pandemie bedauert Stahl sehr. "Die Leute rufen an und bedanken sich herzlich. Aber das ersetzt nicht den persönlichen Kontakt." "Im lockeren Gespräch bekommt man als Bürgermeister wichtige Signale, was das Wohlbefinden und die Wünsche der Bürger an die Stadt angehen." Bei Auswahl und Verpacken der kleinen Gaben vertraut Stahl völlig seinen Mitarbeiterinnen Beate Heinrich und Doris Scharl. Auf die Frage zum schönsten Geschenk aus dem Rathaus an ihn selbst, zeigt er auf einen lebensgroßen Franz Stahl aus Pappe, den er zu seinem 60. Geburtstag bekommen hat.

In Wiesau kümmern sich Sabine Saller und Birgit Saller um den "Gabentisch". "Ich habe höchstes Vertrauen", beteuert Bürgermeister Toni Dutz. Für besondere Gäste gibt es einen edlen Beruhigungstropfen. "Das legendäre ‚Brunnenwasser‘ hat auch schon Kanzlerin Angela Merkel bekommen". Ebenso Minister Horst Seehofer, Barbara Stamm und Edmund Stoiber. Zu Theo Waigel weiß Dutz eine humorige Anekdote über einen deftigen Brotzeitkorb. "Waigel hat mir hinterher gestanden, dass er den halben Korb bereits auf der Heimfahrt aufgegessen hat". Denn zu Hause hätte die Frau des Ministers das fette Essen wegen der Gesundheit gestrichen. Das Schenken beginnt in Wiesau beim Neubürger im Säuglingsalter mit Spielzeug, für die Eltern gibt's eine Finanzspritze.

Dann geht's weiter mit Geburtstagsgaben ab 80 Jahren oder der Silberhochzeit. Auch in Wiesau bleibt alles im finanziell erschwinglichen Rahmen. Geschenkkörbe, die aus der Mode gekommen seien, ersetzen jetzt Gutscheine von regionalen Läden oder regionale Bücher. Das schönste Geschenk an ihn selbst von seinen Mitarbeitern sei ein Roller gewesen. "Eigentlich ein Fahrrad. Aber ich habe mir dann einen Roller geholt", schmunzelt Dutz.

Bei Bürgermeister Peter König aus Neusorg stehen die selbst überbrachten Geschenke hoch im Kurs. Ab einem Jubilar-Alter von 75 Jahren kommt König beim Geburtstagskind vorbei. "Ab dem Alter von 95 Jahren gratulieren wir jedes Jahr persönlich", erzählt König. Er sucht das Gespräch mit den Bürgern. "Die Leute wollen das auch und freuen sich." Für jeden Neubürger gibt es einen finanziellen Zuschuss an die Eltern, dazu als kleine Geste handgestrickte Babyschühchen. Doch auch Peter König musste während der Einschränkungen durch Corona, die Glückwünsche per Post verschicken. "Aber jetzt kann ich wieder persönlich kommen", freut sich König auf angeregte Gespräch mit seinen Geburtstagskindern.

Freude über Präsente der Kinder

Was verschenkt wird, ist gestaffelt nach Alter des Jubilars, von der Flasche Frankenwein bis zum Gutschein aus einem regionalen Laden. Kündigt sich ein Minister an oder besuchen ihn zum Beispiel Landtagsabgeordnete greift das Gemeindeoberhaupt in die Schublade zur Gedenkmünze von Neusorg in Silber. Seine größte Freude ist es, wenn er als Geschenk Bastel- und Malarbeiten aus dem Kindergarten oder der Schule von Kindern überreicht bekommt. "Die sind nicht mit Geld zu bezahlen", so König.

Zu den angenehmen Pflichten der Stadt- und Gemeindeoberhäupter gehören die Geburtstagsbesuche, etwa zum 100sten

Bärnau

 

 

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